Tätigkeitsbericht 2019 der Arbeitsgruppe Mobilität und Verkehr

von Wolfgang Voßkamp

 

Auf der Mitgliederversammlung, am 29.März des Jahres wurde ich als neuer Referent für Mobilität und Verkehr gewählt, und seither leite ich die gleichnamige Arbeitsgemeinschaft mit den Vorstandsmitgliedern und den weiteren Mitgliedern der AGMV. Ich danke auch hier noch einmal für das mit der Wahl gezeigte Vertrauen und hoffe, die Arbeit weiterhin in unser aller Interesse für den Radverkehr in Duisburg (und darüber hinaus) fördern zu können.

 

Das Jahr 2019 war gespickt mit vielen Aufgaben für das Team der Arbeitsgemeinschaft Mobilität und Verkehr im ADFC Duisburg e. V. (AGMV).

Die Kontakte zur Stadt und anderen Beteiligten im Straßenverkehr wie der Polizei und anderen konnten ausgebaut werden. Dabei wurden auch neue Personalsituationen berücksichtigt, wir haben uns vorgestellt und sind auch eingeladen worden. Konstruktive Gespräche lassen hoffen, wenn wir auch mit der Geschwindigkeit des Wandels nicht zufrieden sein können - es könnte alles schneller gehen. Wir haben uns zudem gut in den Medien verkaufen können, haben durchweg gute Presse in den örtlichen Tageszeitungen, bei Studio47, dem WDR und in anderen Medien erhalten. Das ist ein gutes Zeichen für die Wertschätzung unserer Arbeit und treibt uns weiter an, mehr zu erreichen.

Demonstrativ haben wir bei der Einweihung des RS1-Teilstücks in Mülheim und Fridays-for-future (FFF) mitgewirkt und konnten dadurch neue Rekordzahlen bei der Critical Mass erreichen. Dennoch müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Radfahrer*innen in Duisburg mit der Infrastruktur alles andere als zufrieden sein können und dies auch nicht sind, wie der Fahrradklimatest erneut gezeigt hat.

Ohne Anspruch auf chronologische Reihenfolge oder thematische Rangfolge, möchte ich einige der vielen kleinen und großen Tätigkeiten, die wir in der AGMV entfaltet haben, hier einmal darstellen:

 

Autobahnbrücke A40

Bekanntlich hat ja schon im letzten Jahr das Planfeststellungsverfahren zum Brückenneubau der A40 über den Rhein von Kaßlerfeld/Neuenkamp nach Homberg/Rheinhausen stattgefunden. Wir haben uns intensiv beteiligt und waren einer der wenigen privaten Einwender im Planfeststellungsverfahren. Unser Ziel war es, zu erreichen, dass der mit nur 2,75 m Breite geplante Radweg breiter geplant wird. Vier Meter Breite war unser Ziel. Der Planfeststellungsbeschluss stellte dann - unter Nutzung veralteter gesetzlicher Regelungen und unter Missachtung der konkreten Einwendungen - fest, dass der Radweg mit 2,75 m Breite ausreichend sei. Argumentiert wird auf Seiten des Bundes, hier vertreten durch die Bezirksregierung Düsseldorf, dass es sich um eine Autobahn handelt und eigentlich gar kein Radweg erforderlich sei. Dieser müsse nur gebaut werden, weil schon zuvor einer vorhanden war, der beim Bau der jetzigen Brücke von den Städten Duisburg und Moers finanziert worden war. Die Anwendung von Vorgaben aus den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts für ein angeblich auf eine Zeit von 100 Jahren geplantes Bauwerk allein zeigt schon, dass hier eher der Amtsschimmel wiehert als dass eine sinnvolle Planung vorangetrieben wird. Dazu setzt sich der Bundesverkehrsminister mit einer solchen Planung und vorgeschoben erscheinenden Argumenten gegen seinen eigenen Nationalen Radverkehrsplan (NRVP), der schon in den letzten beiden Versionen mehr Radverkehr fordert. Insbesondere wird ein deutlicher Ausbau zugunsten des Lastenverkehrs auf dem Fahrrad verlangt und als Ziel gesetzt. Wenn man mit zwei Lastenrädern indes auf der Brücke gegenläufig fährt, verbleiben bis zu den Rändern des Radweges und zwischen den Fahrrädern kaum ein DIN-A4-Blatt Breite. Das Handeln des BMVI (Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur) ist in sich widersprüchlich und zeigt letztlich sehr gut, dass der eigene NRVP nicht ernst genommen wird.

Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass eine Änderung möglich ist. Denn das Bundesfernstraßengesetz soll nun geändert werden, so dass Radverkehrsanlagen (RVA) an Bundesstraßen und -autobahnen häufiger gebaut werden sollen. Noch ist das Gesetz nicht verabschiedet, aber man arbeitet daran. Zu spät für die Brücke, so dass sich der schlechte Zustand nach dem Feststellungsbeschluss auf 80-100 Jahre zementieren würde.

Glücklicherweise stehen uns der RVR, sowie die Städte Duisburg und Moers zur Seite und haben unermüdlich argumentiert. Letztlich besteht nun die Hoffnung, dass es doch noch zu einer Umplanung der Brücke derart kommt, dass ein vier Meter breiter Radweg vielleicht doch noch gebaut werden kann.

Für uns ist dies ein Zeichen, dass wir weiter an der guten Zusammenarbeit mit der Stadt Duisburg arbeiten müssen, denn die Ziele sind gar nicht so unterschiedlich. Zwischen unseren Wünschen und den Möglichkeiten der Stadt gibt es jedoch bisweilen noch große Unterschiede.

