Stadtradeln Essen 2016

27.12.16

Erfolgsgeschicht mit kleinen Dellen

Und wieder haben sich viele Essener an die Aktion „Stadtradeln“ beteiligt – 1.145 waren es insgesamt. Während diese Zahl leicht gestiegen ist, gab es bei den erradelten Kilometern im Gegensatz zum deutschlandweiten Trend (Tabellen mit Zahlen am Ende des Artikels) einen leichten Dämpfer zu vermelden. Sie sank von 298.162 km im Vorjahr auf 280.990 km (- 5,8 %). Das dieses kein hausgemach­tes Phänomen ist, sieht man daran, dass trotz großen Engagements sowie stabi­ler Teilnehmerzahlen auch die Kilo­meterzahlen beim Team des ADFC-Essen von 44.621 km auf 43.627 km (- 2,2 %) leicht rückläufig war. Und selbst bei den als „Metropole Ruhr“ zu­sammengeschlossenen 14 Ruhrgebietsstädte zeigt die Ge­samtbilanz einen Rückgang von 1.556.791 km auf 1.423.837 km (- 8,5 %) zu verzeichnen.

Die These, dass dies mit dem im Veranstaltungszeitraum Mai und Juni äußerst wechselhaften Wetter zusammenhängt, mag spekulativ klingen, ist aber letztlich nicht von der Hand zu weisen. Vor allem an den Wochenenden, an denen durch längere Touren besonders viele Kilometer zusammenkommen, zeigte sich das Wetter zuweilen äußerst kapriziös – es gab sogar Unwetterwarnungen. Daher sind etliche Radler möglicherweise nicht in dem Umfang aufs Rad gestiegen, wie dies sonst der Fall gewesen wäre. Auch bei ADFC und EFI sind während des Ver­anstaltungszeitraums zwei der insgesamt sieben Radtouren abgesagt worden. Bei den übrigen Touren lag die Beteiligung zum Teil deutlich unter dem bisheri­gen Durchschnitt. Innerhalb der Woche waren die Auswirkungen der Wetterka­priolen dagegen weit weniger gravierend, so dass der Alltags-Radverkehr kaum betroffen war. Sonst wären die Zahlen vielleicht noch schlechter ausgefallen.

Im bundesweiten Vergleich ist Essen jedenfalls auf den 27. Platz zurückgefallen. Fairerweise muss in diesem Zusammenhang aber festgestellt werden, dass 2016 die Zahl der sich beteiligenden Kommunen von 341 auf 496 erneut deutlich ge­stiegen ist (+ 45,5%!). Neu hinzugekommen sind beispielsweise teilnehmerstar­ke Städte wie Köln oder Berlin, die sich beide von Beginn an deutlich vor Essen platziert haben. Zudem sind sie wie das gleichfalls sehr erfolgreiche Düsseldorf erst im September gestartet – und da herrschte Superradelwetter! Ob und wie in Essen zukünftig noch weitere Steigerungseffekte erzielt werden können, ist eine nicht leicht zu beantwortende Frage. An der „Klimawerkstadt“, die das „Stadtra­deln“ organisiert, liegt es mit Sicherheit nicht. Hier zeigt man im Rahmen der personellen Kapazitäten großes Engagement. Letztlich ist hier die Politik gefragt, indem sie sich selbst stärker einbringt, vor allem aber dass sie für eine perso­nelle Verstärkung der mit der Organisation betrauten „Klimawerkstadt“ sorgt. Schließlich ist auch das Engagement für´s „Stadtradeln“ ein wichtiger Indikator dafür, was einer Stadt die Förderung des Radverkehrs wert ist – ganz speziell als „Grüne Hauptstadt Europas“.

Den Termin fürs „Stadtradeln 2017“ gibt es übrigens auch schon: 20. Mai bis 9. Juni – also in nahezu gleicher Zeitlage wie beim letzten Mal

Essen bestes ADFC-Team bundesweit
Erneut stellte der Essener ADFC wieder das kilometer- und teilnehmerstärkste Team – und das nicht nur in der eigenen Stadt. Zum zweiten Mal konnte sich das Essener Team bei der erradelten Kilometerzahl bundesweit an die Spitze setzen (siehe Tabelle am Ende diese Artikels). Zu verdanken ist dies in erster Linie wie­der Teamleiter Hilmar von dem Bussche, der erneut mit großen Engagement zusätzliche Mitradler aquirierte bzw. die angemeldeten Teilnehmer beständig motivierte.

