Radfahren

Pedelec-Probefahrt mit dem Diamant Zouma Sport +

20.11.12

Das Diamant Zouma Sport + (Modell 2011) ist mit dem Bionx-Heckmotorsystem ausgestattet. Es handelt sich bereits um den neuen 48 V Motor, der für seinen kraftvollen Antritt bekannt ist. Der Antrieb bietet vier Unterstützungsstufen (35%, 75%, 150%, 300% der aufgewendeten Muskelkraft beim 250 Watt HT Motor) und eine vierstufige elektrische Bremse. Die ideale Trittfrequenz liegt bei etwa 80 Umdrehungen pro Minute. Der Händler kann die Unterstützungsstufen durch Programmierung der Steuerung nachträglich verändern.

Tatsächlich beeindruckt der Antrieb durch seinen mächtigen Anschub. Wählt man die stärkste der vier Unterstützungsstufen (300%) und tritt kräftig - aber im Sitzen - an, erreicht das Rad auf einem leicht ansteigendem Abschnitt der Erzbahntrasse bereits nach drei(!) Kurbelumdrehungen die elektrisch unterstützte Höchstgeschwindigkeit von gut 25 km/h. Zum Schalten bleibt gar keine Zeit mehr, man muss zum Anfahren den Gang nutzen, mit dem man auch ohne elektrische Unterstützung die 25 km/h erreicht.

Von einer harmonischen Kraftentfaltung kann bei diesem Experiment keine Rede mehr sein, der Anschub hört ebenso schnell wieder auf, wie er begonnen hat. Da das Rad keine Anfahr- bzw. Schiebehilfe hat, erfordert die erste Vierteldrehung der Kurbel bis zum Einsetzen der Motorkraft dabei eine gute Kondition. Die Unterstützung beginnt erst, wenn die Fahrgeschwindigkeit über 1 km/h liegt. Ungeübte Fahrer können mit der Situation leicht überfordert sein.

Die höchste Unterstützungsstufe scheint mir nur sinnvoll, wenn kundige Radler andere beim Ampelstart oder mit Sprinteinlagen beim Überholen beeindrucken wollen. Auch am Berg kann diese Stufe entlasten, wenn der Muskelakku leer, der elektrische aber noch voll ist. Meist ist aber auch der Stromakku leeer, wenn die Beine müde werden.

In den unteren Unterstützungsstufen kommt eine andere, ebnso beindruckende Eigenschaft des Antriebs zum Tragen: Man hört, sieht und spürt nichts vom Motor im Hinterrad. Der Antrieb geht lautlos und ohne jede Vibration zu Werke, der Übergang von der elektrischen Unterstützung zur reinen Muskelkraft ist nicht spürbar.

Im Gegensatz zum Tretlagerantrieb kann der Heckmotor nicht mit einer Nabenschaltung kombiniert werden. Das Testrad hatte eine 27-Gang Kettenschaltung und war damit für alle Fälle gerüstet. nachteilig ist, dass man so nicht wie bei einer Nabenschaltung beim Anfahren am Berg den richtigen Gang im Stand einstellen kann.

Mit Hilfe der vierstufigen elektrischen Bremse, die den Motor als Generator einsetzt, kann man mit etwas Geschick längere gleichmäßige Gefällestrecken ohne Einsatz der Handbremsen hinunterfahren, wobei man die Geschwindigkeit nur über die Bedienkonsole reguliert. Auch wenn man die Handbremse betätigt, schaltet der Antrieb automatisch auf die Bremsfunktion um, wie am Display abzulesen ist. Droht bei starkem Gefälle Überhitzung des Motors, schaltet sich die elektrische Bremse selbsttätig wieder aus. Dann sollten die Handbremsen einsatzbereit sein.

Der Unterstützungsgrad kann während der Fahrt am Display verändert werden. Die Bedienung ist sehr einfach. Eine Anfahrhilfe kann nachträglich ergänzt werden. Der Schalter am Lenker bietet dann über zusätzliche Taster auch die Möglichkeit, die Unterstützungsstufen einzustellen, ohne die Hand vom Lenker zu nehmen.

Auf der Erzbahntrasse war es problemlos möglich, mit 25 km/h als Dauergeschwindigkeit zu fahren. Erreicht man die maximal unterstützte Geschwindigkeit, regelt der Motor unauffällig herunter und schaltet dann ganz ab. Dieser Übergang ist gut gelöst. Es gibt kein unvermitteltes, störendes Ein- und Abschalten des Antriebs. In den beiden unteren Stufen tritt die Motorkraft nie in den Vordergrund.

Der Bosch- und der Bionx-Antrieb haben jeweils ihre besonderen Stärken. Welches System das bessere ist, hängt von den persönlichen Vorlieben und dem eigenen Fahrverhalten ab. Man muss es selbst probieren.

Wer selbst verschiedene Antriebssysteme zur Probe fahren möchte, hat Sonn- und Feiertags bei schönem Wetter auf der Erzbahntrasse Gelegenheit dazu. Die Firma Fahrrad-XXL Meinhövel aus Gelsenkirchen hat einen Servicestand am Einmannbunker am Abzweig Zollverein und bringt immer eine Auswahl verschiedener Pedelecs mit unterschiedlichen Antriebssystemen für kostenlose und unverbindliche Probefahrten mit.

Für einen aussagekräftigen Test empfiehlt sich eine Fahrt von der Pfeilerbrücke zur Zeche Hannover und zurück. Die Steigungen beiderseits der Hüller-Bach-Straße sind bestens geeignet, Stärken und Schwächen des Antriebs zu offenbaren, besonders beim Anfahren am Berg. Die Fahrt auf der asphaltierten, leicht hügeligen Erzbahntrasse vermittelt perfektes Pedelec-Feeling.


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