Nachrichten aus Dortmund

Historischen Radtour Do-Hombruch

15.04.11
Kategorie: Dortmund, Aktuelles

Rechtzeitig zu Beginn der Fahrradsaison stellte der ADFC Dortmund die im Rahmen des Projektes Radverkehr und Siedlungsstruktur geschaffene Historische Radtour Hombruch vor. Diese umfasst den gesamten Stadtbezirk Hombruch und ist ein zwei Teilbereiche gegliedert. Die insgesamt 23 km lange Rundtour wurde am Sonntag, den 10. April in einer ca. 2,5-stündigen Fahrt den Mitradler/Innen vorgestellt. Dabei wurde nicht nur geradelt, sondern auch wissenswertes zur Historie des Stadtbezirkes kund getan.


Der Arbeitskreis “Archäologie und Denkmalpflege” im Historischen Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark, Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier – Arbeitskreis Dortmund hat in Zusammenarbeit mit dem Stadtbezirksmarketing Hombruch drei Faltblätter für die Erkundung zu Fuß erstellt:

  1. Ein historischer Spaziergang durch das westliche Hombruch und Renninghausen,
  2. Ein historischer Spaziergang durch das östliche Hombruch mit Renninghausen und der Bolmke” und
  3. Ein archäologisch-historischer Spaziergang durch Kirchhörde und die Bittermark.

Der ADFC Dortmund hat im Rahmen des Projektes Radverkehr und Siedlungsstruktur, gefördert durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplanes, wesentliche Ziele aus den drei Wandertouren zu einer Radtour verbunden. Sie gliedert sich in zwei Teile:
Teiltour 1, ca. 7,5 km, ist etwa identisch mit Faltblatt 1).
Teiltour 2, etwa 16 km lang, fasst die Blätter 2) und 3) in einer Strecke durch die Bolmke bis in die Bittermark und wieder zurück nach Hombruch zusammen.
Die Tour wurde so gewählt, dass sie im Uhrzeigersinn verläuft und somit mehr rechts statt links abgebogen wird. Die Erklärungen zu den Sehenswürdigkeiten sind größtenteils den Flyern entnommen worden.

Teiltour 1

Wir starten am (1) Marktplatz in Hombruch, am Denkmal von Friedrich Wilhelm Harkort, nach dem die hier in Ost-West-Richtung verlaufende Straße benannt ist.
Das Gebäude der vor uns liegenden evangelischen Kirche stammt aus den Jahr 1950, einem Wiederaufbau der zerstörten Kirche aus dem Jahr 1898.

Wir wenden uns nach Westen und sehen an der Laterne am Straßennamensschild eine Kurzerläuterung des Namensgebers Harkort. Hier biegen wir links in die Tannenstr., dann rechts in die Leostraße ein und erreichen die (2) katholische St. Clemens-Kirche, die 1871 eingeweiht wurde.
Namenspatron war Clemens von Romberg, nach dessen Vornamen der Hl. Clemens zum Namenspatron der Kirche gewählt wurde. Eine Gedenkstele an der Kirchensüdseite verweist auf ihre Entstehungsgeschichte und das Leben des Hl. Clemens. Am Ende des Zweiten Weltkrieges, im März 1945, wurde die Kirche durch Bomben weitgehend zerstört und bis 1948 wieder aufgebaut. Es handelt sich um eine dreischiffige, neugotische, aus Ziegeln gemauerte Stufen- Hallenkirche ohne Querschiff mit einem 3/8 geschlossenen Chor. Der Paderborner Diözesanbaumeister Arnold Güldenpfennig schuf sie nach dem Vorbild der Kölner Neugotik. Insgesamt wirkt das Gebäude schlicht, während die westliche Eingangsfassade reich ausgestaltet ist. Ein dreifach gestuftes Säulenportal bietet Zugang über zwei Türen mit darüber liegendem Tympanon. Im Zuge mehrerer Renovierungen entstanden neue Eingänge an der Südseite und auch das Kircheninnere wurde verändert.

Nach Überquerung der Deutsch-Luxemburger-Str. halten wir gleich an der nächsten Kreuzung, an der Eschenstr. und schauen nach halbrechts auf das (3) rote Haus Nr. 7 mit den zwei Kopffiguren im Giebel.
Dieses Haus an der Eschenstraße gehört zu den wenigen in Hombruch erhalten gebliebenen Zechenbeamtenhäusern. Das zweigeschossige, traufenständige Gebäude wurde im Stil der Neorenaissance um 1880 errichtet. Die Fassade ist fünfachsig gegliedert und wird seitlich durch geschosshohe Säulen und Pilaster flankiert. Auch die Mittelachse wird davon eingerahmt und durch ein Zwerchhaus überhöht.

