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Alternative zum Auto: Neue Radrouten für Pendler vom Rhein-Sieg-Kreis nach Bonn

24.05.20
Kategorie: Verkehrspolitik

Routen für den Radverkehr zwischen Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis © Georg Wilmers



Markierung Radrouten für Pendler © Georg Wilmers


Weitere Strecken in Planung – Angebot zum Umstieg vom Auto aufs Rad

Kann man längere Strecken zur Arbeit nicht auch mit dem Rad zurücklegen, in Stauzeiten sogar schneller als mit dem Auto? Seit Montag verbinden zwei Pendlerstrecken speziell für Radfahrer die Stadt Bonn mit den Kommunen Alfter, Swisttal, Meckenheim und Rheinbach im Rhein-Sieg-Kreis. Alle beteiligten Bürgermeister sowie Vertreter des Rhein-Sieg-Kreises und der Stadt Bonn weihten die beiden Strecken symbolisch gemeinsam mit dem ADFC ein, der vor zwei Jahren die Idee für die Pendlerstrecken und entsprechende Konzepte vorgelegt hatte. „Wir sind froh, dass unsere Idee in den Kommunen und politischen Gremien auf Zustimmung gestoßen ist, den Autopendlern Alternativen anzubieten, auf denen sie zügig und mit möglichst wenig Behinderungen vorankommen“, sagte Georg Wilmers, Verkehrspolitischer Sprecher des ADFC, bei der Einweihung. Gerade mit Blick auf die Bauarbeiten am Endenicher Ei und der A565 (Tausendfüßler) werden Berufspendler, die mit dem Auto nach Bonn fahren wollen, in den nächsten Jahren auf eine Geduldsprobe gestellt. „Mit Pedelecs kann man sogar von Rheinbach nach Bonn innerhalb einer Stunde zum Arbeitsplatz pendeln und tut noch etwas für seine Gesundheit“, so Wilmers.

Großes Lob gab es für die neuen Routen vom Rheinbacher Bürgermeister Stefan Raetz. „Angesichts des ständig zunehmenden Verkehrsaufkommens, dem damit einher gehenden Verschleiß der Verkehrsinfrastruktur, den begrenzten Kapazitäten an Parkraum und nicht zuletzt dem klimatisch dringend gebotenen Überdenken klassischer Verkehrsmittel, können Radpendlerrouten zu einer echten Alternative werden“, so Raetz. „Entscheidend ist, dass diese Pendlerstrecken attraktiv gestaltet werden und Radfahrern vor allem eines bieten: Sicherheit.“ Dabei lobt Raetz, der auch Sprecher der sechs linksrheinischen Städte und Gemeinden im Rhein-Sieg-Kreis ist, die Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung und ADFC, die schon bei „der Überarbeitung der Wasserburgenroute und der neu entworfenen Apfelroute“ gute Ergebnisse gezeigt habe.

Die beiden freigegebenen Routen sind auf dem Boden mit einem roten Fahrradsymbol markiert und führen über bestehende Radwege, Feldwege und ruhige Nebenstraßen. Wichtig war dem ADFC, dass man auf den Strecken relativ schnell fahren kann und so wenig wie möglich durch Ampeln oder Umwege gebremst wird. „Alle Beteiligten mussten einige Kompromisse eingehen, damit wir die Strecken in kurzer Zeit realisieren konnten“, so ADFC-Planer Wilmers. „Deshalb müssen die jetzt ausgewiesenen Strecken weiter optimiert werden. Das betrifft insbesondere Ampelschaltungen, die den Radverkehr zurzeit noch bremsen, beispielsweise lästige Bedarfsampeln, die nur nach Aufforderung auf Grün schalten, sowie einige Querungen von Hauptverkehrsstraßen.“ Der ADFC hat eine E-Mail-Adresse eingerichtet, unter der Nutzer Anregungen und Verbesserungsvorschläge machen können:  radpendlerrouten(..at..)adfc-bonn.de