Wir werden also auch weiterhin daran arbeiten, dass der breitere Radweg an die A40 gebaut wird.

 

 

Autobahnbrücke A59

Eigentlich sind wir ein Fahrradfahrer*innen-Verein und trotzdem geht es schon wieder um eine Autobahn. Die Nord-Süd-Achse ist bekanntlich marode und muss im Bereich der Überführung über die Ruhr erneuert werden. Bereits 2018 hatte Straßen.NRW vier Möglichkeiten vorgestellt, wie ein solcher Neubau erfolgen könnte. Unter anderem gab es einen Vorschlag, von der Brücke nach Norden hin die Autobahn als einen Tunnel durch Meiderich und Hamborn zu führen. Städtebaulich ergäben sich dadurch immense Vorteile für die beiden großen und dicht besiedelten Stadtteile. Wiederum ist für den BMVI allerdings die Stadt ohne Interesse und man bezieht sich darauf, dass nur die Autobahn interessiere. Herrn Scheuer sind die Bürger offenbar egal - anders kann ich solche Aussagen nicht deuten. Herr Wüst als Landesverkehrsminister schimpfte zu Unrecht auf die Stadt, die zu langsam gewesen wäre mit Einwendungen. Dabei hatte die Stadt unverzüglich nach Vorlage der Pläne reagiert. Die Tunnellösung würde - neben den städtebaulichen Aspekten und der Aufwertung der Stadtteile - zudem die Möglichkeit bieten, Lärm zu reduzieren und Abgase gezielt außerhalb der dichtbesiedelten Stadtteile abzuführen. Zudem ergäbe sich die Möglichkeit, auf dem Tunnel Radverkehrsanlagen zu bauen, die zu einer seit Jahrzehnten vermissten angemessenen Nord-Süd-Verbindung für Radfahrende führen würde. Bekanntlich sind die derzeitigen Wege alle mit z. T. langen Umwegen und schlechter Infrastruktur für Radfahrer*innen verbunden, so dass auf dem Tunnel und von dort entlang der neu zu bauenden Brücke endlich diese Lücke geschlossen werden können. Wieder argumentiert der BMVI nur mit bestehenden Vorschriften, obwohl die alle im Zeitpunkt der Fertigstellung der Bauwerke allesamt veraltet sein werden und aller Voraussicht nach durch neue, radfahrerfreundlichere Vorschriften ersetzt sein werden. Man plant für die Zukunft mit Vorschriften der Vergangenheit. Wir haben uns der Bürgerinitiative angeschlossen, die maßgeblich durch den Meidericher Bürgerverein e. V. geführt wird. Auch die Stadt Duisburg steht hinter unseren Zielen. Alle Vereine haben den BMVI angeschrieben und warteten seither auf eine Reaktion. Ein gemeinsamer offener Brief, der auch der Presse übergeben und unter www.DuFuerDenTunnel.de veröffentlicht ist, wurde Anfang November an den BMVI gesandt. Am 17.12.2019 erreichte und endlich eine Antwort, die die Tunnelvariante quasi ausschließt, den begleitenden Radweg an der neuen Berliner Brücke allerdings grundsätzlich nicht.

Wir werden hier weiter kämpfen, auch wenn die Tunnelvariante vermutlich kaum durchzusetzen sein wird. Der Duisburger Fernsehsender Studio 47 berichtet zur A59 https://www.youtube.com/watch?v=svaZkOWXS_Y&feature=youtu.be

Außerdem gibt es eine Webseite unter www.DuFuerDenTunnel.de mit weiteren Informationen.

Anfang Dezember haben wir uns noch mit Herrn Mahmut Özdemir (Mitglied des Bundestages) getroffen, um hier die weitere Vorgehensweise abzusprechen. Wir werden hier noch viel Arbeit haben und der Ausgang ist sehr ungewiss. Trotzdem halten wir es für wichtig, die Chance zur Schaffung einer Nord-Süd-Achse auf diesem Weg zu verfolgen.

 

 

Gespräch mit dem neuen Polizei-Pressesprecher Stefan Hausch

Lange Jahre war Herr Ramon van der Maat Pressesprecher der Polizei Duisburg. Er wurde nun in den wohlverdienten Ruhestand entlassen und das Amt wird von Herrn Hausch ausgeübt. Diesen haben wir im Rahmen eines persönlichen Gesprächs kennen gelernt und das Gespräch dazu genutzt, auf die Sorgen und Nöte der Radfahrenden hinzuweisen.

Anlass zu dem Gespräch waren Pressemitteilungen der Polizei, in denen es immer wieder hieß, ein Radfahrer habe „sich verletzt“ oder sei von einem Auto „erwischt“ worden. Wenn ein Radfahrender von einem Auto angefahren wird und der Autofahrer dies zu verschulden hat, weil er die Vorfahrt des Radfahrenden missachtet hat, muss es sicher heißen, dass der Radfahrende verletzt wurde, aber nicht, dass er sich (selbst) verletzt hat. „Erwischen“ sollte die Polizei lieber Straftäter. Das Erwischen ist also eigentlich schon ein Erfolg einer Verfolgung und daher sollte nach unserer Ansicht ein solcher Begriff keinesfalls in einer Pressemitteilung auftauchen, bei der ein Autofahrer einen Radfahrenden angefahren hat.

Auch die Presse haben wir auf diese falsche Wortwahl hingewiesen. Seither konnten wir feststellen, dass die Pressemitteilungen im Großen und Ganzen etwas sachlicher geschrieben waren.

Das Gespräch, dass wir unter diesem Aspekt gewünscht haben, haben wir aber direkt dazu genutzt, uns vorzustellen, unsere Ziele der Verkehrssicherheit zu präsentieren und deutlich zu machen, dass hier auch die Hilfe der Polizei erforderlich ist. Sei es durch Aufklärungsmaßnahmen oder einfach nur sachgerechte Berichterstattung.