Nach der Betrachtung biegen wir links in die Eschenstr. (vorbei am katholischen Gemeindehaus), am Ende fahren wir rechts in eine Grünfläche und biegen gleich links ab. In (4) diesem Gelände gibt es heute viel Freizeit- und Sportmöglichkeiten: Hallenbad, Mountainbike-Parcours, Inline Skater–Anlage und die Jugendfreizeitstätte. Früher wurde hier hart gearbeitet.
Hier lag die ehemalige Schachtanlage “Giesbert” der Zeche “Glückauf Tiefbau”. Ab 1865 errichtete Gisbert von Romberg an der Bergisch-Märkischen Eisenbahn, der heutigen S-Bahnstrecke Witten-Barop-Dortmund, die neue Anlage mit einem 419 m tiefen Schacht und eine Kokerei mit zuletzt 92 Öfen. Wegen Unwirtschaftlichkeit wurde “Giesbert” 1925 stillgelegt, die Kokerei war noch bis 1930 in Betrieb; heute befindet sich hier die Jugendfreizeitstätte - das Gebäude mit der kleinen Glaskuppel auf dem Dach.

Etwa geradeaus weiterfahrend gelangen wir zur Endhaltestelle der U42, wo wir an der Grotenbachstr. rechts abbiegen, im Tal den Rüpingsbach überqueren und an der Steigung an der Kreuzung rechts in die Straße Am Spörkel einbiegen. Hier erreichen wir das weitläufige Gelände der ehemaligen Zeche Kaiser Friedrich (5 a-b).
Gleich an der Kreuzung sehen wir noch (5a) die alten Mauern des Zechengeländes und ein zugeschüttetes Tor. Das war der Zugang zum 1911 errichteten Bergmannsheim für Ledige. Es diente im Ersten Weltkrieg als Kriegsgefangenenlager und von 1928 bis 1976/1980 als evangelisches Altenheim (Fritz-Heuner-Heim), bis es abgerissen wurde.
An der (5b) Einmündung Harkortshof ist beidseitig noch der Damm der Zechenbahn zu sehen, die dadurch einen Anschluss zur Bergisch-Märkischen Eisenbahn erhielt. Auf der linken Straßenseite ist hinter dem Damm auch noch ein Teil der alten Zechenmauer zu sehen. Im Harkortshof stehen noch alte Wohn- und Industriegebäude, die von Harkort errichtet und genutzt wurden, welche wir aber wegen des Privatgeländes nicht aufsuchen.

Wir fahren weiter Am Spörkel und überqueren noch die Brücke des Rüpingsbaches und halten vor den zur Zeit leer stehenden Hallen. Daneben (6) liegt das Haus Nr. 40.
Friedrich Harkort baute es 1877 als Lehrlingsausbildungswerkstatt mit zusätzlicher Unterbringung und Betreuung (Lehrlingsheim). Es wird heute als Wohnhaus genutzt und steht aufgrund der stadtgeschichtlichen Bedeutung unter Denkmalschutz.

Wir wenden, überqueren wieder den Rüpingsbach und fahren rechts in die Hellenbank.
Gleich rechts (5c) liegt die Sackgasse Seilbahnweg. Der Name erinnert an die Seilbahn, die von der Zeche “Kaiser Friedrich” bis zu den Hochöfen der “Hütten-Union” nördlich der Rheinischen Straße führte.

Links Am Sumpf und bergauf Am Sturmwald geht es geradeaus auf einen Reiterhof zu .
Das dort (5d) stehende Gebäude ist das erhalten gebliebene Maschinenhaus der Zeche Kaiser Friedrich.

Das sehen wir noch aus anderer Sicht, wenn wir nach der Rechtskurve links in Am Rüggen abgebogen sind und nach links schauen (auf der rechten Seite liegt das Neubaugebiet Menglinghausen–Süd).
Die alten Häuser auf der linken Straßenseite (5e) sind ehemalige Betriebsbüros der Kokerei, die zur Zeche Kaiser Friedrich gehörten.

