Trassen-Frühstück für den Weiterbau des RS1 im Eltingviertel

08.11.18

Foto: Jörg Brinkmann


Essen, 6. November 2018

 

Am 3. November demonstrierten mehr als 100 Fahrradaktivisten im Nordviertel mit einer vom AK „BürgerRadweg“ und einigen Radverbänden – darunter auch dem ADFC – organisierten symbolischen Aktion für den Weiterbau des einst als Vorzeigeprojekt gestarteten Radschnell­weg RS1. Auf der extra hierfür gesperrten Altenessener Straße wurde unterhalb der Brücke der stillgelegten Rheinischen Bahn ein „Trassen-Frühstück“ ausgerichtet. An der Brücke selbst waren symbolisch etliche Fahrräder aufgehängt, an denen wiederum Schilder mit Hinweisen auf den momentan in Essen bestehenden Stilltand beim Weiterbau des RS1 befestigt waren.

 

Bei der 2014 erfolgten Präsentation der Planung des 100 Kilometer langen Radschnellwegs war eine Fertigstellung bis zum Jahr 2020 versprochen worden. Vier Jahre nach besagter Prä­sentation existieren gerade einmal 5 Kilometer, und zwar zwischen der Mülheimer City und der Essener Stadtgrenze. Bei den weiteren 5 Kilometern bis zum Universitätsviertel handelt es sich um den Radweg Rheinische Bahn – eine Vorläuferstrecke, die jedoch in keinster Weise den Ausbaustandards eines Radschnellwegs entspricht. Wichtigstes Kriterium hierfür ist bekannt­lich die Trennung von Rad- und Fußverkehr, was angesichts des dort angestrebten hohen Ver­kehrsaufkommens allein schon aus Sicherheitsgründen unverzichtbar ist.

 

Obgleich Essen sich bereits im Rahmen der „Grüne Hauptstadt 2017“ stolz mit dem RS1 prä­sentiert hat, stockt der Weiterbau ausgerechnet im Kernbereich nahe der Innenstadt, weil sich maßgebliche Teile von Politik und Verwaltung dort im Eltingviertel nicht zum Weiterbau auf dem vorhandenen Bahndamm entschließen können. Dabei wäre dies die kostengünstigste, schnellste und umweltfreundlichste Lösung, denn sie würde auch den Baumbestand an der Trasse schützen und die wichtige Funktion des Grüngürtels als Frischluftschneise für die City erhalten. Zudem findet sich für die von der Stadt propagierte Vision einer Wohnbebauung auf dem Areal des Bahndamms augenscheinlich kein Investor.

 

Das Land NRW als Bauherr des Radschnellwegs wiederum hat der Stadt im Falle eines Fest­haltens an besagten Planungen mitgeteilt, dass sie dann auch selber für die Finanzierung die­ses Teilstücks des RS1 sorgen müsse. Den vom AK „BürgerRadweg“ vorgeschlagenen Bau eines provisorischen Radwegs auf dem Bahndamm lehnt die Stadt kategorisch ab. Sie selbst spricht neuerdings von einem Baubeginn des RS1 in diesem Abschnitt in frühestens fünf bis sechs Jahren. Das ist selbst NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst zu lang, der bei einem Be­such in Essen in der Woche zuvor die Idee eines provisorischen Radwegs aufgriff und für ab­solut notwendig deklarierte, damit es beim Weiterbau des RS1 endlich zeitnah weiterginge.

 

Genau hierfür sind letztlich auch die vielen Radaktivisten mit dem „Trassen-Frühstück“ auf der Altenessener Straße eingetreten, damit besagter Planungs-Stillstand endlich durchbrochen werde. Bei Kaffee, Kuchen und anderen Leckereinen lauschten die Teilnehmer den vor Ort vorgetragenen Appellen. Sie alle hoffen inständig, dass Politik und Verwaltung in Essen nicht weiter das vielfach propagierte Vorzeigeprojekt städtischer Verkehrspolitik blockieren und mög­lichst schnell grünes Licht für einen Weiterbau des RS1 im Eltingviertel auf dem Bahndamm geben.

 

Das während des Trassenfrühstücks auch für die Volksinitiative „Aufbruch Fahrrad“ sowie für den aktuell laufenden ADFC-Fahrradklimatest geworben wurde, versteht sich von selbst.

 

Mit fahrradfreundlichen Grüßen
Jörg Brinkmann, ADFC-Essen e.V.


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