Wir sind überzeugt, dass wir durch unser Gespräch mit Herrn Hausch einen Grundstein für eine gute Zusammenarbeit gelegt haben. Allerdings besteht eine solche gute Zusammenarbeit insbesondere über das Dezernat der Verkehrsunfallprävention ohnehin schon, was für uns immer wieder auch kurze Wege bei Problemen bedeutet und damit hilfreich ist.

 

Verwaltungsgespräche mit der Stadt Duisburg

Die Verwaltung der Stadt Duisburg ist - neben vielen anderen Dingen - damit befasst, Stadtplanung zu betreiben. Das Amt 61 - also das Stadtplanungsamt, offiziell Amt für Stadtentwicklung und Projektmanagement - ist hier eine der wichtigen Behörden. Hier werden Straßen, Parkplätze und sonstige Anlagen geplant und noch vieles mehr. Seit Jahren sind wir bemüht, mit einem positiven Grundverhältnis mit dem Amt 61 zusammen zu arbeiten. Unser Fahrradbeauftragter ist dabei auch für uns immer ein wichtiger Ansprechpartner. Auch in 2019 haben wir wieder Verwaltungsgespräche geführt. Dabei geht es zunächst darum, dass wir von Seiten des Amt 61 erfahren, was es an neuer Planung gibt, wie Planungen aussehen sollen und welche Probleme bestehen. Mit immer wieder unterschiedlichen Themen treten wir an die Stadt Duisburg heran, fordern bessere Radverkehrsanlagen wie Radwege und Abstellanlagen. Wir werden in manchen Dingen allerdings auch befragt, ob wir Ideen oder Lösungen zu bestimmten Problemen habe.

Seit Jahren sind die Baustellen in Duisburg ein großes Problem. Etwa 7.500 Stück gibt es davon pro Jahr und mit der dünnen Personaldecke können diese kaum überwacht werden. Das führt immer wieder dazu, dass die Bauarbeiter Verkehrszeichen anders aufstellen, als dies in der Genehmigung  ausgeschrieben ist. Das ist nicht selten Grund für verkehrswidrige Situationen. Immer wieder kommt es deshalb vor, dass „Radfahrer absteigen“-Zeichen aufgestellt werden. Entweder rechtswidrig oder auch nur einfach unlogisch und unangemessen. Wir geben unermüdlich immer wieder Nachrichten an die Stadt, wenn die Baustellen sehr falsch beschildert sind, denn nur so können wir erreichen, dass auf Dauer diese Situation sich bessert. Bei einigen Baustellen sieht man Fortschritte, aber leider noch viel zu wenig.

In die Planung wurden wir in diesem Jahr erstmals einbezogen in Bezug auf drei konkrete Bauvorhaben. Mit Planerinnen von Amt 61 haben wir die Pläne sehr detailliert angesehen und unsere Anmerkungen dazu abgegeben. Es wurde über die Sinnhaftigkeit von Radschutzstreifen diskutiert. Wir werten die Gespräche, auch wenn sie manchmal inhaltlich sehr unterschiedliche Positionen enthalten, als sehr positiv. Denn nur die sachliche Diskussion und der Austausch können Veränderungen und vor allem Argumente offenbaren.

Ein weiterer Punkt ist in den Gesprächen die Rotmarkierung von Radverkehrsanlagen. Es sieht derzeit danach auch, dass zunehmend in Kreuzungs- und Einmündungsbereichen benutzungspflichtige Radwege rot markiert werden sollen. Aus den Niederlanden kennen viele dies sicher und aus meinen Erfahrungen ist die Gefahr, übersehen zu werden, dann geringer, wenn der Radweg deutlicher erkennbar ist. Insoweit haben wir wieder einen kleinen Konsens erzielt - leider nur wird es lange dauern, bis das überall Realität wird.

Wir werten die Verwaltungsgespräche als positiv und fruchtbar. Insbesondere haben wir dadurch Ansprechpartner, denen gegenüber wir auch einmal Missstände sachlich außerhalb der Verwaltungsgespräche auf dem kurzen Dienstweg vortragen können und dabei Gehör finden. Unser Fachkenntnisse werden dabei von der Stadt geschätzt.

 

" Neu"-Bürgertour

Die Idee eines Mitglieds der AGMV war es, "Neu"-Bürgertouren zu veranstalten. Vereinfacht gesagt sollen hier in Zusammenarbeit mit der Stadt, allerdings federführend durch den ADFC, Touren für Bürger, also neue und nicht mehr neue Bürger, angeboten werden. Es soll für die neu hinzugekommenen Personen die Möglichkeit bestehen, ihren Stadtteil näher kennen zu lernen mit allen öffentlichen Einrichtungen wie dem Bürger-Service, Schulen, Stadtbibliotheken usw. Dabei sollen einzelne Punkte angefahren und dort Informationen zu interessanten Punkten des jeweiligen Stadtteils erteilt werden. Dabei kann es sich um die Geschichte eines Gebäudes, um potentielle Arbeitgeber oder ähnliches handeln. Das Spektrum ist groß und wird vom jeweils befahrenen Stadtteil abhängig sein. Geplant ist, dass die jeweilige Bezirksbürgermeisterin oder der jeweilige -bürgermeister oder Vertreter dabei sein soll - gerne natürlich auch der Radverkehrsbeauftragte und natürlich wir. Die Touren sollen auch für ungeübte Radfahrende einfach zu bewältigen sein und ungefähr 2-4 Stunden dauern. Die Detailplanung ist derzeit schon etwas weiter fortgeschritten für eine erste Tour im März 2020, die durch Meiderich führen soll.