An der Wegekreuzung biegen wir rechts ab und kommen zur (7) ehemaligen Menglinghauser Dorfschule, Hegemannsheide 3.
Sie ist ein um 1875 erbautes zweigeschossiges, klassizistisch geprägtes Gebäude, das seit 1991 unter Denkmalschutz steht. Es besitzt ein Krüppelwalmdach und einen nach Osten gerichteten Fachwerkgiebel im Jugendstil. Das Erdgeschoss ist verputzt, wobei der Sockel Quadermauerwerk nachempfindet. Der Eingang ist als Vorbau mit Treppe ausgebildet. Ein Giebeldreieck und die darunter angebrachte Inschrift “Ohne Fleiß kein Preis” krönen die doppelflügelige Eingangstür. Heute wird die alte Schule als Begegnungsstätte für Feiern und Feste genutzt.

Gegenüber der Schule fahren wir rechts in die Grünfläche, gleich nach links und gelangen auf die Zeche-Kaiser-Friedrich-Straße. Die führt zur Menglinghauser Str., wo wir rechts abbiegen. Nach einer Gefällstrecke erreichen wir hinter der Kurve (8) den Lennhof.
Laut Torbalkeninschrift am Wirtschaftsgebäude erbauten Johann Lenhoff und seine Ehefrau Elsacatherina Söllerbeck 1829 den stattlichen Vierständerbau mit ursprünglich zweigeschossigem Wohn- und längs erschlossenem Wirtschaftsteilheute ein Hotelrestaurant. Besonders auffällig sind die langen, geknickten, über sechs Gefache reichenden Streben. Im 19. Jahrhundert lag der Hof noch östlich, abseits des Dorfes Menglinghausen. Seine herausgehobene Stellung wird durch einige namentlich bekannte Bewohner und Eigentümer betont. So wohnte dort Johan von Menglinghausen, der 1368 Richter von Eichlinghofen war. 1395 wurde der Hof von Graf Diedrich von der Mark dem Dietrich Lenhove und seinen Erben verpfändet. Sie hatten den Auftrag, das “Hombroick” (Hombrucher Gehölz) zu beaufsichtigen.

Der Menglinghauser Str. folgend biegen wir links in die Baroper Bahnhofstr. ab und sehen hinter dem Einkaufszentrum links (9) das Fachwerkhaus Nr. 39.
Das zweigeschossige, traufenständige Fachwerkhaus stammt aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und gehörte um 1895 einer Familie Gildehaus. Eine Giebel- und die Rückseite sind verbrettert, während die anderen ein geradliniges, symmetrisch gestelltes Fachwerk mit seitlichen Verstrebungen zeigen. Den Sockel bildet ein massives, steinernes Untergeschoss. Hier liegt auch der Eingang. Somit kann dieses Geschoss nicht nur als Keller genutzt worden sein. Das Gebäude ist ein für die Gegend typisches Mehrfamilien-Wohnhaus, in dem wahrscheinlich Beschäftigte der umliegenden Betriebe wohnten (Zeche Louise).

Am Ende fahren wir rechts auf die Stockumer Straße, über die Eisenbahn und gleich wieder rechts in die Straße Luisenglück in ein Gewerbegebiet. Vor dem Kreisverkehr, direkt am Beginn des rot geklinkerten Radwegs liegt rechts (10) ein schräg zur Straße stehendes, hellgelbes, altes Gebäude, das von früherer Nutzung zeugt.
Es ist das einzige erhaltene Betriebsgebäude der Zeche Louise Tiefbau. Diese täufte hier 1847 direkt an der Bahnstrecke den 476 m tiefen Förderschacht Schulte ab. “Louise Tiefbau” erzielte 1883 mit rund 1.500 Belegschaftsangehörigen die höchste Jahresförderung von 280.000 t. 1908 musste der Betrieb eingestellt werden. Bis 1934 wurden die Tagesanlagen abgebrochen, bis auf das genannte Gebäude.
Weiter der Zeche “Louise Tiefbau”, etwa südlich des Kreisverkehrs, kauften 1858/59 die Brüder Wilhelm und Gottlieb Hammacher von dem Bauern Lenhoff ein Grundstück, um darauf ein Puddel-, Walz- und Hammerwerk zu errichten. 1862 begann der Betrieb. Die Zeche “Louise Tiefbau” lieferte kostenlos Grubenwasser, ein Gegengeschäft, weil das Walzwerk dafür der Zeche täglich mindestens 1.000 Zentner Kohlen abnahm. 1877 erzeugte das Werk mit 160 Mann und 18 Puddelöfen 100.000 Zentner Stahl. 1884 wurde daraus das Unternehmen “Baroper Walzwerk AG”. Der wirtschaftliche Aufschwung nach 1890 ermöglichte den Bau von Siemens-Martin-Öfen und eines Warmwalzwerks. 1928 wurde mit der Fa. Hoesch ein Kooperationsvertrag abgeschlossen, der die Stilllegung des Siemens-Martin-Werks und Lieferung des Vormaterials durch Hoesch mit sich brachte. 1937 übernahm Hoesch das Walzwerk ganz und stellte von 1957 bis 1989 statt Bleche nun Rohre her. Seit etwa 2000 befinden sich hier ein Lebensmittelgroßmarkt und eine Seniorenresidenz.

