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ADFC (OG Niederkassel): „Folgen des Schildbürgerstreichs beseitigen!“

03.05.20
Kategorie: Verkehrspolitik

Zustand 2018-2020: Der Wechsel auf die Fahrbahn wird offenbar eifrig genutzt – der neue Radweg endet in einen Wirtschaftsweg, der vor der Brücke nach links wegschwenkt. © Peter Lorscheid



Zustand ab April 2020: Die verlängerte Leitplanke macht den Wechsel auf die Fahrbahn nun unmöglich – zweckmäßig wäre es, den Radweg unter der Brücke hindurch weiterzuführen. © Peter Lorscheid


Eingeschränkte Nutzbarkeit der L332 zwischen Eschmar und Mondorf für Radfahrer nicht akzeptabel

Die neu gebaute Umgehungsstraße L332n um Eschmar wurde vor zwei Jahren erfreulicherweise mit einem Radweg ausgestattet, der demnächst hoffentlich in nördlicher Richtung bis nach Oberlar fortgesetzt wird. Wer die Hoffnung hatte, dass damit für Radfahrende endlich eine sichere Nutzbarkeit der L332 zwischen Eschmar und Mondorf entstünde, wurde enttäuscht. Ausgerechnet an der Stelle, bis zu der der Altbestand der L332 beidseitig breite Seitenstreifen aufweist, wurde der neu gebaute Radweg seitlich auf einen Wirtschaftsweg geführt, ohne eine Radverbindung nach Mondorf zu schaffen. Findige Radler wussten sich bisher zu helfen: Spuren im Bankett zwischen Straße und Radweg zeigen, dass hier eifrig von dem Radweg auf die Fahrbahn gewechselt wurde, weil die Fortsetzung auf dem Wirtschaftsweg offenbar nicht dorthin führt, wo die Radler hinwollten. Dem hat der Landesbetrieb Straßen.NRW nun einen Riegel vorgeschoben, indem die Leitplanke um ca. 500m Richtung Eschmar verlängert wurde. Wer aus Richtung Eschmar nun über die L332 Richtung Mondorf fahren will, muss den neuen Radweg schon an der Ampel bei Eschmar links liegen lassen und auf die Fahrbahn wechseln
– allerdings die ersten 500 m ohne einen nutzbaren Seitenstreifen. In einer Sitzungsvorlage für den Umwelt- und Verkehrsausschutz am 07.05.2020 empfiehlt die Stadtverwaltung Troisdorf, Radfahrende mit einer Beschilderung auf eine Ausweichroute entlang der Industriebahn zu verweisen. Nicht jeder kann während der Corona-Krise andauernd zu Hause bleiben. Wer das Haus verlassen muss, etwa
auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen, fragt sich, wie er am besten zum Ziel kommt. Bus und Bahn sind derzeit wenig empfehlenswert, da sich hier die geforderten Mindestabstände kaum einhalten lassen. Ganz anders das Radfahren: Hier sorgen schon die Abmessungen des Fahrrads für eine gewissen Abstand. Bewegung an der frischen Luft stärkt das Immunsystem und sorgt auch für
sportlichen Ausgleich in Zeiten, wo Sporthallen und Fitnessstudios geschlossen sind.

„Der Schildbürgerstreich, den neuen Radweg und die alten Seitenstreifen an dieser Stelle nicht zusammenzuführen, muss dringend beseitigt werden!“, fordert Peter Lorscheid, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC für den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Im Gegensatz zu den Ausführungen der Stadtverwaltung sei der Weg entlang der Bahn über die sog. „Balkanroute“ zwar sicher, aber eben nicht komfortabel. Das gefaste Pflaster führe zu ständigen Vibrationen, in Bergheim an der
Glockenstraße stehe eine sehr lästige Umlaufsperre und vor allem sei der Umweg viel zu groß. Von der Ampel bei Eschmar bis zur Ampel in Mondorf sind es über die L332 1,9 km, der nun empfohlene Umweg über die Balkanroute ist von Ampel zu Ampel mit 3,4 km fast doppelt so weit. Auch die zweite von der Verwaltung vorgeschlagene Variante entlang des Mondorfer Sees ist mit 2,5 km deutlich länger, zudem nicht durchgängig asphaltiert und auf Niederkasseler Stadtgebiet in sehr schlechtem Zustand. Beide Routen sind zudem insbesondere im Dunkeln durch mangelnde soziale Sicherheit geprägt, da sie abseits der Hauptstraßen verlaufen. 

„Aus unserer Sicht muss die durchgehende Benutzbarkeit der L332 dringend wiederhergestellt werden“, fordert Lorscheid. Dazu müssten die Seitenstreifen auf der L332 aufgegeben werden und der Radweg, abgetrennt durch eine Leitplanke, mindestens bis an die Straße „Am Kalkofen“ verlängert werden. Dort wäre eine Querungshilfe angebracht, die zugleich auch den Nutzern des Radwegs entlang „Am Kalkofen“ helfen würde. Stadtverwaltung und Landesbetrieb sind aufgefordert, hier so schnell wie möglich für eine Umsetzung zu sorgen. Eigentlich schreibe die Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung eine Querungshilfe am Ende eines linksseitigen Radwegs zwingend vor, betont Lorscheid – „dem kann man sich doch nicht entziehen, indem man die Radfahrer einfach auf irgendeinen Wirtschaftsweg abdrängt!“


Begründet werde die Verlängerung der Leitplanke auch damit, dass man Radfahrende davon abhalten wolle, den in Richtung Mondorf linksseitigen Seitenstreifen zu nutzen, sagt Lorscheid. „Nur wird die Maßnahme dieses Problem nicht lösen, denn die Linksradler vor allem treten auf, wenn Radler vom Gewerbegebiet Bergheim (Glockenstraße) ins nahe Mondorf fahren möchten“, kritisiert Lorscheid. Was hier helfen würde, wären Querungshilfen, „Am Kalkofen“ und eben auch an der Glockenstraße. Gerade die Kreuzung der Glockenstraße mit der Rheinstraße/L332 sei ohnehin als unfallträchtig bekannt, sodass eine Querungshilfe hier helfen würde. „Ohne dass es allzuviel Geld gekostet hätte, hätte man all das wunderbar umsetzen können, als vor einigen Jahren die Fahrbahn der L332 zwischen Mondorf und der Eschmarer Neubaustrecke komplett saniert wurde“, sagt Lorscheid. Jetzt werde es dringend Zeit, das Versäumte nachzuholen. 

 

 


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