Kölner RadverkehrsInfrastrukturMuseum

Das Kölner RadverkehrsInfrastrukurMuseums (KRIM) ist ein Freiluftmuseum, das bundesweit seinesgleichen sucht. Besucher können die Ausstellung auf eigene Faust erfahren und die Exponate interaktiv erleben.

Sie sind selten geworden, aber es gibt sie noch: Die Reste der Autogerechten Stadt. Trotz der enormen Investitionen in den Radverkehr kann man sie noch finden, die Überbleibsel einer Epoche, in der das Automobil das Maß aller Dinge war. Für uns heute kaum vorstellbar, helfen die in verschiedenen Teilen der Stadt ausgestellten Exponate des KRIM, sich zu erinnern.

Dornrädchen

Foto: SchmittisTrip

1. September 2019

Im Rahmen des Langzeitprojekts Re_Cycling arbeitet das Künstlerduo Manni & Wolle im RadverkehrsInfrastrukturMuseum KRIM mit vergessenen Fahrrädern. Ein besonderes, verwunschenes Exponat der Reihe ist das Kunstwerk „Dornrädchen“ in Humboldt/Gremberg. Das Rad wurde vor Jahren mit einem dichten Buschwerk ergänzt, welches vom kongenialen Künstlerduo immer wieder liebevoll zurückgeschnitten wird. Das Vorderrad wurde keck einen halben Meter vor dem Rad platziert, es versucht auszubrechen aus dem Kunstwerk, wird jedoch durch ein Schloss – eine Anspielung auf das Märchen Dornröschen ist nicht zu übersehen – davon abgehalten.

Mit der Kunstreihe will das kreative Duo auf die Verwahrlosung des öffentlichen Raums hinweisen und fordert damit auch ein Aufräumen ein. So sind viele Exemplare des Projekts Re_Cycling an öffentlichen Fahrradständern platziert, um die Aufmerksamkeit von Mitarbeitern des Verkehrs- und Ordnungsdienstes zu erlangen. Die Künstler kombinieren ihre plastischen Werke mit einem Online-Portal zum Fotoupload, das Kunstkenner zur digitalen Interaktion einlädt. Finanziert wird das Kunstprojekt durch Spenden aus der Öffentlichkeit.

Dornrädchen
KRIM, ca. 2017, Manni & Wolle
Stahl mit Pflanzen

Kreuzung mit Bedienungsanleitung

27. Mai 2019

Ob das neueste Exponat im Kölner RadverkehrsInfrastrukturMuseum (KRIM) überhaupt ein Kunstwerk ist, ist in der Fachwelt umstritten. Manche KunstexpertInnen zweifeln seine Echtheit an weil die bisherigen Exponate im KRIM allesamt die Grenzen zwischen Skulpturen und Konzeptkunst ausloteten, das Werk an der Kreuzung Gereonstraße/Klingelpütz/Mohrenstraße jedoch auf den ersten Blick der darstellenden Kunst zuzuordnen ist.

Eine andere Fraktion weist (unserer Meinung nach zu Recht) darauf hin, dass das Schild mit der interessanten Bedienungsanleitung für die Kreuzung in Zusammenhang mit der dahinter als Flachrelief im Straßenraum installierten Verkehrsinsel zu sehen ist. Somit entsteht eine äußerst interessante Installation, die klassische grafische Kunst auf eine sehr kreative Weise mit einer – wenn auch aufgrund ihrer geringen Höhe oberhalb des Straßenbelags beinahe zweidimensionalen – Skulptur verbindet und passierende Radfahrerinnen und Radfahrer zur Interaktion mit dem Kunstwerk auffordert.

Eine weitere Strömung unter den KunstexpertInnen verneint auch dem Gesamtensemble den Status der Kunst. Sie vertritt vielmehr die Meinung, dass es sich bei dieser Einrichtung im öffentlichen Straßenraum um eine praktische Maßnahme des Sportamtes handelt, mit der die Fähigkeit von Menschen auf Fahrrädern, mit möglichst hohen Geschwindigkeiten besonders enge Kurvenradien zu bewältigen, trainiert werden soll. Denn nur so sei die auf dem Kunstwerk vorgegebene Wegführung erklärbar.

Radfahrende sollen die Verkehrsinsel gemeinsam mit dem geradeaus fahrenden Kfz-Verkehr in möglichst hoher Geschwindigkeit (um den Fluss des Kfz-Verkehrs möglichst wenig einzuschränken) zunächst bis auf die halbe Höhe der Verkehrsinsel diese links passieren. Danach sollen sie dann schlagartig in einem Winkel von 135 Grad in einen knapp einen Meter breiten, von hohen Bordsteinen begrenzten Pfad einbiegen. Im nächsten Moment müssen sie an der nicht mit der zuvor passierten Fahrbahnampel koordinierten Fahrradampel innerhalb derselben Kreuzung erneut stehen bleiben.

Als schwer widerlegbaren Beweis der letzten These verweist diese Fraktion auf die große, freie und durchgehend eben asphaltierte Fläche rechts neben der Verkehrsinsel, die von Menschen auf Fahrrädern mit viel geringeren Anforderungen an ihre Koordinationsfähigkeiten und ihren Gleichgewichtssinn befahren werden könnte.