An der Ampel biegen wir links in die Harkortstr., wieder links in die Hombrucher Str., danach die zweite Str. rechts in die Heisterstr ein. An der Steinäckerstr. geht es, wenn die erste Runde beendet werden soll, nach rechts zum Ausgangspunkt, dem Hombrucher Marktplatz, zurück.

Teiltour 2

Links in die Steinäckerstr. beginnen wir die zweite Runde bzw. setzen die Radtour fort. Sofort rechts in Am Gemeindehaus und links in die Behringstraße einbiegen, die zur (11) Kapelle des Marienhospitals führt.
Das St. Marienhospital in der Behringstraße wurde 1873 mit 43 Betten eröffnet. Paderborner St.-Vinzenz-Schwestern versorgten die Kranken. Neben einigen Erweiterungen erhielt es 1913/14 im Obergeschoss eine Kapelle. Sie wurde als kreuzgratgewölbter Saal im neugotischen Stil errichtet. Strebepfeiler und ein verschiefertes Walmdach heben den Gebäudeteil deutlich hervor. Die Blei verglasten Fenster zeigen eine expressionistisch beeinflusste, strenge Ornamentik. Der Hochaltar von 1942 und der Kreuzweg weisen neugotische und expressionistische Elemente auf. Das mehrfach erweiterte und nach 1945 wieder aufgebaute Krankenhaus mit seiner Kapelle ist ein heute noch sichtbares Zeugnis des sozialen Engagements der Kirchen in den neu entstandenen Industrieorten. Es gehört heute zur kath. St.-Johannes-Gesellschaft.

Der Behringstr. folgen wir, biegen rechts in die Stockumer Straße. ein, hinter der Ampel an der Verkehrsinsel links in Weg hinter den Kleingartenanlagen und den Wegweisern bis zum (12) Bauernfriedhof Renninghausen folgen.
Der heute zwischen Kleingartenanlagen und Wohnbebauung gelegene kleine Friedhof wurde von Einwohnern der Bauernschaften Renninghausen und Brünninghausen angelegt, um die weiten Wege zu den Friedhöfen ihrer Pfarreien in Wellinghofen und in Dortmund (St. Reinoldi) zu vermeiden. Gegen den Protest der Pastöre genehmigte ihn 1812 der Präfekt des Ruhrdepartements, Gisbert Christian Friedrich von Romberg. Die Begräbnisstätte steht allen Konfessionen offen. Gräber bedeutender Dortmunder findet man hier nicht – bedeutend ist, dass auch schon vor etwa 200 Jahren Bürgerinitiativen Erfolg hatten und der Privatfriedhof heute noch existiert.

Zurück links auf den Asphaltweg folgen wir diesem bis zum Ende an einem Parkplatz, halten uns rechts und fahren gleich links herunter in das Waldgebiet Bolmke bis zu (13a) einem Teich (mit einem grünen Zaun; gegenüber liegt noch ein kleinerer Teich).
Das rostfarbene Wasser, das in den Teich fließt, stammt aus einem 1810 begonnenen gemeinsamen Stollen der Zechen “Forelle” und “Alte Weib”, die in der Bolmke schon Mitte des 18. Jahrhunderts zur Kohlenförderung angelegt waren. Hier im Wald nahe der Emscher lag die Kohle nah an der Oberfläche, so dass seit dem 17. Jahrhundert durch einfaches Abgraben, später durch kurze Stollen, danach durch Schächte in größerer Tiefe die Kohle gewonnen wurde. Die seit 1821 bestehende Tiefbauzeche “Vereinigte Forelle & Alteweib” förderte anfangs die Kohlen mit Handwinden aus Schächten. Die Förderkapazität des kleinen Grubenfeldes betrug mit etwa 20 Bergleuten nur 4.000 bis 6.000 t im Jahr, was nach 1876 zur Stilllegung führte.

