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Rhein-Sieg-Kreis: Steigende Bedürfnisse bei den Radfahrenden

24.05.17
Kategorie: Aktuelles

v.l.n.r. Harald Pütz, Leiter Straßenverkehrsamt Rhein-Sieg-Kreis, Dr. Peter Lorscheid, Annette Quaedvlieg, ADFC,Sven Habedank Kreis-Verkehrsplaner. © Pressestelle Rhein-Sieg-Kreis


ADFC-Fahrradklimatest zeigt leicht nachlassendes Fahrradklima

Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Rhein-Sieg-Kreis hat der ADFC Bonn/Rhein-Sieg heute die Ergebnisse des Fahrradklimatests für den Rhein-Sieg-Kreis vorgestellt. Der Fahrradklimatest ist eine bundesweit durchgeführte Befragung der Radfahrenden; die Befragung wird vom Bundesverkehrsministerium gefördert und ist weltweit die größte ihrer Art. Die Befragten bewerteten ihre Stadt oder Gemeinde hinsichtlich 27 fahrradbezogener Kriterien auf einer Schulnotenskala von 1-6; die Ergebnisse der im Herbst 2016 durchgeführten Befragung liegen nun vor.

Durch die gegenüber 2014 gestiegene Teilnehmerzahl konnten im Rhein-Sieg-Kreis nun alle Kommunen bis auf die bergischen Kommunen Eitorf, Much, Neunkirchen-Seelscheid, Ruppichteroth  und Windeck die erforderliche Mindesteilnehmerzahl von 50 erreichen. „Die gestiegenen Teilnehmerzahlen spiegeln die wachsende Bedeutung wieder, die der Radverkehr in unserer Region in den letzten Jahren bekommen hat,“ sagt Annette Quaedvlieg, Vorsitzende des ADFC Bonn/Rhein-Sieg. Das kreisweite Ergebnis ist allerdings – wie auch bundesweit – geringfügig rückläufig: Der Rhein-Sieg-Kreis kommt nun auf eine Durchschnittsnote von 3,92 (2014: 3,84) und liegt damit etwas schwächer als der ebenfalls geringfügig rückläufige Bundestrend. Peter Lorscheid, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC für den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, erläutert: „Für mich zeigt sich darin, dass die Infrastruktur mit den steigenden Bedürfnissen von immer mehr und schneller fahrenden Radlerinnen und Radlern nicht Schritt hält“. Die richtige und notwendige Diskussion um Radschnellwege beispielsweise wecke bei den Radfahrenden Wünsche, die diese in der Realität noch nicht umgesetzt sehen.

Ergebnisse der einzelnen Kommunen

Die Bewertung in den einzelnen Kommunen des Kreises fällt durchaus unterschiedlich aus: Die Rangliste wird angeführt von den drei Kommunen, die Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise NRW (AGFS) sind: Die Ergebnisse in Meckenheim (Gesamtnote 2,7), Lohmar (3,5) und Troisdorf (3,5) sind gegenüber 2014 weitgehend unverändert. „Die Mitarbeit in der AGFS und vergleichsweise gute Bewertungen gehen offenbar einher, daher könnten nach der im April erfolgten Aufnahme des Kreises in die AGFS auch die kreisweiten Ergebnisse demnächst besser ausfallen“, zeigt sich Lorscheid hoffnungsvoll für die nächste Befragung.

Nach den drei Spitzenreitern folgen acht Kommunen mit Bewertungen im Bereich 3,9 bis 4,1: Niederkassel, Swisttal, Königswinter, Alfter, Hennef, Siegburg, Sankt Augustin und Bad Honnef. Während sich Alfter von leicht verbessern konnte, konnte Sankt Augustin das letztmalige Ergebnis nicht ganz halten.

