Es werde Licht - Fahrradbeleuchtung

Die Tage sind mittlerweile wieder deutlich kürzer geworden. Somit sind auch Radfahrer häufiger im Dunklen unterwegs. Das sollte Anlass genug sein, die Beleuchtung am Fahrrad zu überprüfen und gegebenenfalls in Ordnung zu bringen (Checkliste).

Die Fahrradbeleuchtung sorgt dafür, dass Radfahrer auch im Dunklen ihren Weg finden. Neben der Ausleuchtung des eigenen Sichtbereichs hat die Fahrradbeleuchtung noch einen weiteren sehr wichtigen Zweck: der Radfahrer wird von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen! Da es nachts sehr schwer ist, Gegenstände zu sehen (siehe Kasten „Nachtsehen“), signalisiert die Fahrradbeleuchtung anderen Verkehrsteilnehmern, dass sich vor ihnen ein Fahrradfahrer befindet. Gerade das Rücklicht verdient in dieser Beziehung eine besondere Beachtung, da ein Ausfall häufig nicht vom Radler bemerkt wird.

Eine vollständige Fahrradbeleuchtung besteht aus folgenden Komponenten:

  • Dynamo zur Stromerzeugung
  • Scheinwerfer und Rücklicht
  • Reflektoren

Diese Ausrüstungsgegenstände werden im folgenden detailliert vorgestellt.

Der Dynamo - das Kraftwerk

Seitenläufer

Zur Erzeugung des elektrischen Stroms ist an einem Fahrrad ein Dynamo vorgeschrieben (Ausnahme: Rennräder unter 11 kg Gewicht). Der Dynamo erzeugt eine Spannung von 6 V bei 3 W Leistung. Diese Werte hat der Gesetzgeber vorgeschrieben. Es sind zwar seit einigen Jahren auch 12 V-Lichtanlagen zulässig; sie haben aber noch keine nennenswerte Verbreitung gefunden. Früher wurden vorwiegend sogenannte Seitenläufer eingesetzt. Bei dieser Bauart drückt eine Feder den Dynamo seitlich an den Reifen. Häufig rutscht das Antriebsrad des Dynamos bei Nässe und Schnee durch, so dass das Licht bei schlechtem Wetter ausfällt. Außerdem sind Seitenläufer laut und besitzen nur einen geringen Wirkungsgrad. Dadurch fällt das Treten deutlich schwerer, wenn man mit Licht fährt. Aus Bequemlichkeit verzichten viele Radler daher auf das Einschalten und gefährden sich dadurch.

Nabendynamo

In den letzten Jahren haben sich Nabendynamos durchgesetzt. Bei ihnen ist der Generator in der Nabe des Vorderrads untergebracht. Prinzipbedingt läuft er immer mit und kann nicht mechanisch abgeschaltet werden, wie es beim Seitenläufer der Fall ist. Ein Nabendynamo muß daher immer mit einem in die Vorderlampe integrierten oder separaten Schalter kombiniert werden. Bei höherwertigen Lichtanlagen kann auch eine Automatik mit Dämmerungsschalter diese Aufgabe übernehmen. Weil der Nabendynamo in das Vorderrad integriert ist, gibt es auch bei Nässe und Schnee keine Ausfälle. Zudem besitzen sie einen erheblich größeren Wirkungsgrad und arbeiten geräuschlos. Häufig meinen Radfahrer jedoch, dass Nabendynamos einen erheblichen Laufwiderstand verursachen. Hebt man das Vorderrad an und dreht es bei ausgeschaltetem Licht, stellt man deutlich die sogenannte Polfühligkeit fest: das sind Punkte mit erhöhtem Widerstand, die durch Magnetkräfte im Innern des Nabendynamos hervorgerufen werden. Man darf sich davon jedoch nicht täuschen lassen. Ohne Licht benötigt ein guter Nabendynamo bei einer Fahrgeschwindigkeit von 20 km/h nur 1-2 W Leerlaufleistung von den ca. 100 W, die ein nichttrainierter Fahrradfahrer leistet. Bereits leichte Steigungen oder Gegenwind haben dabei einen sehr viel größeren Einfluß. Dafür erreichen Nabendynamos im eingeschalteten Zustand Wirkungsgrade von bis zu 60 %, das heißt, dass nur 5 W zusätzlich vom Radfahrer für die Beleuchtung aufgebracht werden müssen. Bei Seitenläufern ist es häufig doppelt so viel.