Wir fahren weiter nach Osten (die beiden Teiche im Rücken) auf einem Weg an der Böschung oberhalb der Emscheraue und sehen am Ende links eine (13b) Brücke über die Emscher.
Davor liegt ein kleiner Tümpel. Das ist das Mundloch eines tiefen Stollens der Zeche “Glückauf”, die Caspar von Romberg 1752 anlegte.

Doch wir fahren nicht über die Brücke, sondern wenden, biegen vor dem nächsten Teich rechts ab, vor der Holzhütte links und folgen (13c) dem Tal des Bolmkebaches bergauf.
Rechts und links sind viele Halden (mit Bäumen bewachsen) und Vertiefungen zu erkennen, sogenannte Pingen (Einbruchstrichter oder durch Einbruch von Gruben) mit aufgehäuftem Auswurfmaterial, die auf die frühere Zeche Forelle & Alteweib zurückzuführen sind.

Oben an der Stockumer Straße geht es links zum (14) Schultenhof, Haus Nr. 109.
Das Wohngebäude steht unter Denkmalschutz. Es handelt sich dabei um das einzige erhaltene Gebäude des einstmals ausgedehnten Anwesens Schulte-Renninghausen. Es ist ein gewaltiger Fachwerkbau, den 1818 Johann Heinrich Schulte und seine Ehefrau Catarina Margareta errichten ließen. Er wurde erbaut in der traditionellen Konzeption des niederdeutschen Hallenhauses als längs erschlossenes Wohnwirtschaftsgebäude mit erkennbarer konstruktiver Trennung. Das Fachwerk ist aus 19 Gebinden zusammengefügt, wovon neun Gebinde zum Wohnteil gehören. Schwell-Rahmen- Streben dienen zur Aussteifung, die Gefache sind überwiegend mit Backsteinen gefüllt. Im Innern besitzt der Wohnteil eine für den ganzen Hellwegraum typische Raumstruktur. Eine quer zum First verlaufende Trennwand teilt den Wohnbereich in zwei Zonen. Eine Zone wird von der großen Küche mit hinter liegendem Hauswirtschaftsraum bestimmt, die andere besitzt drei Räume nebeneinander, von denen der mittlere den Kellerabgang enthält. Die Hofanlage wurde um 1900 von der Stadt Dortmund übernommen. Nach Renovierungen in den 1990er Jahren wird hier jetzt von der Arbeiterwohlfahrt ein Behindertenwerk mit Bio-Landwirtschaft, Metzgerei, einem Hofladen und einem Landgasthof betrieben.

Die Stockumer Straße kann sicher an einer Mittelinsel überquert werden, um geradeaus in die Leitmeritzstr. und an einem Haus mit Torbögen links in (15) die Reichenberger Str. zu gelangen.
Die mit hellen Pastellfarben restaurierten Häuser im Winkel Zillestraße/ Stockumer Straße, die heute der DOGEWO gehören, entstanden ab 1939 und erhielten Ortsnamen aus dem Sudetenland. Die Siedlung sollte der Beginn einer neuen Großbebauung in Dortmund zwischen Hörde und Dorstfeld sein. Durch den Krieg blieb es aber bei den Bauten hier in Renninghausen.

Am Ende der Siedlung rechts in Am Hombruchsfeld, links in die Zillestr. und rechts in die Gotthelfstr.. Hinter den neuen Häusern am Traugottweg, vor der Kfz-Werksatt, fahren wir (16) auf die Halde der ehemaligen Zeche Gotthelf.
Eine Tafel erläutert die Geschichte dieser Bergbaustätte. Es lohnt sich, das Fahrrad stehen zu lassen und sich vom Aussichtspunkt oben auf der Halde einen Überblick über Hombruch und die weitere Umgebung zu verschaffen.