Unbekannte Künstler, Köln
Kreuzung mit Bedienungsanleitung (für Radfahrer)
Lack auf Stahlblech 65x85 und Asphalt, Beton und Pflastersteine ca. 300x300x300

Vorsicht, Radfahrer auf Radweg!

8. April 2019

Das Kölner RadverkehrsInfrastrukturMuseum (KRIM) hat vor gut zwei Wochen ein neues Exponat in seine Sammlung aufgenommen. Das neue Kunstwerk besteht aus einem Verkehrszeichen 138 in einem Kunststoffsockel. Der Sockel ist unauffällig Ton-in-Ton mit dem dunkelgrauen Radweg gehalten, auf dem er steht.

Der Künstler ist offensichtlich erstaunt, dass Radfahrende selbst in einer fahrradfeindlichen Umgebung, wie der Stadt Köln, mit dem Fahrrad fahren. Mit seinem Werk will er die Verkehrsteilnehmer symbolisch davor warnen, dass auf einem Kölner Radweg, Radfahrer vorkommen können. Durch die mittige Positionierung des Exponats auf dem Radweg wird jedoch die Benutzung desselben unmöglich gemacht, so dass etwaige Radfahrende das Kunstwerk umfahren müssen, wenn sie es nicht umfahren wollen. Auf diese Art und Weise kommt das Ausstellungsstück des KRIM doch auch zu einem praktischen Nutzen, da auch Fußgänger gewarnt werden, dass der Radverkehr auf den das Meisterwerk umfließenden Gehweg ausweichen könnte.

Vorsicht, Radfahrer auf Radweg!
KRIM, 2019, Unbekannter Künstler

Artikel im Express

‪Der schüchterne Radweg

27. Januar 2019

Die Stadtverwaltung hat ein neues Exponat in das Kölner RadverkehrsInfrastrukturMuseum KRIM aufgenommen. Die uns noch unbekannten Künstler spielen mit der Existenz des Radwegs, der vielleicht doch keiner ist. Geradezu schüchtern mit zwei Klinkersteinreihen beginnt er, um dann doch jäh zu enden. Nach einer schwarz-weißen Episode beginnt er jedoch wieder im Hintergrund.

Die Künstler wollen hier wohl die Absurdität der Existenz zweier Parallelwelten persiflieren. Erkennbar ist die versteckte Forderung nach der Kombination aus den Vorteilen beider Welten: Eine Protected Bike Lane mit ausreichender Breite wäre schnell und komfortabel bei gleichzeitigem Schutz vor Zweite-Reihe Parkern.

Der schüchterne Radweg
KRIM, 2019, unbekannte Künstler
Klinker auf Gehweg

Asphalt_Lücke

Foto: Express/Meyszner

15. Dezember 2018

Kurz vor Weihnachten beschenkt sich das Kölner Radverkehrsinfrasturkturmuseum (KRIM*) mit einem neuem Exponat aus dem Atelier des Künstlerkollektivs Klaus&AnonymusformerlyknownasEngelbert. Die Installation Asphalt_Lücke kann in der Gutenbergstraße im Stadtteil Ehrenfeld besichtigt werden.

Die Künstler fügen hier ihrem bewährten Konzept der interaktiven Installation im öffentlichen Verkehrsraum eine neue Variante hinzu. Wie auch bei den anderen Werken im _Lücke-Zyklus entsteht das Kunstwerk aus dem Zusammenwirken eines Kraftfahrzeugs mit der Straßenraumgestaltung.

Mutig waren die Kunstschaffenden dieses Mal bei der Wahl des für ihre Installation verwendeten Materials Asphalt. Es ist dauerhafter als die in den bisherigen Installationen verwendeten Werkstoffe. So werden erstmals, nachdem das trotz Halteverbotsschildern und Flatterband in der Baustelle geparkte Fahrzeug mit mehr als dreitägiger Verspätung dann vor Fertigstellung der Baustelle doch noch abgeschleppt sein wird, dauerhaft Spuren der Installation im Straßenbelag zu sehen sein.

Zudem siedelten die Künstler ihre Installation dieses Mal außerhalb einer Radverkehrsanlage an, um zu demonstrieren, dass von Untätigkeit oder falschen Ermessensentscheidungen über das Abschleppen von Fahrzeugen durch das Ordnungsamt nicht nur Menschen auf Fahrrädern sondern auch zu Fußgehende und Autofahrende betroffen sind.

Die Kritik der Kunstschaffenden an der nicht nur auf Radverkehrsinfrastrukturanlagen beschränkten unzureichenden Arbeitsweise des Ordnungsamtes wird im Fall der Installation Asphalt_Lücke dauerhaft sichtbar bleiben.