Verkabelung

Die Verkabelung ist oftmals ein Schwachpunkt, der zum Ausfall der Lichtanlage führt. Die Verkabelung sorgt dafür, dass der vom Dynamo erzeugte Strom zu den Lampen geführt wird. Bei älteren Fahrrädern fließt der Strom über einen Draht zur Lampe und dann über die Schutzbleche und den Rahmen zurück zum Dynamo. Dabei kann Korrosion den Stromfluß an vielen Stellen unterbrechen. In diesem Fall muß man mit einer zusätzlichen Leitung für einen sicheren Masseanschluß sorgen, indem man die betroffene Stelle überbrückt. Anstatt derartiges Flickwerk zu betreiben, empfiehlt sich die komplette Umstellung auf eine zweiadrige Verkabelung, wie sie bei modernen Fahrrädern in der Regel angewendet wird. Dabei führt ein Kabel mit zwei Leiteradern vom Dynamo zum Licht. Über die eine Ader fließt der Strom zur Lampe, über die andere wieder zurück. Hierbei vermeidet man die geschilderten prinzipiellen Probleme der einadrigen Verdrahtung.

Glühobst - Leuchtmittel

LED-Scheinwerfer

Bei Rücklichtern haben langlebige Leuchtdioden (LED = light emitting diode) Glühbirnen schon längst abgelöst. Bei den Scheinwerfern findet derzeit ein Umbruch statt. Schon seit langem werden in den Scheinwerfern Halogenbirnen verwendet, die deutlich heller als normale Glühbirnen sind. Derzeit drängen auch viele Frontlampen mit weißen LEDs auf den Markt. Einige Tests haben gezeigt, dass Leuchtdioden bei niedrigen Geschwindigkeiten bis ca. 20 km/h der Halogenbeleuchtung inzwischen leicht überlegen sind. Fährt man schneller, leuchten Halogenscheinwerfer besser aus. Bei LEDs ist häufig auch ein leichter Grün- oder Blaustich zu beobachten, der für Radfahrer mit Rot-Grün-Schwäche vorteilhaft ist. Davon sind immerhin ca. 9 % aller Männer betroffen. Oftmals hilft nur das Ausprobieren von verschiedenen Leuchten, welcher Scheinwerfer den eigenen Ansprüchen am besten gerecht wird. Dabei ist auch zu beachten, dass es große fertigungsbedingte Helligkeitsschwankungen zwischen baugleichen Exemplaren geben kann.

Moderne Scheinwerfer und Rücklichter verfügen über ein Standlicht, das nach dem Anhalten noch für einige Minuten weiterleuchtet, so dass das Fahrrad sichtbar bleibt. Solche Standlichter kommen heute dank stromsparender Leuchtdioden ohne Batterien oder Akkus aus. In Scheinwerfern sind hierfür oftmals gesonderte LEDs zuständig.

Lebensdauer von Halogenbirnen

Halogenbirnen besitzen eine Lebensdauer von maximal 100 Stunden im Betrieb. Auch wenn sie nach dieser Zeit durchaus noch leuchten, hat sich ihre Helligkeit bereits drastisch vermindert. Vergleicht man eine solche Birne mit einer neuen, bemerkt man eine deutliche Schwärzung des Glaskolbens, wodurch sie dunkler wird. Außerdem sind häufig mehrere Windungen des Glühfadens miteinander verschweißt, so dass sie kein Licht mehr erzeugen. Die Birnen sollten daher regelmäßig ausgetauscht werden, bevor sie endgültig durchbrennen. Auch wenn man es bei einem Nabendynamo kaum bemerkt, sollte man tagsüber nicht mit Licht fahren, weil die Birnen im Scheinwerfer und im Rücklicht entsprechend schneller altern und sich dadurch die Lebensdauer verkürzt.

Wenig bekannt ist, dass eine alternde Halogenbirne im Frontscheinwerfer auch die Standlichtfunktion des Rücklichts beeinträchtigen kann. Wie bereits geschildert, können mehrere Windungen der Birne kurzgeschlossen sein. Dadurch reduziert sich ihr elektrischer Widerstand, so dass nun mehr Strom vom Dynamo durch das Vorderlicht fließt. Der restliche Strom reicht dann unter Umständen nicht mehr dafür aus, den Stromspeicher für das Standrücklicht aufzuladen.