Am Ende der Gotthelfstr. fahren wir hinter der Brücke rechts auf die Hagener Str. und biegen nach 200 m an der Fußgängerampel links in die Bozener Str. ein. An dessen Ende führt der ansteigende schmale Weg geradeaus in ein Waldstück und wir kommen zur Straße Am Walde, kreuzen die Dahmsfeldstr., um wieder ins Grüne zu kommen und biegen gleich an der Laterne links in den Beermannweg ein. Rechts an der Olpketalstr. liegt (17) die gleichnamige Grundschule.
Wir gehen zum Schuleingang und sehen durch die Tür ein buntes Fußbodenmosaik mit runden Fliesen und einen runden Treppenaufgang mit Doppelhandlauf und goldenen Zierkugeln an den Gitterstäben – Stil der 1950er Jahre, der hier noch erhalten geblieben ist.

Nach Verlassen der Schule fahren wir 200 m abwärts und halten (18) in der Kurve.
Hier steht ein Gedenkstein mit Metalltafel des 1931 verunglückten Radrennfahres Adalbert Kumpmann. Sein Grabmal findet sich auf dem Friedhof Hombruch (s.u.).

An der Ampelkreuzung schieben wir rechts auf den Gehweg und überqueren an der Fußgängerampel die Kirchhörder Str. und nehmen den linken der beiden Waldwege (Tafel Lebensläufe) und treffen nach 150 m auf die (19) Informationstafel der ehemaligen Zeche Wesselbank.

Wir wenden, fahren wieder zur Straße und dann gleich rechts in die Sackgasse Olpketalstr. 116. Entlang des Baches steigt der Weg gering an (20 a,b).
Zwei weitere Tafeln „Bergbauspuren östlich des Olpkebachs“ und „Kleinzeche Stadt Dortmund“ erklären den früheren Bergbau.

Der Südtour folgend geht es rechts kurz steil bergauf bis zum (21) Ehrenmal Bittermark.
Das Mahnmal von 1960 stammt vom Architekten Will Schwarz und Bildhauer Karel Niestrath. Es erinnert an die von NS-Schergen zwischen dem 7. März und dem 12. April 1945 fast 300 umgebrachten Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, die von den Tätern in versteckt liegenden Bombentrichtern des Rombergparks und der Bittermark verscharrt wurden. Nach Kriegsende bestattete man die Opfer zunächst in Massengräbern auf dem katholischen und evangelischen Friedhof in Hörde. 1954 bettete man sie in den Ehrenhain in der Bittermark um, wo bereits ein kleines Mahnmal in Form einer Bruchsteinsäule stand. Seit Karfreitag 1954 wird jährlich eine Gedenkveranstaltung unter internationaler Beteiligung abgehalten.

Der Radtour Süd folgen wir auf dem breiten Theodor-Freywald-Weg nach links, danach der Südwest-Tour nach rechts zu einer Gaststätte und fahren auf der Spissenagelstr. bis zum (22) Baudenkmal Haus Nr. 108.

Das Wohnhaus mit Brunnen wurde 1870 mit Steinen, wahrscheinlich aus einem nahe gelegenen Steinbruch im Bereich der heutigen unterhalb liegenden Teiche (s.u.) gebaut. Es handelt sich um ein eingeschossiges, traufenständiges Bruchsteingebäude. Die Fenster und Türen des dreiachsigen Gebäudes wurden inzwischen erneuert, im Dach an der Straßenseite eine Gaube und an der Rückseite ein Anbau hinzugefügt. Das Objekt steht unter Denkmalschutz (Schild) , da es ein typisches Beispiel für eines der ehemaligen Wohnhäuser mit Nebenerwerbslandwirtschaft (Kotten) darstellt, die ehemals das Bild der Bittermark prägten.

Nach der Kreuzung fahren wir noch 200 m bergab und halten an den (23) links liegenden Teichen.
Die zwei Teiche, die ehemals zur Tiefbauzeche Gottessegen gehörten, stauten Bachwasser für das Kesselhaus, da sich das eisenhaltige Grubenwasser dafür nicht eignete. Eine Tafel informiert über die Geschichte der Zeche Gottessegen.

