Ride of Silence 2018

11.05.18

Am 16. Mai erstmals in Essen

Am Mittwoch, den 16. Mai, findet erstmals in Essen der „Ride of Silence“ statt. Es handelt sich um eine Fahrradveranstaltung, die seit 2003 welt­weit in immer mehr Städten durchgeführt wird. Ziel ist der im Straßen­verkehr getöteten Radfahrer zu gedenken und gleichzeitig auch auf die vielerorts nach wie vor gefährlichen Bedin­gungen für Radfahrer speziell im innerstädtischen Verkehr aufmerksam zu machen. Anders als bei den monatlich durchgeführten „Critical Mass“-Radfahrten soll beim „Ride of Silence“ schweigend geradelt werden. Zudem ist es üblich, nach Mög­lichkeit in weißer oder zumindest heller Kleidung mitzuradeln. Ausgerich­tet wird die Veranstaltung vom ADFC-Essen in Zusammenarbeit mit Velo-City-Ruhr und Aktivisten der „Critical Mass“-Bewegung.

Der Start erfolgt um 19:00 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz. Entlang der geplanten Route werden auf Essener Gebiet vier Unfallstellen und in Mülheim eine weitere Örtlichkeit angefahren, an denen in den letzten Jahren Radler ums Leben gekommen sind. Bei vier dieser Unfälle waren abbiegende Lkw ursächlich beteiligt, in einem Fall war es ein Pkw. An zwei der Unfallorte sind in jüngster Zeit sogenannte „Ghost-Bikes“ auf­gestellt worden. An allen Stellen soll schließlich jeweils eine Gedenk­minute für die dort verunglückten Radfahrer eingelegt werden. Bei der etwa 30 Kilometer langen Strecke gilt es noch die eine oder andere Steigung mit einzukalkulieren. Erfreulicherweise erfolgt eine Begleitung des Radkorsos durch die Polizei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Hier die fünf Unfallorte in der Reihenfolge, in der sie angefahren werden sollen:

  1. 2003 wurde im Essener Nordviertel eine Radfahrerin auf dem für Radler freigegebenen Gehweg der Gladbecker Straße von einem in eine Tankstelle einbiegenden Lkw erfasst und so schwer verletzt, dass sie eine Woche später verstarb. Bezeichnenderweise hatte der Lkw-Fahrer den unmittelbar davor fahrenden Ehemann noch passieren lassen, die Radlerin selbst dann aber offensichtlich „vergessen“.
  2. 2002 wurde im Essener Westviertel auf der (damals noch nicht umge­stalteten) Altendorfer Straße ein völlig korrekt auf dem Gehweg in Rich­tung Innenstadt fahrendes achtjähriges Mädchen von einem Lkw über­rollt, als dieser nach rechts in die Westendstraße abbog. Das Kind hatte keinerlei Chance. Besonders tragisch war der Umstand, dass ein dahin­ter fahrendes zweites Mädchen den sich direkt vor ihm abspielenden Unfall unmittelbar mit ansehen musste. Inzwischen hat die Altendorfer Straße bei der Umgestaltung Radfahrstreifen erhalten.
  3. 2010 wollte ein im Essener Westviertel auf der Frohnhauser Straße in Richtung Frohnhausen fahrender Lkw-Fahrer nach rechts in den Bert­hold-Beitz-Boulevard abbiegen. Dabei übersah er ganz offensichtlich einen rechts neben ihm auf dem dort befindlichen Radfahrstreifen fah­renden Radfahrer und erfasste diesen in Höhe der Einmündung Bert­hold-Beitz-Boulevard. Der Radfahrer verstarb noch an der Unfallstelle.
  4. Im Herbst 2017 erfasste der Fahrer eines Lkw auf dem Frohnhauser Weg in Mülheim-Heißen eine 13-jährige Schülerin, als er nach rechts auf das Gelände des „Heißener Hofs“ abbiegen wollte. Das Mädchen war völlig korrekt auf dem dicht neben der vielbefahrenen Straße liegenden und keinerlei Sichtbehinderungen aufweisenden Radweg gefahren. Die junge Radlerin hatte keinerlei Chance und verstarb kurz darauf im Kran­kenhaus. Auch in diesem Fall musste sich tragischerweise ein zweites Mädchen, welches unmittelbar dahinter radelte, den Unfall mit anschau­en.
  5. Im Spätsommer 2016 wurde eine 53-jährige Radfahrerin in der Esse­ner Innenstadt am Bismarckplatz beim Überqueren der seinerzeit noch frei geführten Rechtsabbiegespur von der Hindenburgstraße in die Kruppstraße von einem Pkw erfasst und so schwer verletzt, dass sie wenige Tage darauf im Krankenhaus verstarb. Die Wucht des Aufpralls ließ vermuten, dass der Pkw-Fahrer besagte Rechtsabbiegespur mit scheinbar unverminderter Geschwindigkeit befahren hat. Dabei wird er sich offenbar – so wie dies an solchen Stellen gang und gäbe ist – aus­schließlich nach links in Richtung des von dort kommenden Querverkehr orientiert und dadurch die von rechts querende Radlerin übersehen haben. Immerhin hat die Stadt Essen danach reagiert und an besagter Querungsstelle eine Ampel installiert.

Jörg Brinkmann


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