Das Team der Polizei – im vergangenen Jahr noch beinharter Konkurrent um den Spitzenplatz – fiel deutlicher zurück als erwartet, konnte aber letztlich den im Vorjahr erzielten 2. Platz halten. Das ökumenische Team der Kirchen wiederum konnte sowohl die Kilometerleistung wie auch die Teilnehmerzahlen mehr als verdoppeln und wurde mit dem 3. Platz belohnt. Neu dabei waren die „Revier­radler“, die auf Anhieb den 4. Platz errangen. Im Gegensatz zur leicht gesunke­nen Kilometerleistung konnte in Essen die Zahl der Teams von 82 auf 87 gestei­gert werden, während die Anzahl der Teilnehmer wie erwähnt von 1.141 auf 1.145 anstieg.

Die übrigen Essener Ergebnisse in Kurzform: Mit 43.627 km erradelte das Team des ADFC-Essen nicht nur die meisten Kilometer, es stellte mit 150 Teilnehmern auch das größte Team in Essen. In der Teamgröße M erzielten wiederum die „Revierradler“ und in der Teamgröße S das Team „Rumpelschuh“ die meisten Kilometer. Die Teams mit den meisten Radkilometern pro Kopf waren in der Teamgröße „S“ ebenfalls das Team „Rumpel­schuh“ (3 Aktive, 1.661 km pro Kopf), in der Teamgröße „M“ das Team „bikingtom.com“ (7 Aktive, 564 km/Kopf) und in der Teamgröße „L“ erneut das Team des „ADFC Essen“ (140 Aktive, 312 km/Kopf). Die meisten Radelkilometer unter allen teilnehmenden Radlern insge­samt haben Roger Rumpel (Team Rumpelschuh, 2.030 km), Rudolf Wetsteijn (Team ADFC Essen, 1.669 km) sowie Sigrun Kräwinkel (Team ADFC Essen, 1.571 km) erzielt.

Stadtradeln 2016 – die Aktivitäten
Das „Stadtradeln“ in Essen begann Mitte Mai mit einer durchaus gut besuchten Auftaktveranstaltung auf dem Kopstadtplatz. Mit dabei war nicht nur Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen, sondern auch der bundesweite Botschafter fürs „Stadtradeln“ Rainer Fumpfei, wobei letzterer auch bei der anschließenden Sternfahrt nach Mülheim mitradelte. Thomas Kufen fuhr dagegen nicht mit. Nur vier Tage zuvor hatte er erstmals nach vielen Jahren wieder die Oberbürger­meister-Radtour durchgeführt – gutes Timing geht anders.

Die etwa 80 Sternfahrer aus Essen trafen jedenfalls am Mülheimer Hauptbahnhof auf die Sternfahrtgruppen aus Duisburg, Oberhausen und eben aus Mülheim. Gemeinsam fuhr man mit gut 200 Radlern unter Polizeibegleitung ein kurzes Stück kreuz und quer durch die Mülheimer City, bevor man schließlich am Ring­lokschuppen ankam, auf dessen Gelände die zentrale Auftaktveranstaltung stattfand.

Im dreiwöchigen Veranstaltungszeitraum des „Stadtradelns“ gab es etliche Rad­touren, darunter auch die nach Bochum zur Jahrhunderthalle. Hier fand der all­jährliche Auftakt zum Fahrradsommer der Industriekultur statt, der eigentlich auch Zentralveranstaltung zum Stadtradeln in der Metropole Ruhr hätte sein sollen. Zumindest war dies so angekündigt worden. Vor Ort war hiervon jedoch nichts zu spüren. Nichtsdestotrotz handelt es sich hierbei um eine der größten und vielfältigsten Radfahrveranstaltungen im Revier, bei der sich immer ein Besuch lohnt.

Jörg Brinkmann


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