Siegburg beim Fahrradklima weiter nur Mittelmaß - Kritische Stimmen zu Abstellanlagen und Fußgängerzone

Mit einer Gesamtnote von 4,2 liegt Siegburg beim Fahrradklimatest 2018 im kreisweiten Vergleich weiterhin im Mittelfeld. Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Verwaltung der Stadt Siegburg hat der ADFC Bonn/Rhein-Sieg heute die Ergebnisse des Fahrradklimatests für Siegburg vorgestellt. Der Fahrradklimatest ist eine bundesweit durchgeführte Befragung der Radfahrenden; die Befragung wird vom Bundesverkehrsministerium gefördert und ist weltweit die größte ihrer Art. In Siegburg haben sich 263 Fahrradfahrende beteiligt, fast doppelt so viele wie bei der vorangegangenen Befragung 2016. Die Befragten bewerteten ihre Stadt oder Gemeinde hinsichtlich 27 fahrradbezogener Kriterien auf einer Schulnotenskala von 1-6; die Ergebnisse der im Herbst 2018 durchgeführten Befragung liegen nun vor. (Eine Übersicht der Ergebnisse für Siegburg kann hier aufgerufen werden)

Das Ergebnis von Siegburg hat gegenüber 2018 geringfügig um 0,1 Skalenpunkte nachgegeben. Siegburgs Ergebnis ist damit einigermaßen stabil, liegt aber weiterhin merkbar schlechter als das bundesweite Ergebnis vergleichbar großer Städte (3,9). „Für Siegburg – einer Stadt der kurzen Wege mit nur wenigen entfernt liegenden Ortsteilen – sehen wir erhebliches Fahrradpotenzial, wenn denn das Fahrradklima in der Stadt besser wird“, sagt Sebastian Gocht, Sprecher der ADFC-Ortsgruppe Siegburg. Bürgermeister Franz Huhn, selbst regelmäßig mit dem Fahrrad in Siegburg unterwegs, betont, dass man das Ergebnis, auch wenn es nicht repräsentativ sei, ernst nehme.

Als besonders positiv nehmen die befragten Radfahrer in Siegburg die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung wahr. Hier erreicht Siegburg mit 3,0 die beste Bewertung und liegt damit auch vor anderen Städten vergleichbarer Größe. Schwach sind demgegenüber die Bewertungen vor allem für Falschparkerkontrolle (4,9) und Ampelschaltungen (4,8).

Verschlechterungen im Vergleich zu 2016 sehen die Radfahrenden vor allem beim Sicherheitsgefühl, bei Abstellanlagen und bei der Fahrradförderung. Insbesondere die Unzulänglichkeiten beim Fahrradparken lägen auf der Hand, beklagt Peter Lorscheid, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC: „Die Abstellanlagen am ICE-Bahnhof sind völlig unterdimensioniert – eigentlich bräuchte es ein auch für Gelegenheitsparker attraktives Fahrradparkhaus.“

Die ADFC-Sprecher bemängeln, dass „bei den Radfahrenden offenbar keine aktuellen Maßnahmen zur Fahrradförderung ankommen.“ Schaut man sich die von den Teilnehmenden geäußerten Kritikpunkte an, vermissen diese zu allererst eine Möglichkeit, die Fußgängerzone mit dem Rad zu durchqueren. Deutliche Kritik wird auch an zu schmalen und zu nah neben parkenden Autos verlaufenden Schutzstreifen geäußert. Für den Bahntrassenradweg wird eine geänderte Vorfahrtregelung vermisst, sodass die Drängelgitter den Radverkehr nicht weiter unnötig stören.

 Die Stadtverwaltung möchte die Maßnahmen, die sie zur Verbesserung des Radverkehrs ergreift, künftig noch stärker publik machen. „Als erstes werden wir verstärkt Falschparker auf Radwegen kontrollieren“, kündigt Bürgermeister Huhn an und betont, dass dies eine konkrete Reaktion auf die schwache Bewertung dieses Kriteriums beim aktuellen Fahrradklimatest sei.

(Pressemitteilung von Peter Lorscheid)

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