Der Begriff „Neu-Bürger“ ist dabei vielschichtig zu verstehen. Neben Migranten aus dem In- und Ausland können dies in einer Universitätsstadt natürlich auch Studierende sein. Hier wechselt der jeweilige Bevölkerungsanteil schnell und wir erreichen damit potentiell Radfahrende. Ausgeschlossen werden soll indes niemand, so dass natürlich auch Alt-Bürger gerne mitfahren können.

Mit den Neu-Bürgertouren verbinden wir die Information und die Akzeptanz der Stadt als Wohn- und Arbeitsort mit Werbung für den ADFC und hoffen auch insoweit auf eine gute Presse - denn die Pressevertreter werden ebenfalls eingeladen werden.

 

 

Aktion Geisterradler*innen

Das Verkehrssicherheitsnetzwerk „Duisburg - Aber sicher!“ führte, initiiert durch den ADFC eine Aktion gegen Geisterradler*innen durch. Angeregt durch das Missfallen an Geisterradler*innen, also solchen Fahrradfahrer*innen, die einem auf der falschen Seite entgegen kommen, sollte auf die dadurch entstehende Verkehrs-Unsicherheit hingewiesen werden. Entwickelt wurde das Logo „Falsche Seite“, das an einigen neuralgischen Punkten auf die Fahrbahnen bzw. Radwege gesprüht wurde. So ist das Logo zum Beispiel an der Friedrich-Ebert-Brücke von Ruhrort nach Homberg zu finden, da hier besonders häufig Geisterradler*innen angetroffen werden. Wie auf Dauer der Effekt sein wird, wird sich erst in der Zukunft zeigen. Allerdings ist schon öfter das Gespräch darauf gekommen. Das Problem als solches wird also durch die Aktion bekannt und nur dann, wenn ein Problem erst einmal ins Bewusstsein gelangt ist, kann es zu Verhaltensänderungen führen.

 

Verkehrsspiegel

Vom Verkehrsicherheitsnetzwerk "Duisburg - Aber sicher!" wurden 2019 dreizehn (2018 von DuisPort über die Bürgerstiftung Duisburg gesponserte) Verkehrsspiegel an neuralgischen Punkten im Stadtgebiet montiert. Auch hierbei konnte der ADFC seine Expertise einbringen und Standortvorschläge unterbreiten, was uns natürlich sehr freut.

 

Weitere Informationen zum Netzwerk finden sich unter: www.duisburg.de/microsites/duisburg-aber-sicher/netzwerk/index.php

 

Ride of Silence (RoS) und Critical Mass (CM)

In jedem Jahr am 3. Mittwoch im Mai findet der Ride of Silence, also die „Fahrt der Ruhe“ statt. Seit 2003, als dieser Ride of Silence (RoS) in Dallas/Texas ins Leben gerufen wurde, wird nun der im Straßenverkehr getöteten Radfahrer*innen gedacht. Bei dem RoS soll die Fahrt in Stille geführt werden und die Fahrer*innen sollten möglichst weiß gekleidet sein.

Die Gedenkfahrt findet in der Art einer Critical Mass (CM), einer kritischen Masse statt. Dabei fahren Radfahrer*innen in möglichst großen Gruppen, sodass die Sonderregelung des § 27 StVO (sogenannter „geschlossener Verband“ oder „Kolonne“) genutzt werden können, die lautet:

Straßenverkehrs-Ordnung (StVO): § 27 Verbände

(1) Für geschlossene Verbände gelten die für den gesamten Fahrverkehr einheitlich bestehenden Verkehrsregeln und Anordnungen sinngemäß. Mehr als 15 Radfahrende dürfen einen geschlossenen Verband bilden. Dann dürfen sie zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren. Kinder- und Jugendgruppen zu Fuß müssen, soweit möglich, die Gehwege benutzen.

(2) Geschlossene Verbände, Leichenzüge und Prozessionen müssen, wenn ihre Länge dies erfordert, in angemessenen Abständen Zwischenräume für den übrigen Verkehr frei lassen; an anderen Stellen darf dieser sie nicht unterbrechen.

(3) Geschlossen ist ein Verband, wenn er für andere am Verkehr Teilnehmende als solcher deutlich erkennbar ist. Bei Kraftfahrzeugverbänden muss dazu jedes einzelne Fahrzeug als zum Verband gehörig gekennzeichnet sein.

(4) Die seitliche Begrenzung geschlossen reitender oder zu Fuß marschierender Verbände muss, wenn nötig (§ 17 Absatz 1), mindestens nach vorn durch nicht blendende Leuchten mit weißem Licht, nach hinten durch Leuchten mit rotem Licht oder gelbem Blinklicht kenntlich gemacht werden. Gliedert sich ein solcher Verband in mehrere deutlich voneinander getrennte Abteilungen, dann ist jede auf diese Weise zu sichern. Eigene Beleuchtung brauchen die Verbände nicht, wenn sie sonst ausreichend beleuchtet sind.

(5) Wer einen Verband führt, hat dafür zu sorgen, dass die für geschlossene Verbände geltenden Vorschriften befolgt werden.

(6) Auf Brücken darf nicht im Gleichschritt marschiert werden.

 

Wir haben intern die Sinnhaftigkeit der Critical Mass diskutiert und hier steht die Meinung, dass das Fahren als solches ein Zeichen setzt, der Meinung, dass es einer Verdeutlichung bedarf, was mit der CM gewollt ist, gegenüber. Einigkeit wurde zwar nicht erzielt, man kam jedoch überein, dass jeder nach seiner Facon mit der ohne zusätzliche Informationen fahren soll.

