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ADFC kommentiert schwache Note für Fahrradfreundlichkeit in Krefeld

07.12.14

Nur "befriedigend" für die ehemalige Vorreiterstadt am Niederrhein. Städtischer Etat für Unterhaltung und Modernisierung des Radwegenetzes muss aufgestockt werden - gegebenenfalls auch zu Lasten des Autoverkehrs.

Dass die Arbeitsgemeinschaft fahrrad- und fußgängerfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V. (AGFS) die Aktivitäten der Stadt Krefeld zur Radverkehrsförderung nur mit "befriedigend" bewertet, kommt für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club nicht überraschend: "Viele Bürger finden diese Note noch geschmeichelt" stellt Andreas Domanski, Vorsitzender des ADFC-Kreisvereins, fest. Seit Jahren reklamiert der Fahrrad-Club fahrrad- und fußgängerunfreundliche Ampelschaltungen und den schlechten Zustand vieler Radwege. Das nachlassende Engagement der Stadtverwaltung bei der Fahrradförderung hängt nach seiner Einschätzung auch damit zusammen, dass der Etat für die Unterhaltung und Modernisierung der Radverkehrsanlagen durch Ratsbeschlüsse stark zurückgefahren wurde. Trotzdem begrüßt der ADFC, dass Krefeld weiterhin Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft bleibt. Nicht etwa, weil sie auch ihren Sitz in Krefeld hat, sondern weil es in Krefeld mit den Radachsen, vielen geöffneten Einbahnstraßen, der Radstation und einer bisher erfolgreichen Verkehrsssicherheitsarbeit eine gute Basis gibt. Den genauen Wortlaut der kritischen Anmerkungen, die im "blauen Brief" an die Stadtverwaltung stehen, kennt auch der ADFC-Vorsitzende nicht, meint aber: "Ich kann mir vorstellen, dass die Landesregierung vor allem den Sanierungsstau, Meldungen über zugewachsene Radwege und das Beharren auf der Benutzungspflicht für Radwege an weniger stark befahrenen Straßen kritisiert hat. Wir bekommen vermehrt Emails und Anrufe von Bürgern, die eine Benachteiligung des Rad- und Fußgängerverkehrs gegenüber dem Autoverkehr beklagen."

Rechtliche Vorgaben nicht erfüllt

Für das Aufstellen der blauen Radwegschilder gibt es inzwischen strengere Regeln als in den 90er Jahren: So ist die Benutzungspflicht nur dort anzuordnen, wo eine objektive Gefährdung vorliegt. Erst wenn diese durch andere bauliche Maßnahmen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen des Kfz-Verkehrs nicht reduziert werden kann, darf ein Radweg angeordnet werden. Dies darf aber nicht zulasten der Fußgänger gehen. Dabei gibt es auch keinen Bestandsschutz für alte Wege und Schilder, sondern die Verwaltung muss regelmäßig überprüfen, ob einmal getroffene Anordnungen noch aufrecht erhalten werden müssen oder entfallen können.

So sind an Hauptverkehrsstraßen wie Untergath oder Europaring zweifellos klassische Radwege erforderlich und müssen unterhalten werden. Aber schon an der Uerdinger und Kölner Straße ist nach Auffassung des ADFC trotz der Straßenbahngleise bei geänderter Aufteilung der Verkehrs- und Parkflächen ein Schutzstreifen auf der Fahrbahn denkbar, um dort sicheres Radfahren zu ermöglichen. Die heutigen Konflikte zwischen Fahrradverkehr und Fußgängern würden damit vermieden. Den Umbau gibt es natürlich nicht zum Nulltarif.

Für Teile der Gatherhofstraße, Vulkanstraße, Kemmerhofstraße und Gatzenstraße fordert der Fahrrad-Club schon seit langem die ersatzlose Aufhebung der schadhaften oder zu schmalen Radwege, damit die knappen Mittel auf die Modernisierung der wirklich notwendigen Radwege konzentriert werden können.

Nur noch Restmittel für das Radverkehrsnetz?

Eine 2012 durch die Verwaltung begonnene systematische Bestandsaufnahme der Radwegemängel wurde aus Kostengründen wieder gestoppt - offenbar weil man erkannte, welcher Sanierungsstau aufgelaufen war. Dabei wäre ein Hilferuf an die Politik angebracht gewesen, um Mittel vom (Auto-)Straßenbau auf Radverkehrsmaßnahmen umzuschichten. Statt dessen wurden im Herbst 2014 die Fahrbahnen auf mehreren Hauptverkehrsstraßen saniert, die Schäden an den Radwegen daneben aber nicht ausgebessert. Wären die zweifellos knappen Mittel wenigstens entsprechend den tatsächlichen Verkehrsanteilen eingesetzt worden, hätte es bestimmt keinen "blauen Brief" von der AGFS gegeben.

Inzwischen wurde auch die Verkehrssicherheitsarbeit stellenweise zurückgefahren. Die Lichtaktion "Black-Box" konnte in diesem Jahr zwar noch mit zusätzlichen Bürgerspenden durchgeführt werden, aber der städtische Zuschuss für die wichtige Auffrischung der Radfahrprüfung in den weiterführenden Schulen ist - so klagte eine Hülser Bürgerin - dem Rotstift zum Opfer gefallen.

Wie geht es weiter?

Der Verbleib der Stadt Krefeld in der AGFS sollte Politik und Verwaltung motivieren, der Radverkehrsförderung wieder die Priorität zu geben, die sie in den 90er Jahren hatte. In den anstehenden Haushaltsberatungen müssen die Weichen gestellt werden für eine zügige Modernisierung des Krefelder Radverkehrsnetzes und die Schließung von Netzlücken - gegebenenfalls auch durch teilweise Umschichtung von Mitteln, die für den Autoverkehr geplant waren.

 

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