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ADFC legt Widerspruch gegen Ausbau des Tausendfüßlers ein

04.11.20
Kategorie: Verkehrspolitik

Protest gegen Ausbau und für Radschnellweg © Bernhard Meier


Fahrradclub verlangt zwingend Radschnellweg und Reduzierung der Flächen für den Autoverkehr – Mehr Rücksicht auf Anwohner und Umwelt

Der ADFC Bonn/Rhein-Sieg hat im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für den Ausbau der A565 durch Bonn in einer umfangreichen Stellungnahme an die Bezirksregierung in Köln Einspruch erhoben. Hauptkritikpunkt ist die fehlende Planung für einen Radschnellweg entlang der Trasse. Den Radschnellweg am Bauwerk Tausendfüßler hatten bereits vor drei Jahren zunächst der ADFC und dann auch der Rat der Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis gefordert. Inzwischen schreibt Bundesrecht sogar Radschnellwege entlang von Autobahnbrücken vor. Während die Regierungsfraktionen von CDU und FDP vor wenigen Tagen beantragt haben, einen Radschnellweg an der neu zu bauenden Ruhrtalbrücke der A52 zwischen Essen und Düsseldorf zu bauen, lehnt das Landesverkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) entlang der A565 (Tausendfüßler und Nordbrücke) in Bonn ab.

„Das Land misst mit zweierlei Maß. Was über der Ruhr geht, muss am Tausendfüßler und über dem Rhein auch gehen“, fordert Bernhard Meier, stellvertretender Vorsitzender des ADFC Bonn/Rhein-Sieg. „Erst verzögert der Landesverkehrsminister zwei Jahre lang die Beauftragung der gemeinsamen Planung von Tausendfüßer und Radschnellweg. Dann sagt er, eine gemeinsame Planung geht nicht, weil sie den Baustart für den erneuerungsbedürftigen Tausendfüßler verzögern könnte.“ Inzwischen hat das Land selbst den Baustart um ein Jahr verschoben – allerdings nicht wegen des Radschnellweges. Zudem läuft das Projekt schon vor dem Baubeginn finanziell aus dem Ruder.

Der massive Ausbau der A565 durch Bonn (Baubeginn verschoben auf 2023, Kosten 300 Millionen, geplante Bauzeit 5,5 Jahre) von zwei Fahrstreifen ohne Standstreifen (20 m Breite) auf zukünftig drei Fahrsteifen je Richtung plus Standstreifen (40 m Breite) ist nach Ansicht des ADFC nicht mit den Zielen des Klimaschutzes und der Verkehrswende in Übereinstimmung zu bringen. Der vor dem Oberverwaltungsgericht zwischen Stadt, Land und Deutscher Umwelthilfe geschlossene Vergleich zur Luftreinhaltung wird ignoriert (S. 10 des ADFC-Einspruchs).

Die Planungsunterlagen basieren laut ADFC auf veralteten Daten, berücksichtigen weder Verkehrsverlagerungen durch andere Planungen noch die langfristigen Auswirkungen der Coronapandemie auf das Mobilitätsverhalten der Menschen. Der Ausbau der Autobahntrasse werde die Luftqualität in Bonn verschlechtern, mehr Verkehrslärm und weniger Verkehrssicherheit bringen. Anlieger werden jahrelang gesundheitlich schädlichem Baulärm und baubedingten Erschütterungen ausgesetzt. Zahlreiche Gebäude werden dauerhaft verschattet, kritisiert der ADFC.

Im Detail bemängelt der ADFC in seiner 22-seitigen Stellungnahme:

·         Widersprüchliche Angaben zur Restnutzungsdauer, um Zeitdruck zu erzeugen (S. 4)  ·         Ignorierung des aktuellen Bundesfernstraßengesetzes (S. 6)
·         Abwälzung der Zuständigkeit für den Radschnellweg auf die Kommunen (S. 6)
·         Unzureichende Datengrundlage für die Ausbauplanung (S. 12)
·         Fehlende Berücksichtigung der Verkehrsveränderungen durch Corona (S. 13)
·         Fehlende Berücksichtigung des durch den Ausbau induzierten Verkehrs (S. 14)
·         Baulärm, Verkehrssicherheit, Verschattung und Beeinträchtigung von Frischluftschneisen             (S. 18 bis 21)

Der ADFC schlägt vor:

·         Bau eines Radschnellweges unter Verzicht des Standstreifens und/oder eines dritten               Fahrstreifens (S. 7)
·         Alternativ Bau eines Radschnellweges über, unter oder an der Autobahn, entsprechend      ähnlicher Projekte wie unter der Autobahnbrücke in Itzling/Salzburg, unter der Praterbrücke      und der Reichsbrücke in Wien (beides Donaubrücken) oder unter der Stephanibrücke über die Weser in Bremen.

Deshalb verlangt der ADFC Bonn/Rhein-Sieg eine Überarbeitung der vorgelegten Pläne bzw. eine Neuplanung der Sanierung der A565, die eine Trasse für einen neu zu bauenden Radschnellweg einschließt, der Teil einer regionalen Radschnellwegeverbindung zwischen Rheinbach über Alfter-Witterschlick und Bonn-Endenich entlang des Tausendfüßlers und über die Nordbrücke bis nach Troisdorf und Niederkassel sein wird.

 

 


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