Aktuelles ADFC Essen

Zweites Ghostbike in Essen aufgestellt

29.05.19



Tödlicher Unfall vor frei geführter Rechtsabbiegespur

Seit vergangenen Freitagabend steht an der Einmündung Bocholder Straße / Alten­dorfer Straße ein weiteres GhostBike. Diese weiß angestrichen Räder werden seit einigen Jahren weltweit immer an den Orten aufgestellt, an denen Radfahrer tödlich verunglückt sind. Sie sollen an die Unfallopfer erinnern und mahnen. In Essen han­delt es sich nach dem Unfall am Bismarckplatz vor 2½ Jahren um das zweite GhostBike.

Das im Stadtteil Bochold aufgestellte GhostBike soll an die wenige Tage zuvor dort bei einem Zusammenprall mit einem Auto tödlich verletzte 62-jährige Radlerin, die als Lehrerin am Gymnasium Borbeck tätig gewesen war, erinnern. Initiiert wurde die Aufstellung durch Radfahraktivisten von VeloCityRuhr, ADFC, EFI sowie der Critical Mass. Gut 300 Menschen waren gekommen, um Anteil an dem Schicksal der getöte­ten Radlerin zu nehmen. Es war sehr bewegend, wie die vielen Schüler, Eltern und Lehrer, aber auch viele weitere Anwesende das GhostBike mit Blumen und Kerzen geschmückt und mit einer Schweigeminute an die Lehrerin gedacht haben.

Der Unfallhergang ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nach wie vor ungeklärt. Fakt ist, dass die an dem Unfall beteiligte Autofahrerin aus einer sogenannten freigeführten Rechtsabbiegespur gekommen ist. Derartige Fahrspuren leiten Autofahrer ohne große Behinderungen an ampelgesteuerten Kreuzungen und Einmündungen vorbei. Sie sind oftmals vom Kurvenradius so gehalten, dass sie mit nahezu unverminderter Geschwindigkeit befahren werden können. Das mag aus Autofahrersicht dem Ver­kehrsfluss dienlich sein, birgt aber ein außerordentlich hohes Unfallrisiko für Fuß­gänger und Radfahrer. Auch der Unfall am Bismarckplatz vor 2 ½ Jahren hat sich in einer solchen Fahrspur ereignet.

Seit vielen Jahren fordert der ADFC einen Rückbau dieser freigeführten Rechtsab­biegespuren, leider bislang von der Stadt ungehört. Statt dessen werden sie immer noch neu eingerichtet, so zum Beispiel am Berthold-Beitz-Boulevard oder an der kürzlich umgebauten Kreuzung Frohnhauser Straße / Hans-Böckler-Straße. Die Rad­fahraktivisten fragen sich, warum ein ungestörter Verkehrsfluss beim Autoverkehr in Essen nach wie vor höher bewertet wird als die Sicherheit für die schwächeren Ver­kehrsteilnehmer. Der ADFC jedenfalls hofft, dass derartige Unfälle wie in der Stadt­mitte oder jetzt in Bochold dazu führen, dass die bislang geübte Praxis aufgegeben und zukünftig solche freigeführten Rechtsabbiegespuren nicht weiterhin eingerichtet werden.

Ein drittes GhostBike in Essen muss nicht sein.

Jörg Brinkmann


© 2019 ADFC Kreisverband Essen e. V.