Stellungnahme zur Planung Steinring

07.11.19

Beschlussvorlage der Verwaltung Nr.: 20192368/1

Im Ratsinformationssystem der Stadt Bochum sind die Planungen zur Um- bzw. Neugestaltung des Steinringes zwischen Oskar-Hoffmann-Straße und Wittener Straße seit einigen Tagen eingestellt (Beschlussvorlage der Verwaltung 20192368/1). In der Sitzung des Ausschusses für Infrastruktur und Mobilität (AIM), TOP 1.1 (12.11.2019, 15:00 Technisches Rathaus) soll diese Planung beschlossen werden.

Im Vergleich zur ersten vorgestellten und zurückgezogenen Planung (siehe Verwaltungsvorlage 20192368 zur Sitzung am 10.09.2019,TOP 1.3, AIM) ist diese Planung eine Verbesserung gerade im Hinblick auf die Verkehrssicherheit für die Radelnden in Richtung Wittener Straße.

Allerdings stellt sich der ADFC Bochum die Frage: Warum so kompliziert, aufwändig und damit teuer auf der einen Seite, warum so billig und verkehrsunsicher auf der anderen Seite?

Radfahrende, die den Steinring geradeaus Fahrtrichtung Wittener Straße fahren wollen, bzw. links in die Wittener Straße (FR Zentrum) abbiegen wollen, sollen mittels Vorsignalisierung in eine sogenannte Fahrradschleuse geleitet werden (Siehe auch Empfehlungen für Radverkehrsanlagen, Ausgabe 2010, Seiten 45 ff, Bild 49).

Was heißt das genau? Während der motorisierte Individualverkehr in Richtung Wittener Str. ungehindert fahren darf und eventuell bei Grün den Knotenpunkt passieren kann, werden die o.g. Radelnden an der Vorsignalisierung angehalten, um dann, wenn der MIV (motorisierte Individualverkehr) „Rot erhält“ bei Grün der Vorsignalisierung sicher in die Fahrradschleuse „eingelassen zu werden“? Ist dann die eigentliche Ampel Steinring immer noch Grün, damit die Radelnden –sofort- geradeaus fahren bzw. links abbiegen können? Andere Alternative: Radelnde erhalten mittels Vorrangschaltung an der Vorsignalisierung „Grün“ vor dem MIV und können dann bei „Grün“ der „Hauptampel“ vor dem MIV die Kreuzung (geradeaus und links) passieren. Leider geht die Verwaltungsvorlage auf diese Einzelheiten nicht ein. Im schlimmsten Fall, und dies ist auch möglich, erfahren Radelnde zwei Mal einen Zwangsstopp (Rot Vorsignalisierung und Rot Hauptampel) während der MIV ungehindert bei zwei Mal Grün durchfahren kann? Diese letztgenannte Phasenschaltung ist für den ADFC-BO inakzeptabel und würde wahrscheinlich auch bei einem Teil der Radfahrenden „Fehlverhalten“ provozieren (Rotlichfahrten u.ä.). Die gewünschte Verkehrssicherheit wäre somit „dahin“.

Grund für diese komplexe Verkehrsführung ist die Annahme, zwei Fahrstreifen in Fahrtrichtung Wittener Straße seien notwendig.

Aus einem Verkehrsgutachten ging die Vorgabe hervor, dass weiterhin 2 Fahrstreifen in dieser Richtung notwendig sind, um die Kapazität der Lichtsignalanlage beizubehalten. Im Kreuzungsbereich teilt sich der linke Fahrstreifen in zwei auf: die Richtung geradeaus und links. Der rechte Fahrstreifen wird zum Rechtsabbieger. Dies wird durch Markierung und Beschilderung kenntlich gemacht.“

Wir kennen dieses Gutachten nicht, die Verwaltung hat auch keine Fundstelle hinterlegt. Somit ist uns nicht bekannt, von wann dieses Gutachten ist. Die zwischenzeitlich erfolgten Beschlüsse zum Leitbild Mobilität gehen von einer deutlichen Änderung der Verkehrsmittelwahl aus, Verringerung des MIV zugunsten des ÖPNV und des Fahrradverkehrs. Das funktioniert aber nur, wenn auch die Infrastruktur angepaßt wird. Hier liegt eine Planung vor, die nicht die neuen verkehrspolitischen Beschlüsse berücksichtigt und mit dem gleichen, bzw. mit zunehmendem Kraftfahrzeugverkehr kalkuliert. 

