Lastenräder jetzt auch auch auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover Ende September 2016!

von Michael Hänsch

Eine erfreuliche Entdeckung: Die IAA-Nutzfahrzeuge in Hannover vom 26. bis 30.09.2016 hat Michael Hänsch besucht und dort Lasten-Fahrräder gesehen und probegefahren.

Lastenräder sind seit Jahren ein Schwerpunktthema auf der seit 21 Jahren stattfindenden Spezi inGermersheim: http://www.spezialradmesse.de Dort habe ich die vergangenen Jahre durchdachte Lastenradkonzepte wie Urban Arrow und Veleon probefahren. Die Synthese aus beiden flexiblen Bauformen ist aus meiner Sicht das CT1 von HNF Heisenberg. Das CT1 hat die Ladefläche vor dem Fahrer, wie es bspw. auch beim Bullit der Fall ist.

Ein großer Vorteil des CT1, den auch Veleon und Urban Arrow bieten: Falls man den Lasten-Vorbau tauschen möchte oder muß, dann kann man das, weil der Rahmen aus Teilen besteht, die mit Schrauben verbunden sind.

Und jetzt ein Lastenrad auf der IAA-NFZ, einer Messe, die von Mercedes und Volkswagen dominiert wird? Die Initiative kommt auch nicht von den Autoherstellern, sondern von Sortimo, einem Ausstatter, der Ordnungskonzepte für Werkstätten und Servicefahrzeuge anbietet. Den meisten ist Sortimo durch die durchdachten blauen Kästen für Bosch-Werkzeuge und rote Kästen für Fischer-Dübel bekannt.

Unter dem Themenschwerpunkt „Sortimo – Campus for intelligent mobility“ war eine große Ausstellungsfläche von Sortimo gestaltet, auf der das Sortimo CD1 auf Basis des HNF Heisenberg CT1 in vielen Facetten großartig präsentiert wurde. Es ist mit zwei unterschiedlich langen Lasten-Vorbauten erhältlich. Die lange Variante kann mit Korb genutzt werden. Das Transportgut läßt sich mit regenfester Plane schützen.

Die kurze Variante ist genau auf einen Sortimo-Schrank mit Schubladen abgestimmt. Eine Rollade läßt sich davor herunterziehen und abschließen. Mit zwei Rädern vorne benötigt man keinen Fahrradständer und kann auch nicht durch Straßenbahnschienen in Gefahr geraten. Durch Neigetechnik ist eine gute Kurvengängigkeit gegeben. Sie kann in mehreren Stufen eingestellt und deaktiviert bzw. blockiert werden.

Zwischen den zwei Rädern vorne ist ein zusätzlicher abschließbarer Stauraum eingebaut, der ideal für Helm, Warnweste etc. geeignet ist. Das CT1 bzw. CD1 hat bei einem Eigengewicht von 40 kg ein zulässiges Gesamtgewicht von 280kg. Es ist wartungsfreundlich mit Bosch-Tretlagerantrieb und Zahnriemen ausgestattet. Wenn das Rad eine Nutzlast von 160 kg und ein Anhänger daran zusätzliche Last transportieren kann, dann ist das mehr als mancher PKW schafft. Beide Varianten konnte ich probefahren und ich bin begeistert. Das HNF Heisenberg CT1 ist erhältlich, ab Frühjahr 2017 sind die Sortimo-CD1-Modelle erhältlich.

ADFC Radtourenleiter Michael Hänsch auf der IAA
 

Neue Potenziale entdecken

Ergebnisse des Verkehrsmittelvergleichs „Schweriner Versuch” liegen vor

Fahrrad und Pedelec sind die sinnvollsten Pendlerfahrzeuge im Stadt-Umland-Verkehr, so der Abschlussbericht des Schweriner Versuchs, der jetzt dem Beirat Radverkehr im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) vorgestellt wurde.

Zur Ermittlung der wesentlichen Vor- und Nachteile der verschiedenen Verkehrsmittel auf dem täglichen Weg zur Arbeit führte EcoLibro gemeinsam mit TÜV Nord im Auftrag der Hochschule Wismar den vom BMVBS geförderten "Schweriner Versuch" durch.