Wir wenden, fahren dann am Verkehrsspiegel geradeaus in die Sichelstr, die am Bürgerhaus Bittermark vorbei zur Bittermarkstr. führt. Hier rechts und gleich links folgen wir dem Hinweis zum (24) Privatfriedhof Bittermark.
Die reformierten Bewohner der Bittermark mussten ihre Toten früher den weiten Weg zum zuständigen Gemeindefriedhof Wellinghofen bringen, da der nahe in Kirchhörde zu einer anderen Gemeinde gehörte. Daher erwarb eine Interessengemeinschaft engagierter Bittermärker am Tiedemannweg ein 5.000 qm großes Grundstück und weihte es am 28.12.1904 als Privatfriedhof mit der ersten Beerdigung ein. Der Friedhof sollte offen sein für alle Konfessionen, natürlich auch für konfessionslose Verstorbene. Alle Pflegearbeiten wurden bis nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Verkauf der Grabstellen gedeckt. Wegen finanzieller Engpässe besteht seit 1948 ein Friedhofsverein.

Entlang eines Wanderweges (Tiedemannweg) kommen wir zur Kirchhörder Str., der wir rechts bergab folgen und gleich rechts in die Hülsenbuschstr. einbiegen. Vor dem Wald treffen wir auf das (25) Wohnhaus Muddepenningweg 9.
Der Bergmannskotten wurde Ende des 19. Jahrhunderts für die Familie Knappmann errichtet. Es handelt sich dabei um ein eingeschossiges Fachwerkhaus auf hohem Bruchsteinsockel mit einem pfannengedeckten Satteldach. Eine schmale Freitreppe mit schmiedeeisernem Geländer führt zum überdachten Hauseingang mit anschließenden Wohnräumen. Im rechten Teil befindet sich – quer aufgeschlossen mit großem Tor – die Wirtschaftsdeele; die Tenne wurde inzwischen zum Kaminzimmer mit einem großen Sprossenfenster umgebaut. Die Fassade zeigt auf der linken Seite zweiflügelige Holzfenster mit profilierten Kämpfern und vertikal geteiltem Oberteil. Das Haus wurde 1988 restauriert und unter Denkmalschutz gestellt, da auch dieses Gebäude – wie das an der Spissenagelstraße 108 (Nr. 5) – ein typisches Beispiel für die ursprüngliche Bebauung der Dortmunder Marken darstellt.

Wir nehmen die Böschung hoch zur Kirchhörder Str., überqueren diese, gelangen über Osthoffweg / Dahmsfeldstr. und rechts Patroklusweg zum (26) Truxhof und der (27) danebenliegenden Kirche St. Patroklus.
Truxhof: Der Hof “Hourthe” wird in der Mitte des 12. Jahrhunderts erstmals erwähnt und gehörte zur Benediktinerabtei Deutz bei Köln. Er wurde auch Kirchhörder Hof bzw. nach der Kirche Patroklushof, später abgekürzt Trucks- oder Truxhof genannt. Das Hofgut umfasste ehemals auch den benachbarten Kotten Mertmann. Lehnsherren waren vermutlich bis in das 16. Jahrhundert die Grafen von Dortmund, anschließend die Herren von Unna und bis 1803 die Herren von Syberg zu Wischlingen. Ab 1813 folgten bürgerliche Eigentümer. Seit rund 100 Jahren wird der Truxhof nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. Um 1980 entstand auf dem Gelände eine moderne Wohnanlage, von der nur noch das in Fachwerkbauweise errichtete Wohngebäude an den ehemaligen “Trux-Hof” erinnert.

