Aktuelles aus Düsseldorf

Auch in Corona-Zeiten gilt: Mehr Platz fürs Rad!!

20.03.20
Kategorie: Düsseldorf, Verkehr, Sicherheit, Verkehrspolitik

ADFC kritisiert die Freigabe der Umweltspur auf der Prinz-Georg-Straße für den Autoverkehr

Deutlich stellt sich der Düsseldorfer Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) gegen die seit kurzem erfolgte Freigabe der Umweltspur für den Autoverkehr auf der Prinz-Georg-Straße. "Das ist falsch und kontraproduktiv", so Lerke Tyra, stellvertretende ADFC-Vorsitzende. "Auch und gerade in Corona-Zeiten gilt: Mehr Platz fürs Rad schafft mehr Mobilität! Besonders jetzt merken wir, wie sehr wir auf das Fahrrad angewiesen sind. Durch mehr Radverkehr können wir U-Bahn, Straßenbahnen und Busse durch weniger Menschen entlasten und damit helfen, das Ansteckungsrisiko zu verringern." Unverständlich ist für den ADFC, dass seitens der Stadt dem Radverkehr jetzt wieder Platz genommen wird.

"Wir wünschen uns genau das Gegenteil: Einen schnellen und kreativen Ausbau zugunsten des Radverkehrs", so Lerke Tyra. "Angesichts des durch Schließungen öffentlicher Einrichtungen, Büros und vieler Geschäfte verursachten geringeren Autoverkehrs könnten zahlreiche derzeit vierspurigen Straßen mit breiten und geschützten Radspuren ausgestattet werden. Die kolumbianische Hauptstadt Bogotá beispielsweise widmet hunderte Kilometer Autospuren in temporäre Radspuren um und schafft dadurch attraktive Räume zum Radfahren."

Der ADFC appelliert an die Landeshauptstadt, jetzt kreativ zu werden und den Menschen den Umstieg auf das Rad zu erleichtern. Lerke Tyra: „Viele, die jetzt vielleicht zum ersten Mal auf das Rad umsteigen, merken, dass man gerade jetzt auch in Düsseldorf entspannter fahren kann. Wir wünschen uns, dass nach der Corona-Welle die Bedeutung des Radverkehrs für ein krisenfestes Verkehrssystem noch einmal neu diskutiert wird - und der notwendige Ausbau der Radwegenetze endlich mit dem nötigen Druck vorangetrieben wird!“

Der ADFC weist vorsorglich darauf hin, dass auch für das Radfahren die bekannten Sicherheits- und Hygieneregeln gelten: Abstand halten, Einzeln und nicht in der Gruppe radeln, in die Armbeuge niesen, Ein-Weg-Taschentücher, nicht spucken. Auch Bundesgesundheitsminister Spahn, Bundesarbeitsminister Heil und renommierte Virologen empfehlen das Radfahren als gesündeste Alternative für notwendige Alltagsfahrten. 

Irritiert ist der Fahrradclub über das aktuelle Schild. Es müsste heißen: "Umweltspur vorrübergehend aufgehoben". So wird den Autofahrern suggeriert: Radfahrer dürfen hier nicht auf der Fahrbahn fahren und gefährdet die Radfahrenden. Dabei durfte man auch vor der Umweltspur auf der Fahrbahn fahren.


Dazu erreichte uns folgende Zuschrift:

Lieber ADFC Düsseldorf,

als Mitglied ärgere ich mich über die heute in der Presse veröffentlichte Mitteilung.

Während überall Solidarität gepredigt und praktiziert wird und sogar der übliche Parteienstreit völlig in den Hintergrund tritt, erscheint der ADFC Düsseldorf in der Öffentlichkeit als ideologisch fixierte Institution, die auch in der derzeitigen Situation nicht in der Lage ist, die Radfahrerbrille mal kurz zur Seite zu legen.

Der ADFC Düsseldorf sollte nicht ausblenden, dass es in Düsseldorf z. B. auch überzeugte ÖPNV-Nutzer gibt, die jetzt, aus welchen Gründen auch immer, nicht einfach aufs Fahrrad umsteigen können, sondern auf den auch von ihnen vielleicht ungeliebten PKW umsteigen müssen. Ich rede hier übrigens nicht von mir selbst. Ich bin überzeugter Radfahrer, aber es gibt andere, die nicht meine Möglichkeiten haben.

In diesen Zeiten ist Solidarität und Rücksicht, nicht Ideologie gefragt. Hoffentlich hat auch der ADFC Düsseldorf den Schuss gehört.

Mit freundlichen Grüßen

Rainer W.

 

und dies antwortete Lerke Tyra, stellv. ADFC Vorsitzende:

 

Lieber Rainer W.,

vielen Dank für die Zuschrift und Ihre Kritik an der aktuellen Pressemitteilung des ADFC Düsseldorf. Ich denke, wir alle haben den Ernst der Lage erkannt bzw. müssen ihn jeden Tag mehr erkennen, deswegen hat auch unser Verein alle seine Aktivitäten eingestellt.

Ideologische Verbohrtheit ist nicht unsere Sache; die „Radfahrerbrille“ wollen wir aber aufbehalten. Denn wir meinen, dass gerade jetzt bei eingeschränktem ÖPNV-Angebot – und ausbleibendem Superstau auf den Straßen – der Radverkehr einen wichtigen Beitrag dazu leisten kann, dass Menschen mobil bleiben. Deswegen brauchen wir doch auch gerade jetzt nicht weniger, sondern mehr und komfortablere Angebote. So dass nicht nur überzeugte Radfahrer*innen wie Sie und ich alltäglichen Wege per Fahrrad erledigen, sondern auch diejenigen, die sich vielleicht nicht so oft aufs Rad wagen. Das könnte den ÖPNV noch mehr entlasten und hat noch einen weiteren Vorteil: Wir können uns ein bisschen auspowern an der frischen Luft.

Darauf wollten wir gern mit unserer Pressemitteilung hinweisen.

Ich bedaure, wenn das als ideologische Fixiertheit bei Ihnen angekommen ist; vielleicht konnte ich unser Anliegen hier ein wenig erläutern.


Mit den besten Grüßen

Lerke Tyra


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