8 Testfahrer fuhren zwei Wochen lang werktäglich in den Hauptzeiten des Berufsverkehrs die 6,5 - 8 km lange Strecke zwischen der Vorortsiedlung Friedrichsthal und dem altstädtischen Rathaus Schwerin mit den folgenden Verkehrsmitteln:

  • Pkw (Benzin)
  • Pkw (elektrisch)
  • Motorroller (Benzin)
  • Motorroller (elektrisch)
  • Fahrrad
  • Pedelec (Elektrofahrrad)
  • ÖPNV (zu Fuß zur / von der Haltestelle)
  • ÖPNV (mit dem Fahrrad zur Haltestelle)

Von Tür zu Tür wurden die Parameter Zeit, Kosten, Energieverbrauch, CO2-Ausstoß, Stress, körperliche Bewegung und weitere gemessen, um heraus zu finden, welches der Verkehrsmittel in der Schnittmenge die beste Wahl im Pendlerverkehr darstellt. Die Messung mit insgesamt 8 verschiedenen Geräten begann beim Verlassen des Hauses, sie endete mit der Herstellung der Arbeitsbereitschaft am Arbeitsplatz. Zeiten für das Parken der Fahrzeuge oder das Ablegen regennasser Kleidung wurden mit einbezogen.

Die Auswertung erfolgte in drei typischen Perspektiven von Berufspendlern: die Umwelt- und Gesundheitsbewussten, die Zeit- und Komfortbewussten sowie die Kostenorientierten.

Das Ergebnis auf Basis der objektiv gemessenen Parameter war überraschender Weise für alle Pendlerprofile ähnlich: Das Fahrrad und das Pedelec (elektrisch unterstütztes Fahrrad) teilten sich in allen Fällen die ersten Plätze. Meist dicht gefolgt vom elektrischen Motorroller. Der elektrische Pkw schnitt zwar regelmäßig schlechter ab, doch unter Berücksichtigung der auf die ungewohnte Handhabung zurückzuführenden Nachteile rangiert er immer vor dem Verbrennungsfahrzeug.

Wird der Fokus auf die Umwelt und die eigene Gesundheit sowie die Kosten gelegt, ist das Fahrrad zu bevorzugen. Stehen die Zeit und der Komfort im Vordergrund, so empfiehlt sich das Pendeln mit dem Pedelec. Bei der Befürwortung sind jedoch auch Faktoren zu beachten, die über die gemessenen Daten hinausgehen, wozu im Wesentlichen das Bedürfnis nach Witterungsschutz, eine höhere Transportkapazität und die Privatsphäre zählen. Wem diese Faktoren wichtig sind, der erreicht durch einen bewussten Wechsel auf den ÖPNV oder den Pkw an Schlechtwettertagen die höchstmögliche Effizienz.

Der Roller kann in elektrischer Ausführung besonders in den Bereichen Kosten, Komfort und Umwelt/ Gesundheit gegenüber seinem fossilen Gegenstück punkten. Der ÖPNV stellte insgesamt ein gutes Mittelmaß dar. Beispielsweise befinden sich die Kosten und die Stressbelastung hier im mittleren Bereich, wohingegen die Fahrtzeit im ÖPNV am längsten ist.

Der PKW verzeichnet als teuerstes Verkehrsmittel auch den höchsten Energieverbrauch und CO2-Ausstoß. Vorteile sind hier unbestritten der Schutz bei schlechtem Wetter und die Möglichkeit mehrere Personen und Lasten unkompliziert befördern zu können. Dies ist bundesweit die erste wissenschaftliche Untersuchung, die Pkw, Roller und Fahrrad auch in elektrischer Ausführung in einen Verkehrsmittelvergleich einbezieht.

Platzierungen der einzelnen Verkehrsmittel

Platzierungen gesamtNach Gewichtung
(ungewichtet)Umwelt & GesundheitZeit & KomfortKosten
  1. Fahrrad
  2. Pedelec
  3. Roller elektrisch
  4. ÖPNV + Faltrad
  5. ÖPNV + Laufen
  6. Pkw fossil
  7. Pkw elektrisch
  8. Roller fossil
  1. Fahrrad
  2. Pedelec
  3. ÖPNV + Faltrad
  4. ÖPNV + Laufen
  5. Roller elektrisch
  6. Pkw fossil
  7. Pkw elektrisch
  8. Roller fossil
  1. Pedelec
  2. Fahrrad
  3. Roller elektrisch  
  4. Pkw fossil
  5. ÖPNV + Faltrad
  6. Roller fossil
  7. Pkw elektrisch
  8. ÖPNV + Laufen
  1. Fahrrad
  2. Pedelec
  3. ÖPNV + Faltrad
  4. Roller elektrisch
  5. ÖPNV + Laufen
  6. Pkw fossil
  7. Roller fossil
  8. Pkw elektrisch

Der Film zum Versuch zeigt in 15 Minuten die wesentlichen Ergebnisse.

Die vollständige Studie kann kostenlos heruntergeladen werden.

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