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Lieber ADFC-Vorstand, liebe Mitglieder,

sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,


Herzlichen Glückwunsch zum 25 jährigen Bestehen des ADFC in Herne!


ich war erstaunt, als VB mich eingeladen hat, die Laudatio auf „25 ADFC“ in Herne zu halten. Ich bin kein Mitglied des ADFC, stehe eigentlich nicht im Thema. Wie kommt VB auf mich? Ich werde mich bemühen,,,,und habe einige Zeilen vorbereitet.


Als Herner Junge habe ich 1960, mit 10 Jahren mein erstes Fahrrad bekommen. Ich war Stolz wie Oskar, habe mir von meinem Taschengeld sofort einen Rückspiegel und 2 Blinker gekauft, damit das Fahrrad auch professionell aussieht. Ab dann: alle Fahrten wurden mit dem Fahrrad erledigt, natürlich auch zur Schule! Viele Menschen fuhren Fahrrad, die Fahrradständer waren immer belegt! Als Kind und Jugendlicher war man plötzlich mobil, man konnte viele Ziele (z.B. die Haardt, Haltern, etc.) mit dem Rad erreichen. Als ich mit 13 zu dem Pfadfindern kam…ging es zum Zeltlader bis in die Lüneburger Heide und zurück. Und weil meine Oma Geburtstag hatte bin ich alleine von Ibbenbüren bis Herne mit Zeltplane und Hordentopf zurückgefahren.


In dieser Zeit gab es in Herne eine neue Straße, die Holsterhauser Str.. Sie verlief von der Kronprinzenstrasse bis zur Hiberniastr., die Straße war 2-spurig, hatte aber auf beiden Seiten einen abgetrennten Fahrradweg…als die Straße ihre eigentliche Bestimmung fand (Sodingerstrasse, Holsterhauserstr., Autobahnanschluß), da wurde sie 4-spurig, der Radweg wurde entfernt!


Mit 18 Jahren hatte ich einen Führerschein und ein eigenes Auto…das Fahrrad interessierte mich nur noch wenig!


Später kauften wir uns „Hollandräder“, die waren trendy, standen aber zumeist im Keller oder in der Garage.


Immer wollte ich mal Fahrradfahren, so als sportliche Betätigung…aber meistens blieb es beim Vorsatz. Ganz anders: eine Kollegin und eine Mitarbeiterin in meiner früheren Praxis: die kamen seit Jahren immer!! (nur nicht bei Glatteis) mit dem Fahrrad zur Arbeit, immerhin aus Wanne und aus Börnig! Ihr Fahrradfahren wurde sogar von der AOK unterstützt!

Das fand ich toll…selbst aufraffen konnte ich mich nicht…ich fand immer gute Gründe dafür!


Seit 2018 fahren wir Pedelecs, und das Leben hat sich geändert! In die Stadt, zum Markt, in die Praxis, nach Bochum und sonst wo hin geht es nur noch mit dem Fahrrad (es sei denn, ich muss ne Kiste Bier kaufen oder es regnet in Strömen…). Das macht nicht nur Spaß, man ist schnell, muss keinen Parkplatz mehr suchen, tut was für seinen CO2-Abdruck (mit Ökostrom von den Stadtwerken) und fühlt sich deutlich fitter. Und: schnell macht man mal ne Tour nach Westerholt, Zollverein oder Waltrop! Denn: das Ruhrgebiet hat schon einige tolle Radwege.


Vom ADFC habe ich vor Jahren aus der WAZ erfahren. „Nicht mehr nur „freie Fahrt für freie Bürger (ADAC), sondern auch „Freie Fahrt für freie Fahrradfahrer“ (ADFC). Schön wär´s. Namentlich war für mich der ADFC mit Ulrich Syberg assoziiert. Später habe ich auch erfahren: U. Syberg ist so gar Bundesvorsitzender des ADFC. Also ist Herne Mittelpunkt „der Fahrradfahrer“? Ich glaube, eher nicht…aber immerhin kommt der Vorsitzende aus Herne!


Was sind die Ziele des ADFC

- der ADFC setzt sich für die Interessen der nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer (insbesondere der Fahrradfahrer) - auch in Zusammenarbeit mit dem ÖPNV beitragen. Er fühlt sich dem Umweltschutz, der Unfallverhütung, der öffentl. Gesundheitsvorsorge verpflichtet und will der Jugendpflege und der Verbraucherberatung zu dienen.….weitgesteckte, gesellschaftspolitische Ziele!


In den letzten 25 Jahren war der ADFC in Herne wirklich aktiv. Das belegt die Zusammenstellung der Aktivitäten in der Broschüre „25 Jahre ADFC“.


Ich möchte hieraus nur einige Aktionen erwägen:

  • Die Umwandlung der Bochumer Strasse in eine 2 spurige Strasse und die Aufrechterhaltung des dortigen Fahrradweges. Wer mal nach Bochum gefahren ist (und es gibt keine gute Alternative), der weiß, was ein guter, abgetrennter Radweg für die Fahrt bedeutet.

