NEWS

Bonner City Ring - die unendliche Geschichte

09.05.18
Kategorie: Verkehr

© H. Dauben/M. Menz


Jüngster Beschluss - Chance oder Mogelpackung?

Für die einen war es ein Schritt zur Verkehrsberuhigung in der Bonner Innenstadt, für die anderen war es der letzte Sargnagel zum Untergang der Bonner Geschäftswelt - die baustellenbedingte Sperrung des City Rings: Sollte sie bleiben, oder nicht bleiben, nur testweise oder dauerhaft oder überhaupt keine Veränderung?

Nach mehreren Anläufen ein Ergebnis - fragwürdig oder hoffnungsvoll? Vorweg gesagt: Mit Wegfall der baustellenbedingten Sperrung wird laut Ratsbeschluss vom 7. Mai voraussichtlich seit Ende Mai die Durchfahrt vor dem Hauptbahnhof für den motorisierten Individualverkehr (ab jetzt kurz MIV) wieder offen sein. Und aus City Ring soll "Erweiterter City Ring" werden; doch das ist in mehrfacher Hinsicht eine längere Geschichte. Ausführlicher werden wir auf dieses Thema im Rückenwind 3/2018 eingehen.

Am Tag der Sitzung ein Änderungsantrag der Koalition (CDU/Die Grünen/FDP), dessen Behandlung dann aber wegen Zeitüberschreitung auf die Folgesitzung am 7. Mai um 20 Uhr verschoben und dann verabschiedet wird.

Chance oder Mogelpackung?
Mehrheitlich hat nun der Stadtrat am 7. Mai dem Änderungsantrag der Koalition (CDU/Die Grünen/FDP) zugestimmt. Änderungsantrag deshalb, da die SPD-Fraktion einen Antrag analog zu der früheren Verwaltungsvorlage (Weitere Sperrung City Ring und separate Radspur Richtung Altes Rathaus und Rhein) vorgelegt hatte. Der jüngste Ratsbeschluss hat nun Licht- und Schattenseiten und vieles ist im Konjunktiv abgefasst. Die Grundvoraussetzung für eine veränderte Verkehrsführung, die Linksabbiegemöglichkeit vom Belderberg zum Bertha-von-Suttner-Platz bleibt (testweise) bestehen = Licht; die Durchfahrt aus Richtung Kaiserstraße über Maximilianstraße zum HBF wird aber sobald baustellenbedingt möglich wieder geöffnet und die separate Radspur wird es auch nicht geben = sehr dunkler Schatten. Der Verkehr soll jedoch verringert werden durch einen "nach Süden erweiterten Cityring". Dadurch gibt es allerdings zusätzlichen Verkehr von der Adenauerallee entlang des Hofgartens/Fritz-Tillmann-Str. Richtung Bahnhof. Ob das so sinnvoll ist? Es bleibt einfach die Feststellung: Die Durchfahrt vor dem HBF ist für die Bonner Stadtentwicklung schädlich und für den Verkehr und das Wohl und Wehe des Handels überflüssig.

Positiver Aspekt des neuen Konzepts: Der Verkehr im Bereich "Rathausgasse/Stockenstraße/Am Hof" würde beschränkt auf ÖPNV und Fahrräder sowie Anlieger/Lieferverkehr und Nutzer der Tiefgarage. Hierzu und zu anderen Details wie auch der Verkehrsführung in der Kaiserstraße muss die Verwaltung jedoch erst noch einen "Zielbeschluss" vorlegen. Ein Starttermin für diesen neuerlichen "Testlauf" steht also noch nicht fest = zwar Licht aber erst als Schimmer am Ende des Tunnels. Die Verwaltung wird beauftragt "dafür einen Testbetreib zu konzeptionieren und die Ergebnisse den politischen Gremien zur Beratung bis Ende 2018 vorzulegen." Dieser Lichtschimmer ist also noch in sehr weiter Ferne. Wenn es zeitgleich mit Aufhebung der Sperrungen am HBF zu der Verkehrsberuhigung in den zuvor genannten Bereichen gekommen wäre, hätten auch wir als ADFC dies als Erfolg bezeichnen können. Desweiteren ist in dem Beschluss eine Vielzahl positiver Ansätze verzeichnet: Stärkung des ÖPNV und Fahrradverkehrs, Neuregelung der Kaiserstraße zu Gunsten ÖPNV und Fahrradverkehr, Erarbeitung einer Radverkehrsverbindung von Poppelsdorfer Allee bis Kennedybrücke - klingt alles sehr schön, doch versprochen hat man uns schon so oft so viel. Unsere Aufforderung an die Bonner Politik: Lasst den Sonntagsreden endlich Taten folgen! Wer sich das Gesamtpapier anschauen möchte, in "Boris" (Bonner Ratsinformationssystem) ist das Dokument "Drucksachen-Nr. 1811015EB5" im Internet hinterlegt.


Nach oben

© 2018 ADFC KV Bonn/Rhein-Sieg