Alaska!!!??? Mit dem Fahrrad??? Ja geht das denn überhaupt??? Da gibt's doch nur Schnee und Eis!!! Das waren die häufigsten Reaktionen, wenn ich von meiner bevorstehenden Alaskareise berichtete. Das Wichtigste vorweg: Ja es geht!! Sehr gut sogar! Von insgesamt 21 Reisetagen hatten wir nur an drei Tagen Regen, der Rest war Sommer pur mit Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad. Aber auch Schnee und Eis waren die ganze Reise über präsent.

So konnten wir auf unserer Fährüberfahrt von Whittier nach Valdez aus nächster Nähe die kleinen Eisberge betrachten, Ableger eines Gletschers, der dort ins Meer mündet. Im eisfreien Hafen von Valdez wird das Rohöl, das durch die Trans-Alaska-Pipeline 1.200 km vom Polarmeer quer durch Alaska gepumt wird, in riesige Tankschiffe umgeladen. (man erinnere sich an das Tankerunglück der „Exxon Valdez" 1989 in ebendieser Bucht) Aber der Reihe nach: Start der Reise war natürlich Anchorage, mit 275.000 Einwohnern zwar die einzige Großstadt Alaskas aber keineswegs die Hauptstadt. Die Hauptstadt Juneau des flächengrößten Bundesstaates der USA (mehr als 5mal so groß wie Deutschland mit insgesamt 640.000 Einwohnern) ist eine Stadt ohne jede Straßenanbindung !!, ....also für uns nicht so geeignet. Nachdem sich zwei Mitradler aus unterschiedlichen Gründen ein Fahrrad geliehen hatten beim Fahrradverleih (!) direkt vor unserem kleinen Hotel, das noch aus der Anfangszeit der Stadt (frühes 20zigstes Jahrhundert) stammte, konnte es los gehen.

Das Foto zeigt die Radeltruppe mit Reiseleitung (und winkendem Radverleiher) vor dem Kleinbus mit Anhänger, der es uns ermöglichte, einige Strecken auch ohne Fahrrad zu überbrücken. Ich war übrigens mit immerhin auch schon 50 Jahren die zweitjüngste Reiseteilnehmerin!! Nur die Reisebegleiterin Claudia, unser immer gutgelauntes Organisationstalent mit dem dringenden Wunsch, allen das Radlerleben so angenehm wie möglich zu gestalten, war einige Jährchen unter vierzig. Die erste Etappe bescherte uns dann gleich die längste Radstrecke (103 km) mit der stärksten Steigung (von Meereshöhe bis auf 840 m an einem Stück) der ganzen Tour inmitten einer grandiosen Bergwelt, die sich ab mittags aus dem Nebel erhob und uns mit ihrem Anblick und einer rasanten Abfahrt beglückte.

Die Unterkünfte reichten von landestypisch rustikal bis zum edlen Touristenambiente. Bei Michael, einem Apachen, der mit seiner Frau zwei selbstgebaute und liebevoll eingerichtete Holzhütten vermietet (mit allem Komfort abgesehen von fließendem Wasser aber dafür mit Outdoor-Plumpsklo) gab es zum Abendessen den fangfrischen Lachs vom Holzkohlegrill. Hm, lecker!

Mit einem kleinen Flugzeug machten wir uns am nächsten Tag auf zu einem besonderen Highlight Alaskas, der Kennecott-Kupfermine. Nach einer sehr ertragreichen Zeit Anfang des 20zigstens Jahrhunderts, in der Kupfererz im Wert von ca. 200 Millionen Dollar gefördert wurde, wurde die Mine 1938 geschlossen. Die Arbeiter gingen und das kleine McCarthy, Versorgungs- und Vergnügungsstädtchen am A... der Welt, wurde zur Geisterstadt. Was die Minenanlage so einzigartig macht, ist der gut erhaltene Zustand nach fast 100 Jahren in der rauen Bergwelt Alaskas direkt neben dem riesigen Root Gletscher (im Bild rechts unter der grauen Schotterablagerung!). Erst 1960 wurde auf der ehemaligen Erzbahntrasse eine Straße gebaut,

die jetzt die Mine touristisch erschließt und seit einigen Jahren Erhaltungsarbeiten ermöglicht. Eine Gletscherwanderung, eine Schwarzbär-Begegnung (zum Glück durch eine Autoscheibe) und ein Vier-Sterne-Abendessen im einzigen Restaurant McCarthys, dessen Weinkarte wahrscheinlich 70 % der deutschen Restaurantbesitzer vor Neid erblassen ließe, rundeten das eindrucksvolle Erlebnis ab. Nach zwei weiteren Radeltagen (einer davon im Dauerregen) erreichten wir den Ausgangspunkt der Drei-Tages-Etappe über den Denali Highway, über die ich mir vorher doch einige Sorgen gemacht hatte: 180 km am Stück auf einer Schotterpiste... ohne Federgabel!