  • Die Aktivitäten „mehr Platz fürs Rad“ in 2019 und hier die Aktivitäten an der Edmund-Weber-Strasse unter dem Titel „ProtectedBikeLane“ machen deutlich, worum es geht: die Rückeroberung des öffentlichen Raumes für das Fahrrad. Das wird nicht ohne Konflikte abgehen, denn mehr Platz fürs Fahrrad heißt oft: Einschränkung der Auto-Mobiliät, denn der Platz „in der Kommune“ ist vergeben, er ist kaum zu vermehren. Hier ist die Politik gefragt, die Bürger von der Notwendigkeit einer Verkehrswende zu überzeugen! Um diese zu beeinflussen, muß der ADFC seine Öffentlichkeitsarbeit und seinen Lobbyismus weiterhin aktiv einsetzen und intensivieren.

  • Der ADFC unterstützt die Volksinitiative „Aufbruch Fahrrad“, die von der Landesregierung ein „Fahrradgesetz“ fordert. Dazu wurden allein in Herne. > 1000 Unterschriften gesammelt!

  • Der ADFC hat an der Eröffnung der Fahrradtrasse „Friedrich der Große“ teilgenommen, einer wirklich tollen Trasse. Die Trasse macht zugleich das Problem der Fahrradplanung in Herne deutlich: die Trasse beginnt im nichts und endet auch im nichts!

  • der ADFC steht auch für Spaß „am Fahrrad“. Dafür sind die vielen tollen Touren, die der ADFC veranstaltet, ein Beispiel.


Ich finde: 2019 – 25 Jahre nach seiner Gründung- ist der ADFC mit seinen Zielen und Aktivitäten notwendiger und aktueller denn je da!


Individuell stärkt Fahrradfahren die Muskulatur und schützt vor Abbau derselben, verbessert den Zuckerstoffwechsel, schützt also vor Diabetes, ist eine Aktivität gegen Übergewicht und fördert die menschliche Koordinationsfunktion….Die Alternative wäre nur Tanzen!


Gesamtgesellschaftlich führen die Klimakrise und der Kampf gegen die Erderwärmung notwendig zu einer Änderung der Mobilität. Die Verkehrswende fordert nicht nur eine Änderung des Antriebs: von fossilen Antrieben hin auf Elektromobilität, sondern auch die Rückentwicklung des individuellen Autoverkehrs hin zu mehr Fahrrad, ÖPNV und Bahn.


Der ADFC formuliert dazu: „Das Auto ist für den innerstädtischen Verkehr höchst ineffektiv, hat einen ernorm hohen Platzverbrauch und steht dabei die meiste Zeit rum…..den Platz der parkenden Autos brauchen Städte für wichtigere Dinge…..und: wir müssen das Nachkriegskonzept der autozentrierten Stadtplanung über Bord werfen…formuliert Ulrich Syberg


Dass hier in Herne noch viel zu tun ist, zeigt der ADFC-Fahrradklima-Test 2018. Alle 2 Jahre führt der ADFC eine solche bundesweite Befragung von Bürgern durch. Herne schneidet im Ranking deutlich schlechter ab als 2016 und 2014. Die Zufriedenheit der Umfrage-Teilnehmer sinkt!

ADFC-Vorsitzender Michael Thomasen sagt dazu:

„Fahrradfreundlichkeit ist ein wichtiger Standortfaktor für attraktive Städte – deshalb macht es uns Sorgen, dass sich die Herner auf dem Rad nicht wohler fühlen. Der Fahrradklima-Test zeigt bei anderen Städten, dass kontinuierliche Radverkehrsförderung auch honoriert wird und sich in einem guten Verkehrsklima niederschlägt. Schon mit kleineren Maßnahmen ließe sich die Situation deutlich verbessern, beispielsweise durch Radwegparker-Kontrollen, mehr Tempo-30-Zonen, radfahrerfreundliche Lösungen an Baustellen. Wenn Herne will, dass mehr Menschen aufs Rad steigen und die Stadt von unnötigen Autofahrten entlasten, dann muss mehr getan werden. Wir brauchen Platz für gute Radwege, ein zusammenhängendes Radwegenetz und ausreichend Fahrradparkplätze an Haltestellen, Einkaufsstraßen und öffentlichen Gebäuden!“


Umfragen zeigen, dass 7% der Bürger jetzt schon begeisterte Fahrradfahrer sind, die sich mit oder ohne Änderung der Verkehrspolitik nicht vom Radfahren abhalten lassen. Aber 60% der Bürger sind zwar am Fahrradfahren interessiert, aber auf Grund des Zustandes „der Fahrradwege“ ängstlich, dies in die Tat umzusetzen. 33% wollen auf keinen Fall aufs Rad steigen.


Städte wie Kopenhagen, Amsterdam, aber auch Münster und andere deutsche Städte ziehen daraus den Schluss: man muss die Sicherheit im Fahrradverkehr erhöhen durch breite, geschützte und markierte Fahrradwege und durch besondere Förderung des Radfahrens. Nur dann werden mehr Bürger - wieder - aufs Rad steigen!


Wir sehen heute – 25 Jahren nach Gründung des örtlichen ADFCs:

es ist noch ein weiter Weg bis zu einer „fahrradfreundlichen Stadt Herne“!


Ich wünsche dem ADFC einen langen Atem und viel Erfolg bei seinem Engagement, dieses Ziel, auch zusammen mit anderen zu erreichen.


Dr. med. Dietrich Hüppe, Herne, 8.11.2019







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