Radsternfahrt Ruhr

23.08.17



In immer mehr Großstädten werden Radsternfahrten durchgeführt. Wie bei den vielerorts stattfindenden „Critical Mass“-Rundfahrten soll durch das Aufzeigen einer möglichst starken Präsenz besonders nachdrücklich aufgezeigt werden, dass die Belange des Radverkehrs endlich eine deutlich stärkere Berücksichtigung finden müssen. Eine nicht zu unterschätz-ende Rolle spielt in beiden Fällen aber auch der Faktor Spaß. Gerade deshalb machen hierbei auch sehr viele junge Menschen mit – im Gegensatz zu den Aktivitäten der vielfach in festen Strukturen eingebundenen Verbände à la ADFC.

Im Ruhrgebiet finden Radsternfahrten seit 2013 statt, die bislang allesamt nach Dortmund führten. Im Zuge der Überlegung, auch andere Großstädte im Revier zum Zielort zu ma­chen, kam relativ schnell Essen ins Spiel. Grund war deren Ernennung zur „Europäischen Grünen Hauptstadt 2017“ und der in diesem Zusammenhang für den 2. Juli geplante „Tag der Bewegung“. An diesem Aktionstag sollte ersten Planungen zufolge der gesamte Innen­stadtring für Autos gesperrt werden. Das besagte Sperrung letztlich nur auf den nordwestli­chen Abschnitt zutraf, war nur einer der Dämpfer für diesen Aktionstag. Auch die Besucher­zahlen blieben weit unter den ohnehin nicht sonderlich hoch angesetzten Prognosen, was nicht nur dem miesen Wetter an diesem Tag geschuldet war.

Unabhängig davon konnte man am 2. Juli unter dem Motto „Mobil ohne Auto – Gut fürs Klima“ ein Fahrradevent erleben, das es in dieser Stadt in dieser Art bislang nicht gegeben hat. Erste Vorplanungen bzw. Abstimmungsgespräche hatten bereits im Herbst des Vor­jahres stattgefunden. Die entscheidende Zustimmung und sogar Unterstützung seitens der Ordnungsbehörde und der Polizei erfolgte im Februar. Besonders eindrücklich in Erinne­rung geblieben ist ein späteres Treffen im Rathaus in ganz großer Runde mit allen mögli­chen Institutionen, die direkt oder indirekt mit der Sternfahrt zu tun hatten. Ansonsten gab es im Vorfeld viele Treffen mit den Akteuren der „Grünen Hauptstadt“ sowie den Organisa­toren des „Tags der Bewegung“.

Die Werbung für die Radsternfahrt erfolgte weitgehend autark, sprich unabhängig von den letztgenannten Institutionen. Auf der anderen Seite gewährten diese extra hierfür finanziel­le Zuschüsse aus dem GHE-Etat. Es entstanden toll gemachte Plakate und Handzettel, die überall im Revier verteilt wurden. Wie viele Personen und Arbeitsstunden letztlich in die gesamte Vorbereitung eingebracht wurden, lässt sich im Nachhinein kaum mehr feststellen. Die Helfer rekrutierten sich weitgehend aus Aktiven der „Critical Mass“, von „VeloCityRuhr“ und dem Essener ADFC. Letzterer zeichnete sich auch im offiziellen Rahmen verantwort­lich für die Radsternfahrt.

Am Morgen des 2. Juli startete die Radsternfahrt schließlich in 22 umliegenden Städten. Insgesamt gab es 66 Startpunkte, davon alleine 14 in Essen. Wettermäßig stand allerdings die Veranstaltung unter keinem allzu guten Stern, was vor allem die avisierte Teilnehmer­zahl von 1.500 Radlern schnell zur Makulatur werden ließ. Immerhin zählte die Polizei am zentralen Sammelpunkt aller Sternfahrtgruppen vor der Grugahalle noch etwa 800 Teilneh­mer, von denen allerdings nicht mehr ganz 600 am Zielort, dem Berliner Platz, ankamen. Der Grund: ständige Regenschauer, die vor allem dem Spaßfaktor der Radsternfahrt einen nicht unerheblichen Dämpfer verpassten. Spätere Berichte von Sternfahrtgruppen aus anderen Städten bestätigten dies, denn auch hierbei waren Radler bereits vorab wieder umkehrt.

Alle Sternfahrtgruppen trafen sich gegen Mittag in Rüttenscheid auf dem Parkplatz vor der Grugahalle. Allein diese Startphase stellte bereits ein eindrucksvolles Bild dar. Begleitet und abgesichert wurde der Radtross wie üblich von der Polizei. Erstmals waren auch die vier Fahrradpolizisten auf ihren nagelneuen Rädern mit dabei. Sie kümmerten sich vor­nehmlich um die in den Seitenstraßen zwangsweise wartenden Autofahrer. Im übrigen erfolgten die Absperrungen durch die zahlreichen Helfer der Radsternfahrt, die in bester „Critical Mass“-Manier die Seitenstraßen solange „korkten“, bis alle Teilnehmer „durch“ waren. Bis auf einige anfängliche Abstimmungsprobleme hat dies auch hervorragend funktioniert. Nicht unerwähnt bleiben sollte noch die Vorbeifahrt eines Löschzuges der Feuerwehr, welcher der Sternfahrt einen kurzzeitigen Zwangshalt bescherte.

Nördlicher Wendepunkt der etwa 18 Kilometer langen Rundfahrt durch Essen war die Zeche Zollverein. Von dort ging es dann quasi retour in Richtung Innenstadt zum Veran­staltungsbereich des „Tages der Bewegung“. Hier begann der dritte Teil der Sternfahrt mit einer dreifachen Rundfahrt auf dem nordwestlichen Abschnitt des Cityrings zwischen Ber­liner Platz und Hindenburgstraße. Angeführt wurde der Fahrradtross hierbei von Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen, der auch die Schirmherrschaft der Radsternfahrt über­nommen hatte. Es hatte schon was, die drei Runden unter großer Anteilnahme der zahl­reichen Zuschauer zu absolvieren. Selbst die Sonne schien mittlerweile.

Nach den drei Runden wurde der Radtross wieder aus dem Veranstaltungsbereich heraus geleitet. Letzte Station war der Parkplatz des unmittelbar angrenzenden Arbeitsamtes, wo die Räder abgestellt werden konnten. Ganz zum Schluss erhielten die Hauptverantwortli­chen der Radsternfahrt von ADFC und VeloCityRuhr noch die Gelegenheit für ein Ab­schlusskommuniqué auf der Veranstaltungsbühne des Aktionstages, bei dem auch der zentrale Forderungskatalog der Radsternfahrt vorgetragen werden konnte. Alles in allem lässt sich die diesjährige „Radsternfahrt Ruhrgebiet“ als rundweg gelungene Veranstaltung bilanzieren – verbunden mit einem irren Vorbe­reitungsaufwand sowie einer leider absolut nicht dem Anlass entsprechenden Wetterlage. Aber auf letzteres hat man ja bekanntlich ohnehin keinen Einfluss.

Text: Jörg Brinkmann
Fotos: Jörg Brinkmann


© 2017 ADFC Kreisverband Essen e. V.