Pavement ends – Schluss mit lustig!

Aber was dann kam, ließ die kleinen Unannehmlichkeiten der Straßenoberfläche schnell vergessen. Landschaft pur:

Drei Tage genossen wir den Blick auf die verschneite Bergkette der Alaskarange, auf blaue Seen mit Biberbauten, auf fischreiche Wildbäche und rot gewandete Radler als schmückenden Farbklecks.

 

Und am letzten Tag erschien am Horizont der Mount McKinley oder Denali, wie der höchste Berg Nordamerikas (6.194 m) eigentlich heißt, der sich wie kaum ein anderer Berg der Weltenriesen direkt aus seiner viel flacheren Umgebung erhebt. (Leider verwechselt man ihn auf dem Bild leicht mit den Wolken, daher die nachgezeichnete Linie) Dann kam wieder „langweiliger Spießerasphalt" ... (Zitat von Reiseleiter Lutz).

Im Denali Nationalpark (2,43 Millionen Hektar mit nur einer einzigen Straße, die jedoch nur mit den Besichtigungsbussen befahren werden kann) machten wir eine kleine Wanderung durch die reich blühenden Bergwiesen und konnten dabei die Wappenblume Alaskas, das „Forget me not / Vergissmeinnicht" in Natura bewundern.

 Auf der Rückfahrt sahen wir einen mächtigen Braunbären am Wegesrand. Einerseits ist die Begegnung mit landestypischen Tieren immer ein besonderes Erlebnis, anderseits war ich doch sehr froh, dass eine Autoscheibe dazwischen war!  (Kurz darauf erfuhren wir, dass in Anchorage eine Radlerin bei einem 24- Stunden-Rennen von einem Bären angegriffen und schwer verletzt wurde.)  Leider ist es eben nicht immer möglich, das Revier des Bären zu respektieren, vor allem dann nicht, wenn man mit dem Rad um eine Kurve kommt und der Bär mitten auf der Straße steht....

Vom Denali National Park fuhren wir dann sehr luxuriös im Panoramawagen eines Sightseeingzuges nach Talkeetna. Auf der Fahrt beschrieb der Zugführer liebevoll jede Sehenswürdigkeit wie z.B „Achtung Elch rechts" und der distinguierte Ober servierte kalte und warme Getränke direkt am Sitzplatz. Bei der Ankunft wartete schon das Flugzeug, mit dem der Mount McKinley umrundet werden sollte. Da mir der erste Flug zur Kennecott-Mine noch in guter Erinnerung war (ich hatte mir nämlich den ganzen Flug über Augen und Ohren zugehalten und gebetet, dass wir bald wieder landen mögen!!) ließ ich gerne unserer Reisebegleiterin Claudia den Vortritt, die dann auch grandiose Bilder vom wolkenlosen Gipfel mitbrachte. Und wenn man gaaanz genau hinschaut, kann man die Bergsteiger erahnen, die den als sehr schwierig geltenden Berg bei schönstem Sonnenschein besteigen.

In die an Highlights nicht gerade arme Reise reihte sich unsere letzte Unterkunft nahtlos ein. Direkt am Meer gelegen mit Blick auf den Kenai Fjord und die vorbeifahrenden Ozeanriesen, die für einen Tag in Seward anlanden, um ihre Gäste ins touristisch geprägte Stadtgewimmel zu spucken.

Am nächsten Tag besuchten wir bei strahlendem Sonnenschein die Wale, Seelöwen, Robben, Seeotter, Delphine, Puffins, Seemöwen, Seeadler und und und ... in ihrer wunderschönen gletscherreichen Heimat.

Ein beeindruckendes Zeugnis davon, dass die Erde eine Kugel ist, gaben die schneebedeckten Gipfel der weit entfernten Wrangell-Mountains ab, die man ca. daumenbreit am Meereshorizont erkennen konnte. Und dann war es so weit: Nach 21 Urlaubstagen, davon 12 Radeltage mit 801 km und 6.699 Höhenmeter, einer Gletscherwanderung, 2 Flügen, einer Schiffahrt, einer Zugfahrt und einer Fährfahrt hieß es Abschied nehmen von den fantastischen Erlebnissen in einer traumhaften Landschaft, organisiert und durchgeführt von einer Reiseleitung, die keine Wünsche offen lässt. Goodby Alaska, „The last frontier"

 

Übrigens: die nächste Alaskareise findet 2010 statt!! Wer Zeit, Lust und (leider auch einiges) Geld hat, sollte nicht zu lange warten und sich anmelden bei: „Valhalla – Tours", dem 2-Personen Radreiseveranstalter aus Ratingen, Telefon 02102 / 15 57 83, e-Mail: info(..at..)valhallatours.de und im Internet unter www.valhallatours.de weitere Informationen zur Alaska-Reise und Reisen z.B. ins traumhafte Neuseeland, nach Südafrika, Kanada und in die USA.

Susanne Rühl

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