Ausgewiesen wurden zwei Strecken: Die eine Route führt von Rheinbach über Meckenheim, Röttgen, Ückesdorf und Lengsdorf bis in die Bonner Innenstadt. Eine weitere Route führt von Rheinbach über Swisttal-Buschhoven, Alfter-Oedekoven bis Dransdorf, wo sie auf die geplante Radpendlerroute Bornheim-Alfter-Bonn trifft. Diese befindet sich in der Realisierungsphase und wird deutlich höhere Standards erfüllen als die jetzt markierten Routen. So wird die Strecke in den nächsten Jahren Schritt für Schritt auf eine Gesamtbreite von vier Metern ausgebaut. Eine vierte Pendlerroute ist linksrheinisch noch in Planung und soll Wachtberg mit Bad Godesberg und Bonn verbinden. Auch rechtrheinisch hat der ADFC ein Pendlerroutenkonzept vorgelegt, das aktuell mit den Kommunen beraten wird.

Die neuen, jetzt vorgelegten Strecken sind ein Kompromiss und nutzen vorhandene Infrastruktur. „Diese neuen Radpendlerrouten wurden auf Grundlage bestehender Netze entwickelt und benötigen somit kaum Planungs- und baulichen Aufwand“, so André Berbuir, Fachbereichsleiter Verkehr & Mobilität des Rhein-Sieg-Kreises. „Dies ermöglicht eine kurzfristige Umsetzung.“ Allerdings sei nicht ausgeschlossen, dass auch die jetzt markierten Strecken einmal auf vier Meter Breite ausgebaut werden, so der Rhein-Sieg-Kreis.

Sehr zufrieden mit der Anbindung an Bonn ist jetzt Alfters Bürgermeister Rolf Schumacher. „Ich unterstütze sehr gerne die Initiative des ADFC. Insbesondere die Anknüpfung an die geplante Radpendleroute Bornheim-Alfter-Bonn passt sehr gut in unser Konzept.“ Meckenheims Bürgermeister Bert Spilles ist sich sicher, dass viele Pendler das neue Angebot nutzen werden. „Meckenheim setzt als ausgezeichnete fahrradfreundliche Stadt schon lange auf klimaneutrale Fortbewegung“, so Spilles. „Daher freue ich mich sehr über die Radpendlerrouten, die Bonn mit dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis verbinden. Ich bin mir sicher, dass sie viel frequentiert und damit helfen werden, die Straßen zu entlasten und den Klimaschutz zu fördern.“

Großes Lob für das Ergebnis kommt von Oliver Krauß, Mitglied des Verkehrsausschusses des Landtags NRW und verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion. „Der Ansatz des ADFC, dass wir für mehr Fahrradverkehr auch kurzfristig umsetzbare Lösungen brauchen, ist richtig“, sagte er bei der Einweihung in Alfter. „Dabei gehen die Verwaltungen in Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis, in den beteiligten Kommunen, aber auch Straßen.NRW und nicht zuletzt die Politik mit der Einrichtung der Radpendlerrouten unkonventionelle Wege. Denn die provisorischen Piktogramme direkt auf Radwegen und Straßen sind Neuland für uns, aber eine gute und einfache Maßnahme: Erste Rückmeldungen zeigen, dass die Orientierung verständlich ist. Es wäre zwar wünschenswert, wenn alle Radpendlerrouten so attraktiv ausgebaut werden wie die künftige Trasse von Bornheim über Alfter nach Bonn mit Fahrradstraßen und einer 4 m breiten eigenen Trasse. Für die anstehenden Großbaustellen zum Beispiel am Tausendfüßler ist das leider nicht zu schaffen.“