Verbesserungsbedarf besteht in den drei linksrheinischen Kommunen Bornheim, Wachtberg und Rheinbach. Dabei ließ die Bewertung von Bornheim etwas nach, während das zuvor eher schwach abschneidende Rheinbach in der aktuellen Befragung deutlich aufgeholt hat. Annette Quaedvlieg betont: „Schwäche aller linksrheinischen Kommunen mit Ausnahme Meckenheims ist in den Augen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der geringe Stellenwert des Alltagsradelns. Der Radverkehrsförderung dieser Kommunen richtet sich heute vor allem an auswärtige Touristen; hier ist noch einiges zu tun, damit sich die Einheimischen beim Radfahren im Alltag wohl fühlen.“ Das Aufgabenspektrum reiche dabei von der Verbesserung der Infrastruktur über Diebstahlschutz und Falschparkerkontrolle bis zur Öffentlichkeitsarbeit. Das Meckenheimer Ergebnis zeigt für den ADFC erneut eindrucksvoll, was möglich ist, wenn es eine Kommune mit der Fahrradförderung ernst meint.

Stärken und Schwächen im Rhein-Sieg-Kreis

Im Durchschnitt die besten Noten erhielten die Kreiskommunen bei der Bewertung der Innenstadt-Erreichbarkeit (2,9), bei der Ermöglichung zügigen Radfahrens (3,0) sowie bei der Fahrrad-Wegweisung (3,1). Dabei fiel die Bewertung der Fahrradwegweisung um 0,1 Notenstufen besser als der Bundesdurchschnitt vergleichbarer Kommunen aus, ebenso wie der Fahrraddiebstahl. „Mit der neuen Knotenpunktsbeschilderung der RadRegionRheinland haben sich aktuelle Verbesserungen direkt in der Bewertung positiv bemerkbar gemacht“ freut sich Sven Habedank, Verkehrsplaner des Rhein-Sieg-Kreises.

Die schlechtesten Noten erhielten die Kreiskommunen bei öffentlichen Leihradsystemen (4,9) sowie bei der Falschparkerkontrolle auf Radwegen und der Führung an Baustellen (jeweils 4,5). Die spezifischen Schwächen der Kreiskommunen liegen bei der Fahrradförderung in jüngster Zeit und bei der Reinigung der Radwege, die im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands jeweils 0,4 Notenstufen schwächer bewertet wurden. Für den ADFC zeigen sich hier Handlungsfelder auf, an denen der nun fahrradfreundliche Rhein-Sieg-Kreis gemeinsam mit den kreisangehörigen Kommunen in den nächsten Jahren arbeiten sollte, wobei ein Großteil der Mängel in der Tat deckungsgleich mit den Aufgabenschwerpunkten ist, die sich der Rhein-Sieg-Kreis in Verbindung mit seiner Mitgliedschaft in der AGFS bereits selbst gesetzt hatte.

„Neben den planerischen Ansätzen und der Schaffung der infrastrukturellen Voraussetzungen sind allerdings auch die verkehrsrechtlichen Rahmenbedingungen zu prüfen“, so Harald Pütz, Leiter des Straßenverkehrsamtes des Rhein-Sieg-Kreises. „Hierzu zählen neben der sicheren Verkehrsführung und Beschilderung auch Erleichterungen, wie das Ausräumen von Konflikten mit anderen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern (Fußgängerinnen und Fußgänger, Autofahrerinnen und Autofahrer) oder auch die Öffnung von Einbahnstraßen für Fahrräder. Dies alles gilt es, im Rahmen von Ortsterminen und speziellen Radverkehrsschauen sicher zu stellen.“

Wichtiger Partner des Rhein-Sieg-Kreises und seiner 19 Kommunen beim Radverkehr ist der Landesbetrieb Straßen.NRW, der für die meisten Radwege an Straßen in der Region zuständig ist. Ihm müssten im Landeshaushalt mehr Mittel für den Radwegebau und für den Unterhalt der bestehenden Radwege zur Verfügung gestellt werden.

Der ADFC wird in den nächsten Wochen – zumeist gemeinsam mit den jeweiligen Kommunen – die lokalen Ergebnisse genauer analysieren und diese im Anschluss der Öffentlichkeit vorstellen.

Hier sind die Ergebnisse des Fahrradklimatests im Einzelnen nach zu lesen.


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