Aktuelles ADFC Essen

Weiterhin Stagnation beim Radverkehr

11.04.19
Kategorie: Essen, Presse

Fahrradklimatest 2018 – Die Ergebnisse

Seit gut 30 Jahren führt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) bundesweit einen Fahrradklimatest durch. Hierbei werden Radlerinnen und Radler anhand eines 27 Punkte umfassenden Fragenkatalogs direkt vor Ort befragt, wie sie ihre jeweilige Stadt in punkto Fahrradfreundlichkeit bewerten. Gleich bei der zweiten Befragung 1991 wurde Essen mit der Gesamtnote 5,1 so schlecht bewertet, dass sie die „Rostige Speiche“ als damals fahrradun­freundlichste Stadt Deutschlands verliehen bekam. In der Zeit danach konnte sich die Stadt zwar spürbar verbessern, lag aber selbst bei den letzten Umfragen nach wie vor im unteren Mittelfeld.

 

Im Herbst 2018 hat der ADFC den Fahrradklimatest nun zum 8. Mal durchgeführt. Etwa 170.000 Radler haben sich bundesweit beteiligt (+42%). In Essen waren es knapp über 1.000 Radler, das sind etwa 20% mehr. Wie bei der letzten Umfrage lautet der Notendurch­schnitt für Essen 4,2. Das heißt, Stadt dümpelt seit nunmehr 14 Jahren auf diesem relativ niedrigen Niveau herum. Augenscheinlich haben die vielen Versprechungen in den letzten Jahren in punkto Radverkehrsförderungen nach Ansicht von Essens Radlerinnen und Radler nicht gefruchtet. Also nicht nur in den Augen des ADFC klaffen hier Anspruch und Wirklich­keit nach wie vor weit auseinander.

Bundesweit liegt Essen in der Kategorie der Großstädte (>500.000 Einw.) von 14 gewerteten Städten auf Platz 11. Immerhin bildet Essen im Vergleich zu den anderen Ruhrgebietskom­munen nicht mehr das Schlusslicht. Dortmund wurde von seinen Radlern mit der Note 4,4 bewertet, Duisburg mit 4,3. Mülheim liegt mit der Note 4,2 auf dem gleichen Niveau wie Essen, während Bochum mit 4,1 und Oberhausen mit 3,9 minimal besser sind. Insgesamt bilden aber alle Ruhrgebietskommunen in Sachen Radfahrfreundlichkeit ein schwaches Bild.

Wie in den Vorjahren hat Essen wieder in gleich drei Kategorien eine Fünf als Zensur erhal­ten, und zwar für die mangelnde Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen, für die mise­rablen Ampelschaltungen, die in keinster Weise den Radverkehr berücksichtigen sowie für den faktisch nicht vorhandenen Winterdienst auf Radwegen. Aber auch die Führung des Radverkehrs an Baustellen wurde mit der Note 4,9 als äußerst miserabel eingestuft. Es gibt auch Lichtblicke. Besonders positiv bewertet wurden das System von öffentlichen Leih­fahrrädern (Note 2,6), aber auch die vielen geöffneten Einbahnstraßen sowie die Radverkehrswegweisung erhielten jeweils mit der Note 3,1 akzeptable Bewertungen.

Deutlich schlechter als bei der letzten Umfrage wurde die in jüngster Zeit erfolgte Radver­kehrsförderung bewertet. Hier spielen wohl die Hinhaltetaktik der Stadt beim Radschnellweg sowie die mehr als halbherzige Herangehensweise der Stadt an die dringend erforderliche Nord-Süd-Achse für den Alltagsradverkehr eine besonders große Rolle. Diese beiden Punkte wurden auch am häufigsten bei den individuellen Kommentaren, die von am Fahrradklima­test teilnehmenden Radler hinzugefügt werden konnten, genannt.

Zusammengefasst halten Essens Radler nach wie vor den generellen Stellenwert des Fahr­rades in ihrer Stadt für am meisten steigerungsfähig. Die Note von 4,8 spricht hier Bände. Das betrifft nicht nur Politik und Verwaltung, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer – gemeint sind hier vor allem die Autofahrer. Dagegen wird die vorhandene Infrastruktur beim Radverkehr mit der Note 3,3 als gar nicht mal so schlecht angesehen. Ein großes Pfund hier­bei dürften vor allem die zahlreichen Bahntrassen-Radwege darstellen.

In den Augen des Essener ADFC widerspricht die weiterhin anhaltende Stagnation bei der Bewertung des Fahrradklimas diametral den Versprechungen der Stadt, den Radverkehrs­anteil kräftig steigern zu wollen. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Was vor allem fehlt, ist der glaubhaft politische Wille, Essen fahrradfreundlicher werden zu lassen. Aber Essens Radlerinnen und Radler wollen an Stelle großer Worte Taten sehen.

Jörg Brinkmann

Detaillierte Infos sind zu finden unter www.fahrradklima-test.de


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