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ADFC: Corona-Krise nutzen, um Radverkehr zu stärken

29.04.20
Kategorie: Verkehrspolitik

© ADFC / April Agentur


Brief an OB Sridharan: Bike Lanes auf B9 und B56 – Ampelphasen für Radverkehr optimieren – Tempo 30 als Regel – Fußgängerzonen öffnen

Den stark gesunkenen Autoverkehr in Bonn infolge geschlossener Geschäfte und Firmen sollte die Stadt nach Meinung des ADFC nutzen, um eine Neuaufteilung der Verkehrsflächen auf ausgewählten Strecken zu testen. „Jetzt haben wir die einmalige Chance, die fehlenden Ost-West- und Nord-Süd-Trassen des Radverkehrs auf B9 und B56 mit einfachen Markierungen einzuführen und ihre Alltagstauglichkeit zu testen“, erklärt der Verkehrspolitische Sprecher des ADFC in Bonn, Werner Böttcher. „Auch Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in der Stadt sowie verbesserte Ampelphasen, die Radfahrern auf ihren Hauptstrecken Vorrang einräumen, lassen sich jetzt prüfen.“

Dabei verweist der ADFC darauf, dass der Radverkehr aktuell auf vielen Pendler- und Freizeitstrecken im Vergleich zum Vorjahr zugenommen hat. Dafür hat der ADFC die Märzdaten der Dauerzählstellen verglichen. „Auf der Kennedybrücke lag die Frequenz des Radverkehrs im März trotz Corona auf dem hohen Vorjahresniveau, auf dem Beueler Rheindamm, am Rheinufer in Bonn und Bad Godesberg sowie auf dem Radweg Brühler Straße liegen die Verkehrsdaten sogar klar über dem Vorjahr“, so Böttcher. Gleichzeitig hat sich jedoch der Autoverkehr etwa halbiert, die Zahl der Bus- und Bahnnutzer ist noch stärker zurück gegangen. „Der Radverkehr spielt derzeit eine zentrale Rolle in der Nahmobilität der Bonner“, so ADFC-Vorsitzende Annette Quaedvlieg.

In einem Brief an Oberbürgermeister Ashok Sridharan hat der ADFC mehrere konkrete Vorschläge präsentiert, die die Stadt kurzfristig umsetzen soll:

Temporäre Radspuren

Einrichtung durchgehender Fahrradspuren auf

  • B56 zwischen Beuel (Niederkasseler Straße/Königswinterer Straße) über Kennedybrücke und Bertha-von-Suttner-Platz, Oxfordstraße und Berliner Platz bis zum Alten Friedhof
  • B9 (Adenauerallee) zwischen Bundeskanzlerplatz und Bertha-von-Suttner-Platz

Fahrradfreundliche Ampelschaltungen

Ampelschaltungen an Strecken mit hoher Fahrradfrequenz sollen stärker auf den Radverkehr ausgerichtet werden

Öffnung Fußgängerzonen

Die Fußgängerzonen in Bonn und Bad Godesberg sollen komplett für den Radverkehr geöffnet werden

Linksrheinische Pendlerrouten

Zwei der vom ADFC ausgearbeiteten Pendlerrouten hat der Rhein-Sieg-Kreis in den vergangenen Tagen linksrheinisch markiert. Die Markierungen enden derzeit noch an der Bonner Stadtgrenze und sollten kurzfristig vervollständigt werden.

Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit

Die vorhandenen Tempo-30-Bereiche in der Stadt sollten ausgeweitet werden, insbesondere auf den genannten Versuchsstrecken. Darüber hinaus soll die Stadt zur Erhöhung der Verkehrssicherheit im Rahmen eines Verkehrsversuchs Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit anordnen.

Kölner OB macht's vor

Anders als der Bonner OB hat die Kölner Oberbürgermeisterin inzwischen die Forderungen der Radverkehrsverbände aufgegriffen. In einem Brief vom 28.04. an NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst bittet Oberbürgermeisterin Henriette Reker den Minister, die Möglichkeit zu schaffen, die Radwegbenutzungspflicht innerorts grundsätzlich aufheben zu können, um die Verkehrsverhältnisse auf den Radwegen schnell entzerren zu können. „Um auf allen Fahrbahnen, die dann von Radfahrenden mitgenutzt werden können, sichere Verkehrsverhältnisse zu schaffen, müsste ebenfalls temporär die Höchstgeschwindigkeit innerhalb der geschlossenen Ortschaft grundsätzlich und ohne Anpassung der Beschilderung auf 30 Stundenkilometer begrenzt werden“, schreibt Reker weiter.
 
Die Reaktion in Bonn

Das Büro des OB bat inzwischen bis zur abschließenden Antwort um Geduld, „da innerhalb der Verwaltung verschiedene Fachdienststellen zu beteiligen sind.“ Bei dem bekannten Tempo, das die Stadtverwaltung in Verkehrsfragen vorlegt, darf man gespannt sein, was eher kommt: Die Antwort oder das Ende der Pandemie.

 

 


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