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Bürgerbeschwerde nicht ernst genommen?

08.02.19
Kategorie: Krefeld/Kreis Viersen, Verkehrsplanung, Sicherheit

Die Unfallstelle an der Parkplatzausfahrt Am Herbertshof der "Markthalle" in Krefeld-Opppum



Vor allem Einbiegende, aber auch Durchfahrende Radler sind durch die Tastkante gefährdet



Skizze des Ist-Zustands mit der Unfalstelle



ADFC-Vorschlag für eine Beseitigung der Gefahrenstelle für Radfahrende unter Beibehaltung der "Blindentauglichkeit"



Genereller Gestaltungsvorschlag I (mit rechtwinklig zur Fahrtrichtung plazierter Tastkante)



Genereller Gestaltugnsvorschlag II (mit durchgehender Erhöhung der Fuß-/Radfahrerfurt mit Verzicht auf die Tastkante)


Oberbürgermeister erteilt erst 6 Monate nach Versand der Eingangsbestätigung "Auftrag an den Fachbereich"

Im August 2018 machte Martin Lindhauer nach einem Fahrradunfall aufgrund einer sehr ungünstigen Straßengestaltung eine Eingabe beim Beschwerdemanagement der Stadtverwaltung. Die Eingangsbestätigung kam prompt, aber auf die eigentliche Antwort wartet der Beschwerdeführer trotz mehrmaliger Nachfrage immer noch. Diese Woche kam dann aus dem Büro des Oberbürgermeisters der Bescheid, dass der zuständige Fachbereich jetzt mit einer Bearbeitung der Beschwerde beauftragt wurde.

Was war geschehen? Im Juli 2018 stürzte der Beschwerdeführer an der nördlichen Ausfahrt der Markthalle / Am Herbertshof in Krefeld-Oppum wegen einer Blinden-Tastkante im Kurvenbereich. Anfang August 2018 wandte er sich per E-Mail an das Beschwerdemanagement des Geschäftsbereichs Planung, Bau und Gebäudemanagement der Stadt Krefeld, schilderte den Vorfall, bat um Beseitigung dieser Gefahrenstelle und um eine Stellungnahme. Zusätzlich wurde der Unfall im August 2018 durch Vertreter des ADFC Krefeld der Tiefbau- und Planungsverwaltung mit dem Hinweis zur Kenntnis gebracht, dass sich bereits Ende 2017 an der gegenüberliegenden Ausfahrt ein ähnlicher Unfall ereignet hat. Ein halbes Jahr lang war die Eingangsbestätigung die einzige erkennbare Reaktion der Stadtverwaltung auf die Beschwerde. Oberbürgermeister Frank Meyer ist Vorsitzender des Beschwerdeausschusses, sodass der Vorgang „Chefsache“ sein müsste. Nun ist zu hoffen, dass es nicht noch einmal ein halbes Jahr dauert, bis die Stellungnahme der Verwaltung vorliegt und die Gefahrenstelle beseitigt wird.

Die Vorgeschichte: 2017 hatte die Stadtverwaltung im Zuge einer Umgestaltung der Rad-/Fußwege im Bereich der Markhalle die Übergänge „barrierefrei” umgebaut. Die Furten wurden zwar vorbildlich rot eingefärbt, aber an den Auf- und Abfahrten teilweise Tastkanten für Sehbehinderte eingebaut, die für Radfahrende alles andere als barrierefrei sind. Wer aus der Seitenstraße einbiegt und nicht einen ungewöhnlich großen Bogen fährt, trifft mit dem Vorderrad in einem äußerst ungünstigen Winkel auf diese Kante. Bereits 2016 hatte der ADFC beanstandet, dass Radfahrende auf dem Rad-/Fußweg an der Uerdinger Straße durch die an den Übergängen eingebauten Blinden-Tastkanten zur Slalomfahrt gezwungen werden und den Kanten bei schlechter Sicht oder herumliegendem Laub gar nicht ausweichen können. Im März 2018 hat der ADFC die Stadtverwaltung auf die Probleme an der "Markthalle" hingewiesen.

Der Verein hat nun einen Lösungsvorschlag erarbeitet, wie auch unter Berücksichtigung der DIN 18040-3 eine fahrradgerechte Gestaltung aussehen kann. Siehe Grafiken rechts.

 

Rechtliches: An der Notwendigkeit der Barrierefreiheit auf öffentlichen Verkehrsflächen besteht kein Zweifel. Da die Gestaltung von sogenannten barrierefreien Querungsstellen bundesweit gesetzlich geregelt ist, werden solche Kanten vermehrt auftauchen. Die bisher schon konfliktträchtige gemeinsame Führung von Rad- und Fußgängerverkehr sollte vermieden und zurückgebaut werden, vor alle innerorts und bei Zwei-Richtungs-Verkehr. Wo das nicht geht, darf die die Umsetzung der DIN 18040-3 aber nicht zulasten von Radfahrenden gehen. Deshalb sind eine klare und großzügige Flächenaufteilung, eine Berücksichtigung von fahrradgerechten Kurvenradien und zukunftsfähigen Wegbreiten noch wichtiger als bisher.

Grundsätzlich sind gemeinsame Rad-/Fußwege, insbesondere im Zwei-Richtungs-Verkehr konfliktträchtig und sollten vor allem innerorts möglichst getrennt werden.

 

 


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