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Streit um die Verkehrsführung auf der Krefelder Promenade

11.03.20

CDU macht Stimmung mit Flugblättern und SPD sieht "Rückfall in vordemokratische Zeiten"

Die Bevorrechtigung des Rad- und Fußverkehrs auf der Krefelder Promenade zwischen der Oppumer Gesamtschule und der Rheinbabenstraße in Linn hat Kritiker aus CDU und SPD auf den Plan gerufen.
Die Stadtverwaltung hatte vorgeschlagen, die Maybachstraße und die Glindholzstraße zugunsten einer durchgängigen Führung auf der Promenade zu sperren, also dort als Sackgassen enden zu lassen.
Die aktuellen Pressemeldungen dazu:
rp-online.de/nrw/staedte/krefeld/spd-in-krefeld-keine-sperrungen-fuer-die-promenade_aid-49384597
www.wz.de/nrw/krefeld/krefeld-hengst-gegen-sperrungen-wegen-radweg_aid-49479637

Die Vorgehensweise von einzelnen Vertretern der beiden "großen" Parteien wollen wir hier nicht weiter kommentieren, sondern mit folgender Stellungnahme zur sachlichen ösungsfindung beitragen.

 

Vorbemerkung: Mit der Krefelder Promenade soll bekanntlich auch eine durchgängige Radverkehrsverbindung entstehen, die die sichere und schnelle Erreichbarkeit wichtiger Ziele für Radfahrende und Fußgänger verbessert. Aktuell ergeben sich dabei Zielkonflikte bei der Anbindung und bei der Querung von bestehenden Straßen.

Dazu folgende Auszüge aus der Projektstudie zur Krefelder Promenade vom Ingenieurbüro Spiekermann:

Die Krefelder Promenade soll zu einem innovativen, identitätsstiftenden Markenzeichen für die Stadt werden.“

Weiter: „Die Krefelder Promenade dient zwar vorrangig als Freizeitachse, aber unter dem Aspekt, dass sie auch verbindende Funktion zwischen Stadtteilen sowie Freizeit-und Kultureinrichtungen übernehmen soll und als Querung des Stadtgebietes entlang der Bahntrasse zu verstehen ist, ist der Umwegfaktor gering zu halten.“ Weitere Gestaltungskiriterien sind Durchgängigkeit, Barrierefreiheit und die Minimierung unnötiger Halte.

Quelle: https://www.krefeld.de/C1257CBD001F275F/files/promenade_a_erlaeuterungstext.pdf/$file/promenade_a_erlaeuterungstext.pdf?OpenElement


Zielkonflikt oder Zielsetzung?

Wo die Krefelder Promenade nicht in Hochlage verläuft, werden sich Einschränkungen für den motorisierten Verkehr in quer dazu verlaufender Richtung nicht vermeiden lassen. Das erscheint nur deshalb ungewöhnlich, weil es solche Unterbrechungen von bestehenden Verkehrsverbindungen bisher nur auf Rad- und Gehwegen, aber nicht auf „Fahrbahnen“ gab. Angesichts der Zielsetzung, den Radverkehrsanteil zukünftig erheblich zu steigern und kurze Autofahrten möglichst zu vermeiden, ist eine Neuordnung der Verkehrsströme insbesondere in solchen Verdichtungsräumen dringend erforderlich.

Vor diesem Hintergrund kommt der Verkehrsführung an den Kreuzungspunkten der Promenade mit dem bestehenden Straßennetz eine besondere Bedeutung zu:

Unterführung Trift / Weiden

Schon seit langem entspricht die Situation für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer dort nicht einmal dem Mindeststandard, obwohl es sich um einen praktisch alternativlosen Schulweg handelt.

Das Vorhaben der DB für eine Erweiterung und Modernisierung der Brückenbauwerke muss intensiver vorangetrieben werden.

Einmündung Weiden / Kuhleshütte / Werkstättenstraße

Auch diese Einmündung wird in keiner Weise den üblichen Anforderungen an einen sicheren Schulweg gerecht. Die Führung ist konfliktträchtig, unübersichtlich und benachteiligt Radfahrende und Fußgänger.

Buddestraße

Die Straße wird intensiv vom motorisierten Individualverkehr und einer Buslinie genutzt. Für Radfahrende und Fußgänger auf der Promenade kommen folgende Querungsmöglichkeiten in Betracht:

  1. „Vorfahrt“, d.h. Bevorrechtigung gegenüber den Verkehrsteilnehmern auf der Buddestraße, ggf. mit Anrampung der Fahrbahn

  2. „LSA-Regelung“, ggf. per Annäherungssensor, ggf. kombiniert mit der LSA für die Straßenbahnschranken

  3. „Vorfahrt beachten“ oder „Stopp“, d.h. Wartepflicht gegenüber den Verkehrsteilnehmern auf der Buddestraße

Da die Abteilung Verkehrstechnik im KBK bekanntlich über umfangreiche Erfahrung mit intelligenten Verkehrsregelsystemen verfügt, würde hier Version 2 wahrscheinlich den besten Kompromiss darstellen.

Lösung 3 wäre natürlich die für den Rad-/und Fußverkehr und angesichts des zu erwartenden Schülerverkehrs denkbar schlechteste Lösung.

Maybachstraße

Da diese Straße keine Durchgangsfunktion hat, sollte sie jeweils an der Promenade enden. Ggf. sind Wendemöglichkeiten für den motorisierten Verkehr vorzusehen.

Glindholzstraße

Da sie nur eine untergeordnete Durchgangsfunktion hat, sollte sie jeweils an der Promenade enden. Ggf. sind Wendemöglichkeiten für den motorisierten Verkehr vorzusehen.

Alternativ könnte auf der Glindholzstraße eine schmale einspurige, nicht bevorrechtigte Querungsmöglichkeit über die Promenade und die Straßenbahngleise geschaffen werden. Lösungen zur Vermeidung einer Gleis-Blockade durch wartende Kfz müssten mit der SWK mobil erarbeitet werden.

Anbindung der Promenade an die Ossumer Straße / Hausbend und Unterführung Eisenbahnbrücke Rheinbabenstraße

Die heutige Radverkehrsführung im Bereich der DB-Unterführung zwischen Hausbend und Rheinbabenstraße ist völlig unzureichend. Die Weiterfahrt von der Promenade nach Linn müsste östlich der A57 auf die Rheinbabenstraße geführt werden. Die Zuführung von Radfahrenden aus Richtung Linn zur Promenade erfordert eine Querung der Rheinbabenstraße, entweder östlich oder westlich der DB-Unterführung. Die LSA vor der DB-Unterführung zur Ossumer Straße hin hat heute für Radfahrende eine unzureichende Leistungsfähigkeit, d.h. Anforderungstaster mit langen Wartezeiten und schlecht abgestimmten Phasen. Die alternative Querung westlich der DB-Unterführung ist nicht LSA-geregelt und sowohl die Führung als auch der Fahrbahnbelag sind modernisierungsbedürftig.

Für Radfahrende aus Linn müsste also die Verkehrsführung erheblich überplant und modernisiert werden.


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