Artikel im Express

Park_Lücke

7. September 2018

Die kunst- und kultursinnige Stadt Köln bleibt sich treu und integriert in die jüngst fertiggestellte #RingFrei-Pilotstrecke zwischen Zülpicher Platz und Lindenstraße ein weiteres Exponat des Kölner Radinfrastrukturmuseums (KRIM*). Die Kuratorinnen und Kuratoren der erfolgreichen stadtweiten Ausstellung entschieden sich für eine Arbeit eines Kölner Künstlerkolletivs, das seit kurzem unter dem Namen Klaus&AnonymusformerlyknownasEngelbert auftritt. Die nun aufgestellte interaktive Installation ist ein weiteres Werk der berühmten Lücken-Serie des Werkverbunds. Die Künstler haben ihrem aktuellen Werk den scheinbar alltäglichen Titel „Park_Lücke“ gegeben.

Bei genauerer Betrachtung ist das Werk Park_Lücke jedoch alles andere als alltäglich. Wie bei den Arbeiten der Künstlergruppe üblich, entsteht das eigentliche Kunstwerk erst durch die Interaktion von Verkehrsbeteiligten mit der durch die Künstler in ihrer Installation geschaffenen Situation. Die Installation selbst ist dieses Mal ohne Interaktion mit Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern nicht als Kunstwerk erkennbar. Findet sich bei der an der #RingFrei-Pilotstrecke aufgestellten Installation Park_Lücke ein Autofahrer oder eine Autofahrerin, die in mühevoller Rangierarbeit ein SUV in die dafür gerade ausreichende Lücke zwischen den Fahrradständern hineinzwängt, zeigt sich das eklatante Missverhältnis des Platzverbrauchs von Fahrrädern und Pkw. Gerade durch die unmittelbare räumliche Nähe eines einzelnen Freiraumes in Pkw-Größe und einer großen Anzahl Fahrradabstellanlagen wird für jeden augenfällig, dass auf der für einen PKW notwendigen Fläche acht bis zehn Fahrräder abgestellt werden könnten. Zudem zeigt Park_Lücke welche Mühen PKW-Fahrerinnen und Fahrer aufzuwenden bereit sind, um ihr Fahrzeug als Stehzeug im öffentlichen Raum zu deponieren. Außerdem demonstriert das in der Installation hochkreativ kombininerte Fehlen von Fahrradabstellbügeln und konsequentem Abschleppen von Falschparkern die ästhetisch nachteilige Wirkung abgestellter Autos auf die Stadtraumgestaltung.

Die Kuratorinnen und Kuratoren des KRIM stehen nun vor einer schwierigen Aufgabe die Verkehrssicherheit und Öffentliche Ordnung gegen den kulturellen Wert der Installation Park_Lücke abzuwägen. Die einfache Installation mehrerer weiterer Fahrradabstellbügel in der Park_Lücke würde zwar zuverlässig das Falschparken verhindern, leider jedoch gleichzeitig dieses Exponat im KRIM für immer zerstören.

Klaus&AnonymusformerlyknownasEngelbert: Park_Lücke
Köln 2018: 4832x2143 mm, Freiraum, Stahlrohr und Pflastersteine.

FarbLücke

14. April 2018

Wir freuen uns sehr, dass die Stadt Köln der Sammlung des Kölner RadverkehrsInfrastrukturMuseums (KRIM) weiter pflegt und mit Exponaten von hoher künstlerischer Expressivität ausbaut. Das KRIM ist ein Freiluftmuseum, das bundesweit seinesgleichen sucht. Besucher können die Ausstellung auf eigene Faust erfahren und die Exponate interaktiv erleben. Das neueste Ausstellungsstück ist am Maarweg zu bewundern.

Mit dem StreetArt-Kunstwerk „FarbLücke“ will das der Kölner Schule angehörende Künstlerkollektiv Engelbert & Klaus kritisch auf die Dominanz des Automobils im Öffentlichen Raum hinweisen. Die Kunstschaffenden spielen hier nicht nur in der Benennung ihres Meisterwerks mit dem Element roter Farbe und einer Parklücke.

Während ein richtiges Ordnungsamt in der Realität natürlich ein halb auf einem Radweg parkendes Fahrzeug in der Regel sofort abschleppen würde, zeigen die beiden Künstler hier, wie es sein würde, wenn das Falschparken von Amts wegen akzeptiert würde. Der im Kunstwerk absurd nah an parkenden Autos verlaufende Radweg soll die Enge in einer wachsenden Großstadt symbolisieren.

Die namensgebende FarbLücke fordert Autofahrer auf, das Kunstwerk mit dem eigenen Kraftfahrzeug zu ergänzen, so dass Radfahrende den ultimativen Kick beim Erleben der autogerechten Stadt – die aufgehende Tür eines parkendes Autos – intensiv wahrnehmen können.

Engelbert & Klaus: FarbLücke
Köln 2018: 4725x350 mm, Virtuelle Farbe auf Asphalt.

Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger (und über die dpa in zahlreichen Tageszeitungen bundesweit)

Kuratoren des KRIM

Habt ihr weitere Exponate aus dem Kölner RadverkehrsInfrastrukturMuseum, von denen wir berichten sollten? Wir freuen uns auf Eure Einsendungen.

Alexander Bühler

Öffentlichkeitsarbeit
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alexander.buehler(..at..)adfc-koeln.de

Christoph Schmidt

Vorsitzender
Pressesprecher
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