Es gibt noch einen weiteren Grund, Birnen rechtzeitig vor dem Durchbrennen auszutauschen: wenn man nämlich trotz durchgebrannter Birne mit eingeschaltetem Dynamo noch weiterfährt, erhöht sich die Spannung am Rücklicht aufgrund der reduzierten elektrischen Last. Dadurch kann sowohl die Birne im Rücklicht oder sogar die Standlichtelektronik durchbrennen.

Beim Kauf von Halogenbirnen muss man übrigens darauf achten, die korrekte 6 V-Version für die Fahrradbeleuchtung zu bekommen. Die 2,4 V-Version für Batterieleuchten sieht fast exakt identisch aus, kann jedoch nicht verwendet werden.

Einstellung des Scheinwerfers

Der Frontscheinwerfer soll so eingestellt sein, dass er maximal in 10 m Entfernung vor dem Rad auf dem Boden auftritt, um eine Blendung des Gegenverkehrs zu vermeiden. Das bedeutet aber auch, dass man nur so schnell fahren darf, dass man innerhalb der ausgeleuchteten Strecke bis zum Stillstand bremsen kann., da der Lichtkegel weiter entfernte Hindernisse nicht erfaßt. Dies gilt vor allem außerorts, wo häufig außer der Fahrradbeleuchtung keine anderen Lichtquellen wie z. B. Straßenlampen vorhanden sind. Gerade für Alltagsfahrer, die häufig auch abends zwischen Ortschaften zügig unterwegs sind, reicht die gesetzlich zulässige Fahrradbeleuchtung nicht aus.

Rechtliches

Rücklicht

Ein Fahrrad muß mit einem Dynamo ausgestattet sein, an den ein weißer Frontscheinwerfer und ein rotes Rücklicht angeschlossen ist. Diese Komponenten müssen alle zugelassen sein, was an einer angebrachten Wellenlinie und einer Prüfnummer erkennbar ist. Dabei sind bestimmte elektrische Kennwerte einzuhalten. Außerdem müssen sie blendfrei sein.

Lediglich Rennräder unter 11 kg Gewicht sind von dieser Regelung ausgenommen. Bei ihnen ist die alleinige Nutzung von zugelassenen Batterieleuchten erlaubt. Die Lampen müssen bei ihrer Nutzung am Fahrrad montiert sein, da sie z. B. leicht verdeckt werden können, wenn sie nur am Rucksack befestigt sind. Auf jeden Fall sollte der Radler Ersatzbatterien dabei haben, damit er nicht unerwartet im Dunkeln steht.

Die häufig anzutreffenden blinkenden Rücklichter sind nicht zulässig. Sie ziehen zwar schnell die Aufmerksamkeit auf sich, sind jedoch deutlich schwerer zu orten. Außerdem besteht Verwechslungsgefahr z. B. mit Joggern, die zu Fehleinschätzung bei anderen Verkehrsteilnehmern führen kann.

Aufgrund der restriktiven rechtlichen Vorschriften bleibt die Fahrradbeleuchtung trotz aller Verbesserungen in den letzten Jahren deutlich hinter dem zurück, was technisch machbar und wünschenswert wäre. Für Alltagsradler reicht die Beleuchtungsstärke bei weitem nicht aus. Im Internet finden sich daher auch zahlreiche Bauanleitungen für leistungsstarke Scheinwerfer, deren Montage allerdings eine Ordnungswidrigkeit darstellt.

Reflektoren

Speichenreflektor

Neben einer funktionsfähigen Fahrradbeleuchtung, tragen auch die Reflektoren dazu bei, dass Radfahrer von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen werden. Vorgeschrieben sind ein weißer Reflektor nach vorn und ein roter nach hinten. Diese sind häufig bereits in die Lampen integriert. Daneben müssen an den Pedalen noch gelbe Rückstrahler vorhanden sein. Seitlich sorgen Speichenreflektoren oder reflektierende Reifen für das Gesehenwerden. Die Radfahrer selbst sollen möglichst hell gekleidet sein oder noch besser Kleidung mit Reflexstreifen tragen. Solche reflektierenden Flächen sind in Fahrradkleidung oftmals eingearbeitet. Sehr wirksam (wenngleich wenig kleidsam) sind Warnwesten, die großflächig zurückstrahlen.

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