Der Radschnellweg OWL 2.0 im Interview

09.02.19
Kategorie: Mobilität, Rad in den Medien, Gütersloh

Fahrradfahren macht Spaß, ist für jeden erschwinglich, fördert die Gesundheit, macht unsere Städte lebenswerter und die lokalen Läden sogar glücklicher (wie Studien belegen). Gründe genug für den Gütersloher Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC), die seit vielen Jahren politisch diskutierte Verkehrswende auf die Tagesordnung zu setzen. Jetzt und konkret. In Stadt und Kreis hat der ADFC das Projekt „Radschnellweg OWL 2.0“ angestoßen. Eine neue Trasse soll die Städte Herford, Bielefeld, Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück miteinander verbinden. In der REGIONALE 2022 ist der Vorschlag bereits in einer ersten Stufe zertifiziert worden.   Im Gespräch mit GT-INFO erläutern die ADFC-Aktiven Daniel Neuhaus und Fritz Spratte das Projekt. Dabei beschreiben sie auch den Prozess der Zusammenarbeit zwischen den Ehrenamtlern vom ADFC und den Profis in den Verwaltungen (Stadt und Kreis Gütersloh, Stadt Rheda-Wiedenbrück sowie Bielefeld und Herford) als beispielhaft offen, gleichberechtigt und konstruktiv.

Herr Neuhaus, Herr Spratte, können Sie uns zunächst einmal sagen, was ein Radschnellweg eigentlich ist? Welche Kriterien muss er erfüllen?

Neuhaus: Bei Radschnellwegen handelt es sich um breite, komfortabel zu befahrende Verbindungen, auf denen Radfahrer auch weite Distanzen schnell zurücklegen können. Damit werden diese Verbindungen auch für den Alltagsverkehr, zum Beispiel für Berufspendler, attraktiv. In Holland gibt es viele Beispiele, die zeigen, wie Radschnellwege funktionieren. Dort werden die Radschnellwege in der Regel separat vom übrigen Verkehr geführt und queren größere Autostraßen über Brücken oder Unterführungen. Bei kreuzenden Nebenstraßen haben Radfahrende Vorfahrt. Die Linienführung ist direkt, damit Umwege vermieden werden. Die Oberfläche ist asphaltiert, was gegenüber dem verbreiteten Betonpflaster den Rollwiderstand reduziert.

Spratte: Radschnellverbindungen – das sind neben den Radschnellwegen auch noch die sogenannten Velorouten – haben darüber hinaus eine hohe Servicequalität mit zum Beispiel Luftstationen, Rastplätzen mit Abstellanlagen und punktuellen Überdachungen. Selbstverständlich ist auch die regelmäßige Unterhaltung einschließlich Reinigungs- und Winterdienst. 

Warum ist der Radschnellweg von Herford über Bielefeld und Gütersloh nach Rheda-Wiedenbrück für Sie ein zentrales Wunschprojekt? 

Spratte: Weil er das Rückgrat einer Mobilitätswende in OWL sein kann. Das Ziel: Eine deutliche Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur, damit einhergehend ein höherer Radverkehrsanteil und eine Reduzierung des Autoverkehrs. Mit dem Anschluss an den bereits geplanten Radschnellweg Minden-Herford werden die Potenziale für den Radverkehr der Region um Bielefeld herum mit dem wirtschaftsstarken Kreis Gütersloh bestmöglich erschlossen. Der Radschnellweg OWL 2.0 wird damit in der zukünftigen Nahmobilität eine strategisch wichtige Funktion erfüllen. Er verbindet die Kommunen mit den stärksten Pendlerverflechtungen.

Neuhaus: Der Radschnellweg wird zu einer nennenswerten Verlagerung vom Kfz- auf den Radverkehr führen, was auch im Interesse der Autofahrer ist. Denn das Straßennetz wird entlastet. Die beteiligten Städte und wir als ADFC rechnen damit, dass allein zwischen den Städten Gütersloh und Bielefeld 1.100 Berufspendler täglich den Radschnellweg zwischen Bielefeld und Gütersloh nutzen werden. Der Binnenverkehr in Gütersloh oder Bielefeld, der Freizeit- und Tourismusverkehr und die Pendlerverflechtungen zwischen den anderen beteiligten Kommunen sind da noch gar nicht mit eingerechnet. Die in der Potenzialanalyse errechneten Personenbewegungen sind also eher konservativ angesetzt.

Spratte: Wir können zudem von einer allgemeinen Zunahme des Radverkehrs durch das vermehrte Aufkommen von Pedelecs ausgehen. Dies wird sich in häufigeren Fahrten und längeren Strecken bemerkbar machen. Plötzlich wird auch eine Strecke zwischen Bielefeld und Gütersloh im Alltag bewältigbar. Je besser die Qualität der Radwege, umso stärker steigt die Zahl der Radler – das zeigen Erfahrungen in Dänemark und Holland. Wir sind sicher, dass der Radschnellweg Bielefeld-Gütersloh-Rheda-Wiedenbrück sehr stark angenommen wird. Nicht zuletzt auch deshalb, weil E-Bikes und Pedelecs, deren Verkäufe ja rasant steigen, das Radfahren ungemein gefördert haben.

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Text übernommen mit freundlicher Genehmigung von GT-Info.


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