Der ADFC-Bochum bezweifelt die Notwendigkeit von zwei Fahrstreifen in der genannten Fahrtrichtung; zumal eventuell der Knotenpunkt Oskar-Hoffmann-Str. / Steinring zu einem Kreisverkehr umgebaut werden soll, so dass der MIV –höchstwahrscheinlich- einspurig in Fahrtrichtung Wittener Straße „entlassen“ wird.

Bei einer Einspurigkeit hätte die Stadt Bochum nach unserem Ermessen genügend Platz für eine schnelle und sichere Radverkehrsführung vor und in dem Kreuzungsbereich ohne diese komplizierte, teure und möglicherweise ineffiziente (Phasenlängen aller Fahrtrichtungen würden durch die Vorsignalisierung betroffen sein, es sei denn die Radfahrer führen zwei Mal gegen „Rot“, wie oben dargestellt) „Fahrradschleusenlösung“!

In Fahrtrichtung Universitätsstraße wird die mangelhafte Konsistenz der Radverkehrsplanung noch deutlicher. Am letzten Haus vor der Kirche endet der Radfahrstreifen  und der Radfahrer wird auf den Gehweg geleitet, der für Radverkehr freigegeben wird. Für den auf der Fahrbahn weiterfahrenden Radfahrer ist keine Einfädelspur in den fließenden KfZ-Verkehr eingeplant. (Beschlussvorgabe der Verwaltung Nr. 20192368/1).

Mit anderen Worten: Die Autofahrer werden an dieser Stelle plötzlich mit nicht ängstlichen Radfahrern konfrontiert, die sich wie aus dem Nichts auf die Fahrbahn drängen müssen. Ausweichen können sie nicht, da sich hier bereits die Linksabbieger für die Weiterfahrt auf dem Steinring befinden. Der ADFC war eigentlich der Überzeugung, dass diese Form der Radverkehrsführung, die in Bochum noch an zahlreichen Stellen zu finden ist, der Vergangenheit angehören und solche hoch gefährlichen Situationen in keiner aktuellen Planung mehr auftauchen würden.

Außerdem ist die Freigabe des Gehweges für „unsichere Radfahrer“ ein planerisches Armutszeugnis. In der Broschüre „Radfahren in Nordrhein-Westfalen“ des Ministeriums für Verkehr des Landes heißt es lapidar und eindeutig: „Grundsätzlich sind Gehwege den Fußgängern vorbehalten“. Sollte dem ein Schild „Radfahren frei“ beigefügt werden, sind Radfahrer dort „zu Gast“ und dürfen nur im Schritttempo fahren.

Auch für den Radverkehr müssen die Prinzipien von Leichtigkeit und Flüssigkeit im Verkehr gelten. Über allem muss die sichere Verkehrsführung stehen. Der hohe Aufwand für die Schleusenführung an der Wittener Straße steht in krassem Widerspruch zur Billiglösung am Abzweig Oskar-Hoffmann-Straße, Steinring. Hier fordert der ADFC, wenn auch nur für einige Jahre bis zum Umbau des Knotens, eine verkehrssichere Führung für den zunehmenden Fahrradverkehr.

Der ADFC begrüßt ausdrücklich die vom Oberbürgermeister öffentlich bekundeten Absichten, langfristig alle Radialstraßen mit durchgängigen Radwegen/ Radfahrstreifen auszustatten und Radfahren auf dem Innenstadtring möglich zu machen. Dieses Bekenntnis zur Verbesserung der Infrastruktur des Bochumer Radverkehrs ist eine notwendige Voraussetzung um den geplanten Anstieg des Radverkehrs zu erreichen. Die Planung zur Neugestaltung des Steinrings atmet noch einen anderen Geist.

Der ADFC Bochum wünscht sich eine Entschärfung der Planung. Gerne stehen wir für Gespräche zur Verfügung.

 

Gerlinde Ginzel, Christoph Lotz, Georg Puhe, Ralf Böhm und Bernhard Raeder

 


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