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Radschnellweg am Tausendfüßler dringend erforderlich

03.04.20
Kategorie: Verkehrspolitik

Der neue Tausendfüßler in Planung - ohne Radschnellweg? © Straßen.NRW


Die Autobahn soll ohne Radweg zügig gebaut werden - ADFC fordert Überdenken der Pläne: "Die technischen Lösungsmöglichkeiten für einen parallel zur Autobahn geführten Radschnellweg sind bislang überhaupt nicht untersucht."

 

Im Dezember 2019 hatten die Grünen Ihren Antrag „Radschnellweg entlang der Autobahn 565 in Bonn – jetzt Planung zügig umsetzen!“ in den Landtag eingebracht. Diesen haben sie jetzt zurückgezogen, da die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis sich zwischenzeitlich mit dem Land auf ein gemeinsames Vorgehen in Sachen Radschnellweg geeinigt hätten.
 
Damit scheint sich die Sicht des Ministeriums durchgesetzt zu haben, ein Radschnellweg entlang des Tausendfüßlers sei nicht realisierbar, weil sich der Neubau des Tausendfüßlers nicht verzögern dürfe. Stattdessen wolle man an einer Radpendlerroute durch die Innenstadt Bonn als Alternative arbeiten.
Die vermeintliche Einigung zwischen Land und Stadt Bonn kollidiert aber mit dem einstimmigen Beschluss des Bonner Stadtrates vom Juni 2018. Der Beschluss zum Bau eines Landesradschnellweges ist bislang nicht aufgehoben.

Ein Radschnellweg als Ost-West-Verbindung zwischen Alfter (Bahnhof Witterschlick) über Bonn-Endenich (Uni-Campus) – Nordbrücke – St. Augustin (Fachhochschule) weiter bis zum ICE-Bahnhof Siegburg bzw. nach Niederkassel und Troisdorf bietet großes Potential und stellt eine enorme Entlastung für das regionale Straßennetz dar. Der ideale Verlauf dieser Strecke führt entlang des Tausendfüßlers und über die Nordbrücke.  Gemeinsame Planung und Bau von Autobahn und Radschnellweg könnten erhebliche Synergieeffekte mobilisieren und Kosten sparen.
 
Baubeginn 2021 steht auf wackligen Füßen
Das Argument, der Ersatzneubau dürfe nicht warten, muss relativiert werden. Das Planfeststellungverfahren soll in diesem Frühjahr eingeleitet werden. Baubeginn soll laut Straßen.NRW 2021 sein, vorlaufende Maßnahmen finden bereits statt. Die Bauzeit ist auf fünfeinhalb Jahre terminiert. Die veranschlagten Kosten werden mal eben von 200 auf 290 Millionen Euro (GA 17.03.20) hochgesetzt. Es wird jedoch mit Sicherheit Einsprüche im Verfahren und auch Klagen gegen den am Ende stehenden Planfeststellungsbeschluss geben. Die Prognose Baurecht und damit Baubeginn 2021 steht auf sehr wackligen Füßen.
 
Das Zeitargument gilt so nicht. Die Nutzbarkeit des maroden Tausendfüßlers kann verlängert werden; zum Beispiel durch Teilsperrungen für Lkw ab einer bestimmten Gewichtsklasse wie auf der Leverkusener Rheinbrücke der A1 oder zum Beispiel durch Reduzierung eines Fahrstreifens.
 
Kreative Lösungen für einen Radweg wurden nicht untersucht
Die technischen Lösungsmöglichkeiten für einen parallel zur Autobahn geführten Radschnellweg sind bislang überhaupt nicht untersucht. So gibt es beispielsweise in Wien über die Donau oder in Bremen über die Weser Doppelstockbrücken, die oben die Straße und unten den Radweg führen. Dem „Ingenieur ist bekanntlich nichts zu schwör“, auf den Erfindergeist der Planer bei Straßen.NRW darf man doch hoffen.
 
Eine zeitliche Verzögerung des Ersatzneubaus wäre auch dann nicht zu erwarten, wenn, wie ohnehin geplant, zunächst das Bauwerk in einer Fahrtrichtung errichtet wird und anschließend die Richtungsfahrbahn mit integriertem Radschnellweg in der anderen Fahrtrichtung gebaut wird.
 
Auch betrifft es den aktuellen und heiß diskutierten Luftreinhalteplan Bonn: Vor dem Oberverwaltungsgericht Münster hatten sich einvernehmlich das Land NRW, die Bezirksregierung Köln und die Stadt Bonn im Vergleich mit der Deutschen Umwelthilfe darauf verständigt, den Fahrradverkehr in Bonn zu stärken mit dem Ziel, seinen Anteil am "Modal Split", der das Mobilitätsverhalten von Personen beschreibt, massiv zu erhöhen. Das darf keine Absichtserklärung bleiben. Die Stadt Bonn muss in Umsetzung des Ratsbeschlusses von 2018 im Planfeststellungsverfahren die Forderung nach dem Bau des Radschnellweges vertreten.


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