Siebentätige Radtour entlang der Werra vom 20.06.2015 bis 26.06.2015

Mit wenig Verspätung- 18 Räder müssen geschickt und sicher im und am kleinen Beibus verstaur werden – geht’s in Richtung Thüringen. Eine Fahrtunterbrechung an der Raststätte Herleshausen nutzen Ute und Reinhold, um für ale ein kleines Picknick aufzubauen. Ehemaliger „DDR-Charm“ umgibt uns. Nachmittags ist das Ziel erreicht – Eisfeld a.d. Werra. Es bleibt noch Zeit bis zum gemeinsamen Essen im Waldhotel Hubertus; so besuchen wir das nahegelegene Museum im ehemaligen Grenzturm. In Bild, Schrift und ton werden heir die menschenverachtenden innerdeutschen Geschehnisse vor der Wende wachgehalten.

Der erste Tag entlang der Werra beginnt wolkenverhangen und soll in Vachdorf enden. Doch bis dahin sind etliche Steigerungen zu meistern - aber – Schieben ist kein Makel. Viel Faxhwerk in hübschen geüflegten Dörfern, Getreidefelder, sattgrüne Wiesen und Weiden entlang des Weges, dann sind wir in Hildburghausen. Kurz eine kleine Cappuccino-Pause am Markt mit historischem Rathaus und weiter geht’s zum Kloster Veßra. Eine Besichtigung der Klosterruine und úmliegenden Freilichtmuseum stehen auf dem Programm. Wir hören vom seltenen Orden der Prämonstratenser und den in dieser Region einst mächtigen Henneberger. Bei wohliger Wärme genießen wir im abschließend „Cafe am Klostergarten“ Erdbeertorte und Kaffee. Dann wartet auch schon der nächste Hügel auf uns!“Wieviel kommen denn noch? Wollen einige wissen. Reinhold bleibt diplomatisch zurückhaltend. Nach 44 km und einigen harmlosen Regenschauer erreichen wir das Tagesziel. Im „Aqua Oktogon“ beziehen wir Quartier, genießen das Essen, erfahren in der kleinen Hausbrauerei viel über's Brauen und beschließen den Tag mit einem Probetrunk.&nb

Gut gelaunt, wir trotzen dem Grau in Grau, steigen wir am nächsten Tag wieder auf die Räder. Tal und Werra sind nun schon erkennbar breiter, werden links und rechts vom Höhenzug Rhön und Thüringer Wald begrenzt und sogar Schwarzstörche scheinen sich für uns verabredet zu haben. Mittags – Meiningen ist nach 16 km erreicht. Am Schloß Elisabethenburg, heute Sitz der Stadtverwaltung und Museum, beginnt der Stadtrundgang. Leiden-schaftlich bringt uns der Stadtführer „seine Stadt“ näher;auch ein plötzlich einsetzender Regen wie aus Kübeln ändert an seinen begeisterten Ausführungen nichts. Er erzählt vom Aufstieg Meinigens zur angesehenen Theater- und Musikmetropole durch Gegor II. Und den hier liegenden Anfängen eines großen deutschen Geldinstitutes. Viel Gebäude in klassizistischem Stil, wie aufgreiht eugen von vergangenem Großbürgertum - und – immer wieder herrliches Fachwerk. Ludwig Bechstein und, namentlich weniger bekannt, Rudolf Baumbach, sein „Hoch auf dem gelben Wagen“ jedoch umso mehr, sind Kinder dieser Stadt. Baumbachs regionales „Lied vom Hütes“, so nennt man hier die Thüringer Klöße, wird vom Stadtführer in Gänze und fehlerfrei vorgetragen. Wir entscheiden uns für Thüringer Bratwurst und verlassen Meinigen; noch 34 km, über Walldorf, Thüringens Karnevalsstadt, Wasungen und Breitungen, dann erreichen wir das heutige Ziel - Bad Salzungen. Einen ersten Eindruck bietet das pittoreske Gradierwerk im Jugendstil. Uns drängt es jetzt zum Hotel Hufeland – allerdings – Geduld beim Einchecken ist vom Vorteil. Wir treffen uns später in der orignal Thrüringer Gaststätte „Zur Nappe“ wieder.

 

 

Der 4. Tag führt uns über Vacha, mit kurzer Kaffeepause in dieser ältesten Stadtsiedlung Westthüringens, Philippsthat, ehemalige Grenzstadt, und Heringen bis Dankmarshausen. Noch vor erreichen Heringens sind der „Kalimandscharo“ und sein großer Bruder, der imposante 510m hohe „Monto Kali“, weithin sichtbar. Ihn werden wir noch später kennenlernen; zuvor besichtigen wir das Werra.Kalibergbau-Museum, erfahren über den für diese Region schon seit über 100 Jahren so wichtigen Wirtschaftszweig; desweiteren über Kaliabbau und Gewinnung, Aufbereitung;Nutzung und anfallenden Abraum, die Steinsalze. Anschließend geht es mit dem Bus zur Halde auf eine Höhe von 410 m. Die restlichen ziemlich steilen 100 m bis zum Plateau müssen zu Fuß erklommen werden. Ein Bergbau-Ingenieur begleitet uns und vermittelt Wissenwertes. Die Umgebung hier oben mutet wegen der mit mit grauweißen Steinsalzen bedeckten Fläche winterlich verschneit an und bietet eine herrliche Weitsicht. Dieser tag endet nach 52 km und einer „Bergbesteigung“ im Hotel Waldschlößchen.