 

 

Jede*r ist eingeladen am RoS in 2020 und natürlich an allen CM-Fahrten teilzunehmen. Die CM findet an jedem letzten Freitag im Monat um 19 Uhr am Duisburger Hauptbahnhof statt. Die Routen werden vor Ort geklärt oder durch einzelne Fahrradfahrer*innen ausgesucht.

Die CM und auch der RoS sollen mehr Aufmerksamkeit für Radfahrende schaffen - ein Ziel, dass auch mit der ADFC-Aktion „Mehr Platz fürs Rad“ erreicht werden soll.

 

Fridays for Future (FFF)

Seit September 2018 streikt Greta Thunberg, die mittlerweile weltberühmte schwedische Schülerin. Ihr Streik richtet sich auf die Durchsetzung der Klimawende und gegen den Klimawandel und soll durch zum Teil sehr markige und treffende Worte („How dare you?“ - „Wie können Sie nur?“) die älteren Generationen darauf hinweisen, dass durch unseren Lebenswandel in der Vergangenheit und aktuell die Zukunft unserer Kinder stark gefährdet wird. Da das Fahrradfahren einen Teil zur Klimawende beiträgt, ist auch für uns dieses Ziel ein sehr wichtiges Ziel. Am 20. September fand eine Großdemo von FFF weltweit statt, bei der in Duisburg gut 3.500 Demonstrierende, bundesweit angeblich 1,4 Mio. Menschen sich für die Klimawende engagiert haben und auf die Straße gegangen sind. Wir wurden gebeten, zum Thema Verkehrswende eine kurze Rede zu halten. Diese Chance auf ein großes Publikum konnten wir nutzen und ich habe auf die Einfachheit der Erhöhung des Radverkehrsanteils in den Städten hingewiesen und konkrete Wege zum Erreichen dieses Ziels genannt. Entsprechend der sehr breit gefächerten Altersstruktur der Demonstrierenden reichte das Echo von ausgefeiltem Lob bis zu einem „Gute Rede, Mann!“ und auch zu einer Einladung, bei der FFF in Köln die gleiche Rede noch einmal zu halten. Wir konnten so zum Einen unseren Bekanntheitsgrad steigern, ein positives Echo in der Bevölkerung bewirken und einen großen Tropfen zum Höhlen des Steins, der der Verkehrswende noch im Weg liegt beisteuern. Nur durch stetiges Auftreten in der Öffentlichkeit und fundiertes Wissen können wir hier die Verkehrswende fördern und den Radfahrenden „Mehr Platz fürs Rad“ verschaffen.

Wir danken der Duisburger Gruppe der FFF für die Anfrage und die hervorragend organisierte und durchgeführte Veranstaltung.

In der Folgewoche fand eine Demonstration der FFF-Gruppen aus Duisburg, Moers, Rheinberg und dem Kreis Kleve statt. FFF Duisburg hat dazu eine Raddemo mit Polizeibegleitung von Duisburg nach Moers organisiert, der wir uns angeschlossen haben. Mit über 80 Fahrer*innen haben wir gemeinsam dabei sehr deutlich gemacht, dass die Verkehrswende notwendig ist. Insgesamt kamen wohl um die 800 Demonstrierende in Moers zusammen, die letztlich mit einem Die-In medienwirksam agiert haben. Bei einem Die-In wird herunter gezählt, bis zu welchem Jahr die 2° C-Klimaerwärmung erreicht ist. Beim Erreichen dieses Jahres fallen alle Demonstrierenden auf den Boden und simulieren den Tod.

 

Erfreulich für uns war, dass einige der Teilnehmer*innen von FFF dann am gleichen Tag in einem geschlossenen Verband (s. o. Nr. 8) nach Duisburg zurück gefahren sind. Über die mitgeführten großen Lautsprecher konnten dann einige Teilnehmer auch davon überzeugt werden, bei der CM am gleichen Abend mitzufahren. Hierdurch konnte mit 42 Teilnehmenden die bisher größte Duisburger CM gefahren werden.

Auch bei weiteren Aktionen wollen wir die Zusammenarbeit mit FFF intensivieren und so auf die Notwendigkeit von „Mehr Platz fürs Rad“ noch deutlicher hinweisen.

 

Einweihung Teilstrecke RS1 in Mülheim

Im Mai wurde die Teilstrecke des RS1 von der Hochschule bis zur Ruhrbrücke eingeweiht. Statt der ursprünglich angedachten 102 km von Duisburg bis Hamm wurden also 1,2 km fertig gestellt. Dies haben wir zum Anlass genommen, auf die Notwendigkeit schnellerer und besserer Planungen hinzuweisen und haben mit Schildern demonstriert. Herr Minister Wüst war vor Ort und hat die Kritik gesehen, aber nicht kommentiert. Herr Martin Tönens vom Regionalverband Ruhr (RVR) hat uns auf unseren Protest angesprochen und um Zusammenarbeit geworben, die wir auch einrichten wollten. Dazu ist es allerdings nicht gekommen, da inzwischen eine landesweite Zusammenarbeit des ADFC-Landesverbandes mit Straßen.NRW erfolgt und dort auch die Zusammenarbeit auch mit dem RVR erfolgen soll. Hierzu jedoch später. Der Protest wurde aufgenommen und in den Medien verbreitet. Leider ist nach wie vor die Planung und erst recht der Ausbau des RS1 nur sehr schleppend. In nahezu allen Städten sind die Ziele verfehlt und es ist bisweilen nicht zu erkennen, wann und wie es weitergehen soll.