Kirche und Kirchhof:
Die heutige evangelische Kirche wurde zwischen 1789 und 1807 an Stelle einer alten, baufälligen errichtet. Wegen der Ähnlichkeit des Kirchturms mit dem von St. Reinoldi in Dortmund wird sie im Volksmund auch “Klein Reinoldi” genannt. Der christliche Märtyrer Patroklus wurde wahrscheinlich 259 unter Kaiser Valerian in Troyes enthauptet. 960 holte Erzischof Bruno von Köln die Reliquien in seine Stadt. 964 wurden sie von Köln nach Soest überführt. Dabei machte man im heutigen Kirchhörde auf dem Truxhof Rast. Als 1951 eine neue katholische Kirche am Truxhof 9 errichtet wurde, erinnerte man sich an den Heiligen Patroklus und gab der Kirche den Namen St. Patrokli. In der Kirche gibt es ein Patroklus-Reliquiar, das man schon 1866 dem Patroklus-Schrein in Soest entnommen hatte. Wie die anderen – in der Abhängigkeit von St. Reinoldi stehenden – Pfarrkirchen im Dekanat Dortmund besaß im 14. Jahrhundert die Patrokluskirche das Tauf- und Begräbnisrecht. So ist die Kirche von einem Totenhof umgeben, der noch immer genutzt wird. In den Gruftbereichen der alteingesessenen Familien und der Pfarrer blieben Grabsteine oftmals lange stehen. Die Grabmäler reichen bis in die frühe nachreformatorische Zeit zurück. Aus dem Jahr 1584 stammt der älteste Grabstein für Peter tho Holthusen, eine oben gerundete Grabstele aus Sandstein mit einer Renaissancerosette. In der Rose wird die schnelle Vergänglichkeit des Lebens gesehen; in der Wiederkehr der Blüte sieht man einen Hinweis auf das ewige Leben. Bei den denkmalgeschützten Steinen herrscht diese Grabsteinform vor. Es gibt auch Doppelstelen für Ehepaare. Im Barock wurde der Bogen am Kopf der Steine mit einem Engelskopf, einem Wappen oder einem schlichten Kreuz versehen. Aus der Biedermeierzeit hat sich ein Grabstein erhalten. Auf ihm ist als Symbol für den Glauben an die Dreieinigkeit ein Dreieck mit einem Auge dargestellt, das von einem Strahlenkranz und Sternen umgeben ist. Viele Grabsteine weisen Bibelsprüche oder religiöse Tröstungen auf.

Von der Kirche wenden wir uns zu den Geschäften an der Hagener Str., überqueren diese, biegen gleich rechts in Am Dimberg ab, fahren in den Klöcknerweg und über die Eisenbahn bis zur Schneiderstr. Hier links, gleich rechts Mettestr., rechts Lütgenholthauser Str. bis wir oben links in den Rebhuhnweg abbiegen. Dieser führt direkt auf die Straße Froschloch zum (28) Jugendheim Froschloch.
Jugendheim und Schwimmbad: Der um 1920 errichtete, verbretterte, heute denkmalgeschützte Fachwerkbau besteht aus zwei zweigeschossigen Bauteilen und einem eingeschossigen, verbindenden Saaltrakt. Die Bauten besitzen mit Pappe gedeckte Satteldächer, der Saaltrakt trägt einen verschieferten Dachreiter. An den zweigeschossigen Flügeln befinden sich umlaufende Gurtgesimse, der Haupteingang wird von kannelierten Holzpilastern gerahmt. Der Komplex stellt ein schönes, zeittypisches Beispiel für Fachwerkbau an repräsentativen öffentlichen Gebäuden dar. Die Lehrgangs- und Bildungsstätte "Froschloch" kann über den Stadtsportbund Dortmund gebucht werden. Wenn wir bis in den Wendehammer hinter dem Haus fahren, haben wir von hier eine gute Aussicht auf das Gelände des jetzigen Naturfreibades Froschloch. Das ursprüngliche Bad wurde wurde in den 1920er Jahren angelegt.

Gegenüber vom Eingang des Jugendheimes begeben wir uns in die Wacholderstr. und biegen gleich in den Weißdornweg ab. Rechts folgen wir der Grotenbachstr. über die Ampel geradeaus auf den (29) städtischen Friedhof Hombruch.
Dieser wurde 1895 angelegt. An der Wegekreuzung mit den Gräbern der Kriegstoten von 1914-18 wenden wir uns nach rechts und sehen rechts das Grab der Familie Baumeister. Es ist mit der figürlicher Rundplastik vom Jugendstil geprägt. Etwas weiter steht das Grabmal der Familie Severing von 1903 mit historistischen Stilmerkmalen: Der Aufsatz aus Sandstein zeigt die Symbole für Glaube, Hoffnung, Auferstehung (Kreuz, Anker, Palmzweig). Dagegen präsentiert die schwarze Granitstele mit Goldschrift zum Andenken an den 1931 in Ausübung seines Sports verunglückten Radrennfahrers Kumpmann volkstümliche Schmuckfreude: ein Lorbeerkranz umrahmt die Darstellung eines Rennfahrers auf einem Fahrrad. Dieses Grabmal steht hinten noch etwas weiter. Vom Weg aus sehen wir nur die Rückseite.


Wir kehren zum Friedhofseingang zurück, wenden uns nach rechts, überqueren dort an der Fußgängerampel die Löttringhauser Str, und fahren in die Domänenstr., die uns direkt zum Ausgangspunkt, dem Marktplatz Hombruch führt.


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