Roll Back für Krefelder Radelnde?

06.11.17
Kategorie: Aktuelles, Verkehr

Planausschnitt mit kritisierter Radverkehrsführung mit teils nur 1,2 m breiten Radwegen, auf denen die Sicht in Einmündungsbereichen zusätzlich durch Baumstandorte beeinträchtigt wird.


Gegen die Einwände von ADFC, FahrRad! Aktionskreis, den Grünen und der Linken wurde im Stadtrat am 7.11.17 eine Planung für den Ausbau des Abschnitts Kölner Straße zwischen Fütingsweg und Ritterstraße beschlossen, die den Fahrradverkehr eher bremst als fördert, in Einmündungsbereichen Sichtbeziehungen behindert und so Konflikte und womöglich Verkehrsunfälle provoziert.


Die Ergebnisse des bundesweiten Fahrrad-Monitors 2017, dass der Radverkehrsanteil nahezu stagniert, weil der Ausbau der Infrastruktur mit den Bedürfnissen von Radfahrenden nicht Schritt hält, hat auch für Krefeld seine Gültigkeit. Entgegen den Forderungen nach breiteren Radwegen und grüner Welle für den umweltfreundlichen Fahrradverkehr wird aktuell genau das Gegenteil praktiziert.

Die geplanten Radwege im Ausbaubereich der Kölner Straße bleiben an den neuen Baumstandorten zum Beispiel vor der Virchowstraße mit 1,20 m Breite weit hinter den Standards für zukunftsfähige Radwege zurück. Gerade als Mitglied der AGFS wäre eine Planung vom Straßenrand zur Straßenmitte angesagt, die Interessen von Fußgängern und Radelnden deutlicher berücksichtigt und gerade in Zeiten von Pedelecs auch Überholvorgänge ermöglicht.
Während die Stadtverwaltung von deutlich steigenden Zahlen für den motorisierten Verkehr ausgeht, wird über die Rolle der Achse Kölner Str. für den radelnden Alltags- und Berufsverkehr und in ihrer Funktion als Zubringer für die Krefelder Promenade kein Wort verloren. In einer Stellungnahme des Tiefbauamts an den ADFC wird auf die alternativ nutzbare Ostachse über den Nerenbroicker Weg hingewiesen. Dies ist ein schwacher Trost, da diese Route durch mehrere Umlaufschranken eher einem Hindernisparcour gleicht und schon am Fütingsweg endet.

Entgegen einer zukunftsweisenden Strategie, dass jeder Radfahrende auch eine Entlastung für die Umwelt, den Lärm und der Staugefahr für den Autoverkehr darstellt, soll sich der Radverkehr in Krefeld offenbar auf schmale Radwege, mehr Barrieren durch Bedarfsampeln und mehr schlechte Luft durch längere Wartezeiten an Straßenkreuzungen einstellen. Dass ein solches Programm dann mit Hinweis auf einen flüssigeren Autoverkehr auch noch als Maßnahme zur Luftreinhaltung für Krefeld verkauft wird, gleicht einer Satire.

Der Appell von ADFC und FahrRad! AktionsKReis an die Mitglieder des Ausschusses für Bauen, Wohnen und Mobilität, eine zukunftsfähige Breite von 2 m für die neuen Radwege zu fordern, blieb leider unberücksichtigt. Statt dessen sieht sehen die Pläne zweispurige Führungen des Autovekehrs vor, obwohl die gleiche Stadtverwaltung für die St. Antonstraße bereits eine einspurige Verkehrsführung im Blick hat und damit auf dem Ring gerade zur Vermeidung von Lärm und Verbesserung des Verkehrsflusses gute Erfahrungen gemacht worden sind.

Krefeld bewegte sich nach jahrelangem fahrradpolitischen Stillstand zuletzt mit Maßnahmen zur Radwegesanierung und dem Bau der Krefelder Promenade endlich wieder in Richtung Fahrradfreundlichkeit. Ein aktueller Planungsentwurf der Stadtverwaltung zum Ausbau der Kölner Straße zwischen Fütingsweg und Ritterstraße sowie die vermehrte Installation von Anforderungstastern und extrem kurze Grünphasen für Radfahrende und Fußgänger an vielen Kreuzungen deuten aber einschneidende Rückschritte an. Mit einer derart autoorientierten Verkehrsplanung wird es nicht gelingen, die nichtmotorisierten Verkehrsanteile langfristig weiter zu steigern und den motorisierten Verkehr auf ein verträglicheres Maß zu reduzieren. Der vom Tiefbauamt vorgeschlagene Entwurf für die Umgestaltung läßt entgegen einer Stellungnahme der Stadtverwaltung keine "Abwägung" der Interessen erkennen, sondern bevorzugt und fördert vor allem den Autoverkehr. Unverständich, warum die bereits 2014 erstellte Planung bisher den Gremien und der Öffentlichkeit vorenthalten wurde und nun "durchgeboxt" werden soll, während gleichzeitig am Mobilitätskonzept der Zukunft und an der Umsetzung der Promenade gearbeitet wird.

Pressespiegel:
Rheinsiche Post vom 8.11.17

 

 

Andreas Domanski

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