Martin Linne (Beigeordneter Stadt Duisburg) möchte den Duisburger Teil bis 2027 fertig gestellt wissen. Dazu gibt es auch einen konkreten Anlass, nämlich die IGA 2027 - also die Internationale Gartenschau. Für die Anreise dorthin soll der RS1 eine wichtige Rolle spielen. Wir werden auch hier weiter tätig sein und alle erdenkliche Hilfe leisten, die wir bieten können, die Stadt aber auch weiter in die Pflicht nehmen.

 

Tagesgeschäft und Dauerbrenner

Wie nicht erst seit dem letzten Fahrradklimatest bekannt, werden die fehlende oder mangelhafte Infrastruktur, seien es Radwege oder Abstellanlagen, Beschilderungen oder einfach auch nur mangelhafter Zustand und Pflege der vorhandenen Radwege in Duisburg gerügt.

Häufig mangelhaft ist die Radfahrer*innenführung an Baustellen. Leider enden noch immer Radwege an einer Baustelle, ohne dass es Ausweichmöglichkeiten gibt oder Radfahrer*innen werden ungesichert auf die Fahrbahn geführt, so dass gefährliche Situationen vorprogrammiert sind. Seitens der Stadt wird darauf hingewiesen, dass ca. 7.500 Baustellen pro Jahr betreut werden müssen und die Personaldecke zur Überwachung viel zu dünn ist. Wie so oft fehlt es hier an politischem Willen, die Verwaltung sachgerecht auszustatten. Wir haben hier häufig Baustellen gerügt und oft ist es auch gelungen, zumindest grobe Gefährdungen zu beseitigen. Trotzdem haben wir auch hier noch viel zu tun. Alle Radfahrer*innen sind aufgerufen, mangelhafte Baustellen an uns zu melden, damit wir über die Verwaltung versuchen können, Abhilfe zu schaffen.

Dies gilt zum Beispiel auch dann, wenn Baustellen, wie z. B. an der Kaßlerfelder Straße in Fahrtrichtung Duisburg, beseitigt werden, aber z. B. das Pflaster nicht wieder vollständig hergestellt wird. Hier waren es zwei Stellen, an denen Pflaster aufgenommen, Leitungen verlegt und die Grube wieder zugeschüttet wurde. Das Pflaster wurde indes nicht wieder eingebracht, so dass zwei Schotterfelder im Geh- und Radweg entstanden. Nach unserer Meldung wurden die Stellen beseitigt und der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt.

Ein Sorgenkind war zudem der Bereich der Koloniestraße in Höhe der Kruppstraße. Dort war der Radweg sehr schlecht durch Wurzelaufbrüche und tiefe Schotter- bzw. Matschlöcher - je nach Witterung. Zuständig war hier Straßen.NRW und nicht die Stadt, die dort Bäume gefällt hat. Leider wurden diese auf den Geh-/Radweg gelegt, so dass ein Fortkommen dort kaum möglich war. Nach mehrfacher Rüge ist es mit Hilfe des Radverkehrsbeauftragten der Stadt Duisburg gelungen, Straßen.NRW zum Handeln zu bewegen. Die Stelle verfügt noch nicht über eine befriedigende Radverkehrsführung, aber der Gefahrenzustand konnte zumindest beseitigt werden. Ein kompletter Umbau dieses Teilstücks soll im Frühjahr 2020 beginnen.

Eine etwa 10 cm hohe Kante der aufgewölbten Fahrbahn der Karl-Lehr-Straße östlich der Brücken im Bereich des dortigen Radweges stellte und stellt leider immer noch ein erhebliches Risiko für Radfahrende dar. Hier konnte zumindest die Absicherung der Stelle geschaffen werden. Eine Beseitigung scheitert derzeit daran, dass sich die Stadt Duisburg mit dem Baubetrieb, der die Fahrbahn aufgebracht hat um Haftung für Mängel streitet und daher der Zustand noch nicht verändert werden kann. Auch hier bleiben wir am Ball, um den Gefahrenpunkt möglichst schnell beseitigt zu bekommen.

Die Radwegeführung an Haltestellen bereitet uns ebenfalls Sorgen und wir haben in Gesprächen mit der Verwaltung und dem neuen Beigeordneten, Herrn Martin Linne, unsere Bedenken geäußert. Im Bereich des Sternbuschweges werden Radwege als Hochbordradwege am Fußweg entlang geführt. Bei Haltestellen soll dann der Radverkehr durch die Wartenden Nutzer der dort haltenden Busse geführt werden. Dies führt oft zu Konflikten zwischen Fußgänger*innen und Radfahrenden. Wir haben festgestellt, dass die Radwegeführung z. B. in den Niederlanden oder auch im Vereinigten Königreich besser gelöst ist, so dass diese Konflikte abgeschwächt oder beseitigt werden können. Die Verwaltung ist noch nicht sicher, ob unsere Einwände dazu führen, dass diese Art der Radwegeführung beendet werden soll. Immerhin ist aber ein Problembewusstsein entstanden, das zuvor nicht zu bestehen schien, so dass durch unsere Intervention auch insoweit eine Sicherung der Radverkehrsanlagen erhofft werden kann. Wir werden die Tendenzen hier weiter beobachten und ggf. weiter auf die Verwaltung und Politik einwirken.

Es gibt noch einige weitere Punkte, bzgl. derer wir tätig waren, die alle aufzuzählen hier aber den Rahmen sprengen würden. Ich hoffe, dass ich aufzeigen konnte, dass wir umfassend den Verkehr in Duisburg beobachten und auf Mängel oder Problembereiche schnell und effizient eingehen.