Krauß hebt das ehrenamtliche Engagement der Verkehrsplaner im ADFC hervor, die insgesamt zehn Radpendlerrouten im gesamten Rhein-Sieg-Kreis erarbeitet und durchgeplant haben. „Eine Umsetzung des jetzigen Konzepts wäre ohne den ehrenamtlich erstellten Entwurf des ADFC für Radpendlerrouten nicht möglich gewesen. Mein Dank gilt daher in erster Linie dem ADFC, aber auch allen anderen Beteiligten. So wurden beispielsweise kleinere Mängel auf bestehenden Wegen unkompliziert beseitigt.“

Für Verständnis wirbt Ute Krupp, Geschäftsführerin der SPD-Kreistagsfraktion, dass die rasch umgesetzten Routen nicht in allen Punkten optimal sind. „Wir wissen, es werden nicht alle Wünsche der Radpendler, die mit uns auf einer Vor-Ort-Veranstaltung der Kreistagsfraktion in Rheinbach diskutiert wurden, umgesetzt. Das ist aber ein guter erster Schritt in die richtige Richtung, um das Radpendeln attraktiver zu machen.“ So Krupp.

Die Rhein-Sieg-FDP fordert jetzt, auch rechtsrheinisch Pendlerrouten zu realisieren. „Auch die Vorschläge des ADFC für den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis enthalten viele gute Ansätze. Sie sollten von der Politik und Verwaltung in der Region sehr schnell aufgegriffen und umgesetzt werden“, so der Verkehrspolitische Sprecher der FDP, Friedrich-Wilhelm Kuhlmann. „Der Ausbau der Radinfrastruktur in der Region gehört ganz nach oben auf die politische Agenda.“

In Bonn müssen sich die Radler noch an die neuen Markierungen gewöhnen – die letzten Piktogramme werden gerade erst aufgebracht. „Ich freue mich sehr, dass es kurz vor knapp doch gelungen ist, die Markierungen der gemeinsamen Radpendlerrouten von Bonn und Rhein-Sieg auch für Bonn auf den Weg zu bringen“, sagte die stv. Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bonner Rat, Gabi Mayer. „Die Markierungen sind mehr als ein Wegweiser; sie sind das Symbol dafür, dass die Verkehrswende nur in Stadt und Kreis gemeinsam gelingt. Dazu leistet auch der ADFC einen wichtigen Beitrag, mit Ideen und mit großer Tatkraft.“

Auch Verkehrspolitische Sprecher des Bonner CDU-Fraktion, Bert Moll, setzt auf die Radpendlerrouten, um den Autoverkehr zu reduzieren. „Jede Verbesserung für den Radverkehr ist wichtig. Radpendlerrouten und Radschnellwege vom Rhein-Sieg-Kreis nach Bonn können insbesondere dazu beitragen, den MIV von Pendlern zu reduzieren. Die vom ADFC entwickelte einheitliche Kennzeichnung erleichtert die Erkennung der Routen. Deswegen hat die CDU einer entsprechenden Markierung der Radpendlerrouten auch zugestimmt.“ 

Welches Potenzial der Radverkehr hat, wird aktuell sichtbar: Als Folge der Coronapandemie  hat der Radverkehr in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis stark zugenommen. An vielen Dauerzählstellen im Rhein-Sieg-Kreis wurden im April doppelt so viel Radverkehr gemessen wie in den vergangenen Jahren, so der Fahrradbeauftragte des Rhein-Sieg-Kreises, Sven Habedank.

Link zu den Dauerzählstellen des Radverkehrs:

https://www.bonn.de/themen-entdecken/verkehr-mobilitaet/zukunft-radverkehr.php

https://www.rhein-sieg-kreis.de/mobilitaet-umwelt/verkehr/radverkehrszaehlungen.php


Mehr Infos und die GPX-Tracks für die linksrheinischen Radpendlerrouten:

https://www.rhein-sieg-kreis.de/mobilitaet-umwelt/verkehr/fahrradfreundlicher-rhein-sieg-kreis.php


Infopaket zu den Radpendlerrouten und Download des Flyers unter:

https://www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-bonn/beruf-schule.html


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