ADFC Fahrradklimatest 2018: In Düsseldorf ist Fahrradfahren Stress!

Rekordbeteiligung - Düsseldorf weiter nur Note 4,2

Nachholbedarf weiterhin vor allem bei Falschparker-Kontrollen und der Führung an Baustellen - Kein Platz für Familien mit Rad

(9.4.19) Beim heute in Berlin vorgestellten bundesweiten Fahrradklima-Test des ADFC landete Düsseldorf im Ranking der 39 teilnehmenden Großstädte ab 200.000 EinwohnerInnen auf Platz 28 (Platz 9 in der neuen Untergruppe der 14 größten Städte bundesweit) und damit erneut nur im unteren Drittel.

"Radfahren in Düsseldorf ist Stress, so das deutliche Signal der 2.074 Düsseldorfer TeilnehmerInnen an der Umfrage", erläutert Lerke Tyra, stellv. Vorsitzende des ADFC Düsseldorf. Die größten Schwächen hat Düsseldorf bei der mangelnden Kontrolle von Falschparkern und der schlechten Führung an Baustellen - hier ist die Landeshauptstadt glatt durchfallen - sowie bei Ampelschaltungen, die Radfahrende benachteiligen und ein zügiges Fahren behindern". 

Im Vergleich zu 2016 sind die meisten Kritikpunkte gleich geblieben, so das schlechte Sicherheitsgefühl vor allem im Mischverkehr mit Autos und Hindernisse auf Radwegen. Noch schlechtere Noten als im Vorjahr bekamen die holperigen Oberflächen auf Radwegen und die Fahrradmitnahme im ÖPNV. 

Neu im Klimatest war die Frage nach Familienfreundlichkeit. Auch hier schneidet die Landeshauptstadt mit der Note 4,6 schlecht ab. Kritisiert wird besonders, dass man Kinder mit dem Rad nicht allein fahren lassen kann, ebenso die schlechte Nutzbarkeit der Radwege mit Kinderanhängern und auch per Lastenrad. Besonders moniert wurden Drängelgitter, Poller und zu kleine Verkehrsinseln, die Radfahren zum Hindernisrennen machen. 

Klare wenn auch einzige Verbesserung ist die gute Bewertung der öffentlichen Fahrradleihsysteme; weiterhin positiv wahrgenommen werden die bereits in Gegenrichtung geöffneten Einbahnstraßen. Diesen Ansatz sollte die Stadt weiter verfolgen. Im Vergleich zu ähnlich großen Städten werden auch die Werbung für das Radfahren und die Fahrradförderung in jüngster Zeit etwas positiver bewertet. 

In den Kommentaren wurde aber deutlich: Die Unzufriedenheit wächst. Besonders ärgern sich die Befragten über den langsamen und stückwerkhaften Ausbau des Radnetzes, der als Kette von nicht zusammenhängenden Einzelmaßnahmen wahrgenommen wird. Hier ist ein "großer Wurf" mit durchgehend zu befahrenden Achsen in Nord-Süd oder Ost-West-Richtung überfällig. 

Nicht nur die Anzahl der Teilnehmenden hat sich im Vergleich zu 2016 verdoppelt; auch von der Möglichkeit, Freikommentare zu hinterlassen, wurde rege Gebrauch gemacht. 

In über 1.000 Beiträgen wurden häufiger mangelhafte Neubaumaßnahmen kritisiert, wie nicht erkennbare Radwege z.B. am Martin-Luther-Platz, der Immermannstraße und Berliner Allee im Herzen der Landeshauptstadt. Auch der Wunsch nach durchgängiger farbiger Gestaltung wurde mehrfach geäußert. 

"Fahrradfreundlichkeit ist ein wichtiger Standortfaktor für moderne Städte - deshalb macht es uns Sorgen, dass Radfahren hier noch deutlich mehr Stress als Spaß bedeutet und sich die DüsseldorferInnen auf dem Rad weiterhin unwohl fühlen", so Lerke Tyra. 

Der ADFC Düsseldorf führt das auch darauf zurück, dass trotz Planungen der Stadt zum Ausbau des Radnetzes bisher kaum wahrnehmbare Fortschritte zu verzeichnen sind und es auch an der Kommunikation zu Baumaßnahmen oftmals hapert. Beim Hauptkritikpunkt Falschparker hat die Stadt bedauerlicherweise wirksame Maßnahmen wie durchgehende Kontrollen mit ausreichendem Personal und eine konsequente Parkraumbewirtschaftung bisher unterlassen. 

Der ADFC Düsseldorf baut auf einen konstruktiven Dialog mit Politik und Verwaltung. "Gemeinsam müssen die Ergebnisse des Fahrrad-Klimatests als Zufriedenheitsindex für unsere Stadt analysiert und Konsequenzen daraus gezogen werden", sagt Lerke Tyra. "Entscheidend bleiben das Sicherheitsgefühl und ein zügiges Vorwärtskommen. Wir wollen beim Fahrrad- Klimatest 2020 endlich deutlich besser abschneiden!" Der Test zeigt bei anderen Städten, dass kontinuierliche Radverkehrsförderung auch honoriert wird und sich in einem guten Verkehrsklima niederschlägt. 

Schon mit vergleichsweise kleineren Maßnahmen ließe sich die Situation deutlich verbessern, beispielsweise durch mehr Tempo-30-Zonen, Fahrradstraßen und radfahrerfreundliche und sichere Lösungen an Baustellen. 

Über 170.000 Teilnehmer bundesweit

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und wurde im Herbst 2018 zum achten Mal durchgeführt. Er wird durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 gefördert. Die detaillierten Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2016 und bundesweite Trends finden Sie auf: www.fahrradklima-test.de 

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