 

Knotenpunktsystem

Nach niederländisch-belgischem Muster werden in Deutschland Knotenpunktsysteme eingeführt. Dabei werden Kreuzungs- und Einmündungsbereiche mit einer Nummer versehen und diese Nummer als Verkehrsschild als rotes Zeichen mit weißer Schrift der Nummer an Pfosten angebracht. Man kann dann von einem solchen Knotenpunkt zum nächsten fahren und sich so einfach Routen heraussuchen und diese Abfahren, ohne über eine Navigationsgerät oder Ortskenntnisse verfügen zu müssen. Duisburg ist nur im Randbereich an das Knotenpunktsystem angeschlossen, das aber weiter ausgebaut werden soll. Zu diesem System gibt es Straßenkarten mit den eingezeichneten Knotenpunkten, die eine Planung einer Tour vereinfachen.

 

Radwandertag

Am 29.04.2019 hat der Radwandertag stattgefunden. In bekannter Weise haben wir die Organisation und Auswahl der Route vorgenommen und am Randwandertag selbst mit vielen Helfern die Teilnahmematerialien ausgegeben und Urkunden verteilt. Räder konnten wieder codiert werden. Die Tour wurde wieder sehr gut aufgenommen und es gab viele Teilnehmer trotz des leider nicht so guten Wetters.

Codieraktionen fanden auch bei vielen anderen Anlässen statt, z. B. beim Besuch des Bienenmuseums. Das Codieren der Fahrräder soll Diebe abschrecken und die Zuordnung eines gestohlenen aber von der Polizei sichergestellten Fahrrades einfacher ermöglichen. Damit soll erreicht werden, dass gestohlene Fahrräder schneller und einfacher wieder zu den eigentlichen Eigentümer*innen zurückfinden. Der ADFC bietet diese Codierungen auch im Infoladen an. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Webseite des ADFC Duisburg.

 

Bürger-Tour mit dem Oberbürgermeister

OB Sören Link erkundet regelmäßig Stadtteile mit Bürgern - eigentlich zu Fuß. Erstmalig wurde in 2019 eine solche Tour mit dem Rad durchgeführt. Von der Rheinorange führte die Tour zum Rathaus, zum Kantpark, auf die Bahnhofsplatte und dem Botanischen Garten Duissern als Ziel. Gerne haben wir bei der Ausarbeitung der Tour unser Know How eingebracht. Der OB hat bereits signalisiert, dass er an weiteren Touren interessiert ist.

 

Fahrradfreundlicher Einzelhandel

Unter Federführung von Jörg Walther-Wystrychowski wurden besonders fahrradfreundliche Einzelhändler gesucht, die sich selbst um den Titel bewerben konnten aber auch von jeder/jedem vorgeschlagen werden konnten. In der Sitzung der AGMV im November wurden dann die drei Betriebe Edeka Engel (Röttgersbach), Lidl (Hochfeld; Brückenstraße) und Rewe Feldkamp (Trompeter Straße, Rheinhausen) ausgewählt. Kriterien für die Bewertung waren die Qualität der Abstellanlagen, also zum Beispiel wurden „Felgenkneifer“ negativ bewertet, Kopenhagener Bügel oder Kölner Nadeln gut bewertet. Es geht also darum, dass Radfahrende Anlehnbügel bereitgestellt bekommen, sodass sie das Fahrrad anschließen können und nicht nur abschließen. Außerdem wurden die Punkte Erreichbarkeit, Überdachung, Beleuchtung, Anzahl und Abstände zwischen den einzelnen Fahrradständern und andere Kriterien bewertet.

Wir werden pressewirksam die Händler ehren und hoffen darauf, dadurch mehr Augenmerk des Einzelhandels, der Dienstleister und von anderen Gewerbetreibenden auf gute Radabstellanlagen richten zu können. Auch dies kann dazu helfen, die Radinfrastruktur auf Dauer zu verbessern.

 

Wahlprüfsteine

Bei Wahlprüfsteinen geht es darum, den politischen Parteien Fragen zu stellen, die diese beantworten sollen. Mit diesen Fragen sollen die Parteien dazu bewegt werden, sich (mehr) mit dem Thema „Fahrradfahren“ zu beschäftigen und Konzepte zu erarbeiten und vorzustellen, wie das Fahrradfahren in der Stadt besser, einfacher und sicherer werden kann. Die Antworten der Parteien dienen dann als Prüfmaßstab für die spätere Umsetzung, können als „Erinnerung“ herangezogen werden, wenn die Umsetzung nicht im Sinne der Radfahrenden erfolgt und sollen damit die Politiker auch unter einen gewissen Druck setzen, die Wahlversprechen umzusetzen. Die Übernahme in unsere Öffentlichkeitsarbeit soll erfolgen, so dass wir bei Kritik und auch in der Diskussion immer wieder darauf zurückgreifen können.

Die Fragen werden zur Zeit in der AGMV erarbeitet.

 

Schokofahrt

Nicht originär der AGMV zuzuordnen aber federführend von Jörg Walther-Wystrychowsky aus der AGMV begleitet fand auch 2019 die zweimalige Teilnahme an der Schokofahrt statt. Die Schokofahrt ist eine idealistische Transportfahrt mit Fahrrädern von Duisburg nach Amsterdam und zurück. Dabei wird Schokolade in Amsterdam abgeholt, die in Duisburg (und Umgebung) insbesondere in ökologisch arbeitenden und dem Fairtrade-Gedanken verschriebenen Unternehmen verkauft wird.