Eisenach ist das Ziel der nächsten Etappe. Durch Untersuhl kommend werfen wir einen Blick in die kleine Rundkirche, eine architektonische Besonderheit in dieser Gegend, und witer geht es über Gerstungen, Lauchröden, Herleshausen nach Hörschel. Hier bei Herleshausen verlief vor 25 jahren die innerdeutsche Grenze. Am Wegesrand erinnern einige Tafeln sowie eine berühende Plastik mit dem Titel „Aus der Enge in die Weite“ an diese trennenden Jahtzehnete. Ab Hörschel führt uns die Anzweigung direkt in die Lutherstadt Eisenach. Schöner Weg, doch wieder nicht steigungsfrei – unsere E-biker sind jetzt im Vorteil. Nach 40 km erreichen wir am frühen Nachmittag das Hotel Kaiserhof. Das Innere hält was der Name verspricht. Gepflegtes nostalgisches Ambiente erfreut uns. Die freie Zeit. bis zur Stadtbesichtigung nutzt jeder nach Belieben und – endlich Sonnenschein. Beim Storchenturm und Gaststätte gleichen Namens beginnt die etwas andere Stadtbesichtigung mit Herrn Arernds. Er ist Fremdenführer, Gastwirt und Schauspieler zugleich; mittelalterlich gewandet und mehr oder weniger flotten Sprüchen auf den Lippen zeigt er uns die highlights seiner Stadt: Annenkirche, Stadtschloß, heute das Thüringer Museum, Rathaus, Residenzhaus; erzählt vom Aufenthalt Luthers an der hiesegen Lateinschule t. Georg. Der Rundgang endet mit dem besuch des Kerkertheaters im Storchenturm. Wir werden Zeugen eines Streitgespräches zwischen dem zu Tode verurteilten Villon und seinem Henker. Dies Schicksal hat sich wahrlich so zugetragen und endete lt. Geschichtsschreibern mit Begnadigung und Verbannung. Im Gegensatz zu Villon erwartet uns eine üppige Mahlzeit – Leckeres vom Holzkohlegrill mit passenden beilagen, in rustikal gemütlichen Gemäuer. Ein gelungener Tag!

Morgens darauf starten wir zur vorletzten Etappe; es sind 61 km bis Eschwege abzustrammpeln. Bei Sonnenschein fahren wir über Creuzburg, Mihla, Frankenroda, in großen Werraachleifen, teils dicht am Ufer entlang und vorbei an eindrucksvollen Felsformationen, eine romantosches Teilstück. Dann der Kontrast, die zerstörte Eisenbahnbrücke über die Werra bei falken, ein Kriegsrelikt. Nach 40 km erreichen wir mittags Treffurt und gönnen uns eine Pause. Gestärkt setzen wir die Fahrt fort. Im kulissenreifen Ort Altenbrschla noch ein kurzer Stop und weiter über Wanfried, vorbei an 2 Radlerkunstwerken am Wegesrad, bis Eschwege. Im modernen Hotel Stadthalle genießen wir kulinariche Köstlichkeiten und verbringen die letzte „gemeinsame Nacht“. Der letzte - sommerlich warme – Tag führt uns die restlichen 63 km Werra flußabwärts bis Hann. Münden. Hier – am Flussdreieck von Werra, Fulda und Weser – erreichen wir das Ziel unserer Werraradtour. Auf dem Weg dorthin lädt das schmucke Fachwerkstädtchen Bad Soden-Allendorf zum kurzem Verweilen ein. Entlang einer stattlichen Anzahl von Süßkirschbäumen radeln wir nach Witzenhausen, der Kirschenstadt. Hier soll - wie jedes Jahr - an diesem Wochenende die Kesperkönigin, soll heißen, die Kirschkönigin, gekürt werden. Auf dem Marktplatz sind die Aufbauarbeiten in vollem Gang. Bratwurst, Flammkuchen, Folienkartoffeln lassen uns nicht kalt – also kleiner Imbiß! Auch Kirschen finden ihre Abnehmer und werden später noch zweckentfremdet genutzt. Nur noch 3 km, und wir nehmen am bekannten Weserstein Abschied von der Werra. Ein Getränk noch in gemeinsamer Runde, dann treten wir die Heimfahrt an.  Es war eine abwechslungsreiche, hervorragend organisierte und geleitete Radreise durch einmalige Natur in einer wirklich netten Gesellschaft.

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