Nachrichten aus Dortmund

Geldverschwendung für die Zufahrt zu den Parkplätzen am Stadion

19.02.15
Kategorie: Dortmund

Der Fußgängerstrom vom Mercedes-Parkplatz blockiert die Zufahrt zum Parkplatz A 8. Hier ist die größte Quelle für das Verkehrschaos!


ADFC, VCD und BUND finden die geplante zweite Linksabbiegerspur auf der Wittekindstraße überflüssig und die dort geplante Ampel hinderlich für Fußgänger und Radfahrer.

Wir - ADFC, VCD und BUND - fordern den Rat der Stadt Dortmund auf, die Entscheidung über die o.g. Baumaßnahme zu vertagen, um die von uns vorgeschlagene Alternativen prüfen zu lassen.

Das Verkehrschaos auf der Wittekindstraße vor Fußballspielen im Stadion ist uns bekannt; auch wir sind an einer Lösung interessiert. Die geplante zweite Linksabbieger-Spur und die geplante Ampelanlage sind aber nach unserer Einschätzung nicht zielführend, um den Stau zu reduzieren. Auch mit einer zweiten Abbiegerspur wird es vor Beginn eines Fußballspiels im Stadion auf der Wittekindstraße einen massiven Stau geben - am Abzweig nur verteilt auf zwei Spuren vor einer Ampel. Denn die Ursachen für den Stau sind die unzureichenden Zufahrten zu den Parkplätzen, im Grunde ist es die Fehlplanung der Parkplätze und deren Zufahrten. Außerdem stehen die Kosten des Umbaus in keinem angemessen Verhältnis zum erhofften Nutzen. Nur für eine zusätzliche Spur auf der Straße Im Rabenloh gibt es gute Argumente; allerdings haben wir dazu noch Diskussionsbedarf. Zwischen der Verpflichtung zum Klimaschutz und dem Anspruch der Stadt mit ihren aufwändigen Programmen für eine nachhaltige Entwicklung und dieser gegenläufigen Maßnahme sehen wir einen unvereinbaren Widerspruch.

Der Straßenumbau käme hauptsächlich wenigen Stadion-Besuchern an wenigen Tagen für wenige Stunden zugute, indem sich die Wartezeit dieser Autofahrer um wenige Minuten verkürzen soll. In der übrigen Zeit des Jahres wird die geplante Ampelanlage den Verkehrsfluss rund um die Uhr behindern - sowohl für Autofahrer und insbesondere für Radfahrer und Fußgänger; d.h. die Maßnahme ist wesentlich gegen die Interessen der Bürger und die meisten Besucher dieser Stadt gerichtet.

Die Staus entstehen, weil dort die Autos von den vielen kreuzenden Fußgängern zum Anhalten gezwungen werden. Halten müssen die Autos auch, wenn Fahrzeuge - selbst Busse - wenden, die Einfahrt zu lange dauert - wie am Parkplatz A 8, wo die Einweisung nicht zügig genug läuft - oder es zu einer Kollision oder Panne kommt. - Autos biegen ja nicht nur von der nördlichen Wittekindstraße zu den Parkplätzen am Rabenloh ein, sondern auch von der B1 aus Richtung Bochum und von der südlichen Wittekindstraße; diese fädeln sich zur Zeit den Umständen entsprechend optimal im Reißverschluss-System ein; Ampeln werden eher den Stau verstärken. Die zweite Links-Abbiegerspur und die Ampelanlage sind also total überflüssig, weil diese keine Vorteile bringen, sogar zu Verschlechterungen führen.

Stau-Verursacher ist auch die Einfahrt zum Mercedes-Parkplatz. Falls der Mercedes-Parkplatz bebaut wird, entfällt dort der Stau auf der Fahrbahn; es werden die Fußgängerströme von dort aufhören und es gibt dann eine Ursache weniger für die Staus.

Lösungen des Verkehrschaos an Spieltagen sind auch anders möglich:
Wirkliche Abhilfe des Verkehrschaos bringt nur eine Reduktion des Autoverkehrs z. B. durch …

  1. Zusätzliche und ausreichend große Park- & Ride-Plätze im erweiterten Anfahrtbereich, also nicht nur in den Vororten.
  2. Angebot an ausreichenden komfortablen öffentlichen Verkehrsmitteln und deren kostenlose Nutzung für Stadionbesucher; dabei möglichst Ausweitung vom VRR auch auf den NWL, um Besucher etwa aus Soest, aus dem Sauer- und Münsterland einzuschließen.
  3. Stärkere Nutzung der Parkplätze an der TU mit funktionierendem Shuttle-Verkehr – und Werbekampagnen dafür
  4. Parkscheine für die Parkplätze am Stadion nur gegen Vorauskasse (wie bei der VIP-Anlage).
  5. Ausbau des Radwegenetzes einschließlich der Unterstützung für den Radschnellweg
  6. Möglichst zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren
  7. Der BVB muss die Stadionbesucher jeweils deutlich darauf hinweisen, dass es bei der An- und Abfahrt mit dem Pkw zu erheblichen Wartezeiten kommt und dass sie, wenn sie schon nicht ganz auf das Auto verzichten können, wenigstens für den letzen Teil der Strecke den ÖPNV oder das Fahrrad nutzen sollen.
  8. BVB und die Stadt Dortmund müssen deutlich auf die bewachten Fahrradabstellanlagen hinweisen.

Die Verkehrsströme entzerren würden z. B. folgende Maßnahmen, die notwendig werden, wenn die oben genannten ausgeschöpft sind: Eine zusätzliche Spur auf der Straße Im Rabenloh – allerdings ausschließlich als Zufahrt zum Parkplatz A 8 und nur von Süden als Rechtsabbieger zu erreichen; die Kosten dafür wären hauptsächlich vom BVB zu tragen.

  1. Optimierung des Leitsystems zu den Parkplätzen und ein Leitsystem für den Durchgangsverkehr;
  2. Sperrung der B1-Abfahrten an der Wittekindstraße und Im Rabenloh bei den Großveranstaltungen;
  3. Den Autofahrern wird zusammen mit dem Parkschein eine bestimmte An- und Abfahrt-Strecke zugewiesen.

Fazit:
Die zweite Linksabbiegerspur auf der Wittekindstraße löst das Problem nicht, stört aber besonders Fußgänger und Radfahrer und verschlingt überflüssig viel Geld 1). Es gibt bessere Möglichkeiten, den Verkehrsfluss zu verbessern.  

Für weitere Rückfragen oder Diskussionen stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Werner Blanke   - Lorenz Redicker         - Thomas Quittek
ADFC Dortmund - VCD Dortmund-Unna - BUND Dortmund
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1)
440 000 Euro sind veranschlagt

Kommentar: Der Antrag der Verwaltung für die Baumaßnahme wurde am 19.2.2015 vom Rat der Stadt Dortmund durchgewunken, d.h. von den Fraktionen der CDU und SPD. Nachhaltigkeit, Sparen und Bürgerbeteiligung bleiben nur Lippenbekenntnisse, wenn nicht auch Taten folgen. 

Dazu passen die Beiträge in der neuen FahrRad 1/2015, besonders der Leitartikel von Werner Blanke und das Ergebnis des Fahrradklimatests 2014.

Wie stände es um den Fahrradverkehr in Dortmund, wenn es hier den ADFC nicht gäbe!

 

 


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