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Radfahrer sind die Leidtragenden

25.02.17
Kategorie: Bonn

Was sagt uns die Unfallstatistik 2016?

Erfreulicherweise fahren immer mehr Menschen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis mit dem Fahrrad und tragen so ihren Teil zur Reduzierung des Autoverkehrs und den damit verbundenen Problemen bei. Doch die dazu vorhandene Infrastruktur reicht hinten und vorne nicht - beispielhaft das Foto mit dem täglich von Kfz versperrten Fahrrad-Schutzstreifen in der Bonner Hausdorffstraße. Wo und wie soll man hier mit dem Fahrrad fahren und sich dann auch verkehrsregelgerecht verhalten? Die Leidtragenden dieser Misere sind die Radfahrer, im Konfliktfall mit dem KFZ-Verkehr eben das schwächere Glied.

Die gestiegenen Unfallzahlen sind eine logische Konsequenz des noch immer festzustellenden Vorrangs für den Kfz-Verkehr und nicht die, statistisch übrigens durch nichts belegten, angeblich massenhaften Verstöße der Radfahrer gegen die Verkehrsregeln. Doch nicht nur für Radfahrer, auch für Fußgänger weist die Unfallstatistik für Bonn im NRW-Vergleich überproportional hohe Unfallzahlen auf. Auch dies ist logisch, denn - was die Unfallstatistik auch aufzeigt - die Bonner PKW/Kfz-Dichte liegt in NRW auf Platz 1, hinzu kommen überdurchschnittlich hohe Einpendlerzahlen. Bei den Kraftfahrzeugen liegen die hiesigen Unfallzahlen übrigens deutlich unter dem NRW-Schnitt. Es ist aber kaum anzunehmen, dass Kraftfahrer in Bonn vernünftiger und Radfahrer und Fußgänger unvernünftiger als im NRW-Schnitt sind.

Bonn hat einfach zuviel Kfz-Verkehr. Die begrüßenswerten Bemühungen der Bevölkerung zur Verkehrsentlastung durch stärkere Nutzung von ÖPNV und Umstieg aufs Fahrrad stoßen an ihre Grenzen. In beiden Fällen ist die Infrastruktur nicht ausreichend und wird zu schleppend ausgebaut. Daher ebenfalls logisch, dass die Unfallzahlen für Radfahrer und Fußgänger in Bonn zu allem Übel auch noch schneller steigen als im NRW-Schnitt.

Wann zeigen Politik und Verwaltung endlich Mut zur Verkehrswende? Wir brauchen weniger Investitionen, damit Autos anders als bisher fahren, sondern Investitionen, damit Einwohner und Pendler weniger häufig das Kfz benutzen müssen, also Investitionen in attraktiven und leistungsfähigen ÖPNV, Investitionen in mehr und sichere Radverkehrsanlagen. Wir brauchen Mut zu großen Lösungen und müssen ÖPNV und Radverkehr endlich oberste Priorität einräumen.


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