Der Fairtrade-Gedanke wird dadurch berührt, dass die Schokolade fair bei den Kakaobauern über eine in den Lieferländern gegründete Genossenschaft eingekauft wird. Dem Umweltgedanken wird durch den Transport der Kakaobohnen mit dem Segelschiff, also CO2-neutral, nach Amsterdam Rechnung getragen. Vor ein paar Jahren kam ein einzelner Fahrradfahrer auf die Idee, dann auch den weiteren Transport klimaneutral durchzuführen und holte die Schokolade in Amsterdam mit dem Fahrrad ab. Im Herbst waren es etwa 200 Fahrradfahrer*innen - von denen viele mit dem Lastenrad angereist waren - die dieser guten Idee folgend agierten. Wir waren dabei und haben die Schokolade in einer in der Besetzungsstärke schwankenden Gruppe mit viel Freude und einem sehr guten Gemeinschaftsgedanken und -Gefühl abgeholt und in die Geschäfte verbracht. Zugegeben eine recht idealistische Aktion, aber der Idealismus ist eine der Triebfedern, die die Gesellschaft zum Positiven verändert - und damit ein wichtiger Part in der Arbeit der AGMV.

 

Integrationsteam-DU.de

Das Integrationsteam wurde schon im Vorjahr gegründet und ist 2018 erstmals durch die Teilnahme beim 24-h-Rennen im Duisburger Landschaftspark in Erscheinung getreten. Ein Team aus 4 Teilnehmern (2018) und 8 Teilnehmer*innen (2019) hat sich über einen Zeitraum von 24 Stunden immer wieder auf einen fest vorgegebenen Parcours im Landschaftspark Duisburg der Herausforderung von Wind, Wetter, Dunkelheit, Topografie und Geschwindigkeit gestellt. Wichtigstes Ziel für das Team war es, das alle wieder gesund ankommen, was auch im Wesentlichen, also von kleinen Blessuren abgesehen, gelungen ist. Das Integrationsteam wurde gegründet von der AWO Integrations-gGmbH, der Bürgerstiftung Duisburg und - natürlich - uns, insbesondere Mitgliedern der AGMV. Für den ADFC bin ich mitgefahren. Integration soll bei dem Team in alle Richtungen verstanden werden. So konnte mein Wunsch, ein Mixed-Team auf die Beine zu stellen, realisiert werden, so dass wir letztlich mit Frauen und Männern, deutschen, einer Chinesin und zwei Afghanen gefahren sind. Unsere „Gute Seele“ und wichtige Hilfe bei allen Angelegenheiten Oxana Wolf kommt ursprünglich aus Kasachstan. Auch konnten wir Mitglieder aus sehr unterschiedlichen sozialen Verhältnissen vereinen und - zumindest im Team sind wir uns sicher, dass es so ist: Wir waren das beste Team bei der Freude nach dem Rennen über das, was wir erreicht haben. Die Umstehenden hatten ihre Freude bei der Beobachtung unserer Ausgelassenheit nach dem Zieleinlauf unseres letzten Fahrers.

Das Integrationsteam hat aber zudem noch eine Aktion in der Marxloher Henriettenschule mit dem Kollegium der Schule auf die Beine gestellt. Dabei ging es im September darum, Schüler*innen mehr Fahrsicherheit angedeihen zu lassen. Die Kinder konnten Ihre Fahrräder zu einem Check vorstellen, kleinere Reparaturen wurden sofort erledigt, die Kinder über Sicherheitsmerkmale der Fahrräder unterrichtet. Das richtige Tragen eines Helms und die Wichtigkeit des Schutzes durch einen Helm wurden gezeigt und die Helme gut angepasst, sodass die Kinder auch für die Zukunft den richtigen Gebrauch des Helms lernten. Dann ging es auf einen kleinen Geschicklichkeitsparcours auf dem Schulhof, um Fahrsicherheit zu trainieren. Gleichgewicht, Bremsen, das Lenken - wichtige Dinge, die man im Alltag benötigt und zu dem das Training erheblich beigetragen hat. Die Kosten konnten wir selbst tragen. Allerdings hatten wir uns auch vorgenommen, durch eine „Reise um die Welt“ Sponsoren dazu zu finden, solche Aktionen zu unterstützen. Die „Reise um die Welt“ sollte Ansporn sein - für uns und für Sponsoren. Ziel war es, 42.000 km zurück zu legen, wobei wir anfangs mit sieben Fahrer*innen an den Start gingen, es wurden dann aber mehr. Schnell zeigte sich, dass wir unser Ziel deutlich zu vorsichtig gewählt hatten, so dass wir schon im Juni die Messlatte doppelt so hoch legten - auf 84.000 km, die wir schließlich schon im November erreichten.

Durch Sponsoren und letztlich durch eine Verdoppelungsaktion der Sparkasse anlässlich deren 175. Firmenjubiläums haben wir es dann auch noch geschafft, die Kosten für die Teilnahme eines Teams zum 24-h-Rennen 2020 aufzubringen.

Die Aktionen, natürlich voran das 24-h-Rennen, haben uns sehr gute Presse gebracht und zeigen, dass wir auch außerhalb der eigenen Reihen mit guten Aktionen auf uns aufmerksam machen können. Das Thema „Integration“ - ob es nun Leute aus fremden Ländern, Geflüchtete, wirtschaftlich benachteiligt aufwachsende Kinder oder andere geht - ist für uns von hoher Bedeutung, um auch für die Zukunft ein wenig mehr Homogenität in die Gesellschaft zu bringen, vor Ressentiments zu schützen und Radikalkräften entgegen zu treten. Allerspätestens wenn es darum geht, die Integration von Kindern erfolgen zu lassen, dürfte jedem klar werden, dass es keinen Unterschied in Bezug auf Herkunft oder soziale Stellung geben darf - denn was kann ein Kind dafür, in welchen gesellschaftlichen Gruppen es aufwächst? - Nichts!

© 2020 ADFC Kreisverband Duisburg e. V.