Der Tote Winkel - Mahnmal und Gedenkstätte

17.11.18

Gedenkstätte und Mahnmal an der Gladbacher Straße / Ecke Seyffarthstraße in der Entstehungsphase



Das 3D-Wandbild symbolisiert den (gebrochenen) Toten Winkel



Das White-Bike



Zur Einweihung kamen Menschen aus dem Bezirk, aus Politik und Verwaltung, von der Polizei (Verkehrsdezernat und Operschutz), vom Sozialwerk Krefelder Christen und Mitglieder des ADFC



Auch die selbstgebackenen Lebkuchen waren Winkel


Zum Gedenken an Menschen, die an den Folgen eines Verkehrsunfalls gestorben sind.

Am 18.11.2018 hat der Krefelder Künstler Frank Saternus als Projektleiter der Gruppe LEBENSNAH - JUGEND STÄRKEN im QUARTIER und Initiator der Aktion "Der tote Winkel" ein Mahnmal anlässlich eines tödlichen Unfalls an der Gladbacher Straße / Ecke Seyffarthstraße im Dezember 2017 eingerichtet. Damals wurde ein junges Mädchen von einem rechts abbiegenden Lkw überfahren. Gemeinsam mit dem ADFC-Kreisverein wurde ein White-Bike am Mahnmal aufgestellt.

Gemeinsamer Appell:
Krefeld ist eine Stadt in der das Fahrrad ein ganz wesentliches Verkehrsmittel darstellt. Wir wollen aber auch, dass zukünftig noch mehr Radfahrende aller Altersgruppen sicher in unserer Stadt am Straßenverkehr teilnehmen können. Aus diesem Grund ist es uns ganz besonders wichtig deutlich zu machen, dass alle Verkehrsteilnehmer gemeinsam dazu beitragen müssen, damit auf unseren Straßen weniger schwere Unfälle geschehen. Weniger Verkehrsunfälle bedeutet für uns im Klartext: Weniger Verletzte, weniger Tote. Wir wollen dazu mahnen und zwar mit einem weißen Fahrrad, einem sogenannten "White-Bike", von denen heute eines an dieser Stelle an den Unfall von Fiona erinnert. Jedes "White-Bike" soll auch an andere Radfahrende zu erinnern, die bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen sind. Die Projektgruppe um Frank Saternus, die Krefelder Polizei und der ADFC-Kreisverein wollen gemeinsam diese Botschaft in die Öffentlichkeit tragen.

Bericht in der Rheinischen Post von der Einweihung.

Laut Polizeistatistik „kracht“ es in Krefeld 23 Mal am Tag. Oft ist nur Sachschaden zu verzeichnen, aber manchmal sind die Folgen tragisch wie hier im letzten Dezember. Trotz aller bisherigen Bemühungen sind die Unfallzahlen in Krefeld in den letzten Jahren nur leicht gesunken. Wir führen das auch auf die zunehmende Dichte des motorisierten Verkehrs und immer größer werdende Fahrzeuge im Stadtverkehr zurück. Unter den Opfern schwerer Unfälle, einige davon mit Todesfolge, sind zunehmend Radfahrende, insbesondere Kinder und Senioren. Deshalb, und nicht nur aus Bequemlichkeit, nutzen viele Menschen auch auf Kurzstrecken das Auto anstelle des viel effizienteren Fahrrads. Aber weder Elterntaxis noch Elektroautos lösen dieses Problem, denn es entstehen dadurch wieder neue Gefährdungen für andere. Vielmehr gilt es, diesen Teufelskreis auf breiter Front zu durchbrechen und mit einer intelligenten Verkehrsmittelwahl den Stadtverkehr wieder menschengerecht zu machen.

Wir wollen nicht nur, dass Radfahrende sicher durch die Stadt kommen, sondern wir wollen auch mehr Menschen zum Umstieg vom Auto aufs Fahrrad bewegen.
Die Erinnerungen an solche tragischen Unfälle und das Leid aller darin verwickelten Menschen sollten nicht dazu führen, dass Eltern ihren Kindern das Fahrradfahren verbieten. Vielmehr sollte dies Anlass dazu geben, noch mehr Rücksicht zu nehmen, noch aufmerksamer zu sein, aber auch noch stärker für eine Veränderung der Verkehrsverhältnisse zu kämpfen. Straßen in der Stadt sind erst einmal für alle Menschen und nicht nur für Autos da. Der Straßenverkehr muss insgesamt fehlertoleranter werden. Es ist auch nicht auf Dauer hinnehmbar, dass auf unseren Straßen Menschen mit Fahrzeugen unterwegs sind, aus denen sie ihre Umgebung nicht sicher wahrnehmen können und andere unnötig gefährden oder gar töten. Womöglich nur deshalb, weil die Fahrzeugtechnik aus Kostengründen, aus gestalterischen Gründen oder aus sogenannten Effizienzgründen unzulänglich ist. Im Zweifelsfall kann es tatsächlich lebensrettend sein,  auf sein Vorfahrtsrecht zu verzichten. Das setzt allerdings voraus, dass man die Gefahr überhaupt erstmal erkennt. Diese an sich richtige Überlebensstrategie kann also nicht die alleinige Lösung des Problems sein.

Der Fernsehsender ZDF Info berichtete vor wenigen Tagen über einen ähnlichen Unfall in Flensburg, bei dem das Gerichtsverfahren in erster Instanz gegen einen Lkw-Fahrer eingestellt wurde, weil nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, ob er das Kind hätte sehen können. Im Gutachten stand außerdem, dass „der Unfall hätte vermieden werden können, wenn das Kind auf sein Vorfahrtsrecht verzichtet hätte.“ Es ist leicht vorstellbar, was so eine Formulierung in den Köpfen der Angehörigen auslöst. In der Nachbetrachtung ist diese Denkweise also fehl am Platze.

Der ADFC fordert europaweit gesetzliche Vorschriften für Abbiegeassistenten in Lkw und vor Ort die Modernisierung der Infrastruktur einschließlich Ampelschaltungen, bei denen nicht nur der Fluss des motorisierten Verkehrs im Vordergrund steht. Aber das dauert. Unser Mobilitätsverhalten können wir aber auch morgen schon ändern und dabei kommt der gegenseitigen Rücksichtnahme, der erhöhten Aufmerksamkeit und einem guten Verkehrstraining für unsere jüngsten Verkehrsteilnehmer eine ganz besondere Bedeutung zu. Und zwar durch die Eltern, die Schule und dankenswerterweise die Krefelder Polizei.

Hier geht es zu einer Online-Petition für fest verbaute Abbiege-Assistenten in allen Lkw


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