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Pedelecs 2014: Tests und Trends

13.04.14
Kategorie: Bochum, Technik

Pedelec-Fahrtraining macht Spaß.


ElektroRad, ExtraEnergy, ElektroBike und e-bike haben ihre großen Frühjahrstests veröffentlicht.

Die ADFC RadWelt stellt im Heft 2/2014 aktuelle Pedelecs vor und spricht von der Generation 2.0. Tatsächlich haben alle wichtigen Konkurrenten neuentwickelte Versionen ihrer Pedelec-Antriebe auf den Markt gebracht und schließen damit zum Marktführer auf.

  • Bosch ergänzt die "Classic-Line" um die neuen Active- und Performance-Motoren.
  • Der Impulse 2.0 Antrieb von Derby-Cycle ist komplett neu konstruiert.
  • Ganz  neu ist auch der Panasonic-Mittelmotor 2.0.
  • Yamaha hat mit der Next Generation ebenfalls einen neuen Mittelmotor-Antrieb.

Dazu kommen Mittelmotoren von MPF, TranzX PST und ab Frühjahr 2014 auch Shimano.

Bosch hat mit seinem Innovationstempo mächtig Druck ausgeübt und mittlerweile einen Marktanteil von 40 % erreicht. Tretlagerantriebe von Bosch und den Konkurrenten dominieren das Angebot. Vorderradmotoren spielen im Niedrigpreissegment aus Kostengründen weiter eine Rolle, können aber mit den technisch anspruchsvolleren Tretlagerantrieben nicht mithalten.

Auch bei den Hinterradmotoren gibt es interessante Neuentwicklungen. Gerade im relativ neuen Bereich der Mountainbikes mit Motorunterstützung werden neben Mittelmotoren auch Hinterradmotoren eingebaut. Panasonic hat einen Hinterradmotor mit Getriebe entwickelt, der nicht größer ist als eine Nabenschaltung. Umgekehrt gibt es einen neuen Motor von BionX (D-Serie), der durch seinen ungewöhnlich großen Durchmesser auffällt. Beide Lösungen wollen den prinzipbedingten Nachteil der Direktläufer im Hinterrad lösen: Geringes Anfahrdrehmoment und Überhitzungsgefahr bei hoher Last und geringer Geschwindigkeit am Berg. Für das Handling ist es aber besser, wenn Motor und Akku nahe am Tretlager eingebaut sind. Das verlagert den Schwerpunkt in die Mitte und nach unten.

Mittelmotoren harmonieren besonders gut mit Nabenschaltungen, besonders mit der stufenlosen NuVinci und ganz besonders mit der automatischen NuVinci Harmony. Kettenschaltungen sind in Kombination mit Mittelmotoren auf zehn Gänge begrenzt, da nur ein Kettenblatt möglich ist. Ein Ausweg ist die von Sram angebotene Kombination von Naben- und Kettenschaltung, die durch eine 3-Gang-Nabe wie eine Kettenschaltung mit drei Kettenblättern bis zu 30 Gänge ermöglicht.

Der neue Impulse 2.0 Antrieb und der kommende STEPS-Antrieb von Shimano ermöglichen unterbrechungsfreies Schalten, da der Motor von sich aus eine winzige Pause macht, um der Nabenschaltung den Gangwechsel zu ermöglichen. Nabenschaltungen sind unter Last nicht schaltbar. Auch bei Kettenschaltungen kann der ununterbrochene Kettenzug eines kräftigen Mittelmotors am Berg zu krachenden Schaltvorgängen führen.

Pedelecs der neuesten Generation haben keinen Dynamo mehr. Weil seit August 2013 bei allen Fahrrädern Batteriebeleuchtung zulässig ist, darf bei Pedelecs der Strom für das Licht jetzt aus dem Akku kommen. Bisher war ein Dynamo Pflicht. Nachteil: Wer ohne Akku unterwegs ist, hat kein Licht mehr.

Insgesamt befindet sich des Pedelec-Angebot 2014 technisch auf einem hohen Niveau. Es gibt fast nur noch gute Pedelecs in den Tests, was auf der anderen Seite mit einem relativ hohen Preisniveau korrespondiert. Die 58 von ElektroRad getestesten Pedelecs zum Beispiel kosten zwischen 1.450 € und 5.870 €. Am häufigsten sind Preise zwischen 2.300 € und 2.700 €. Unter 2.000 € finden sich nur Modelle mit Vorderradmotor. Ersatzakkus kosten zwischen 500 €und 900 €. Der Akku für den am häufigsten verkauften Bosch-Antrieb liegt bei etwa 650-700 €.

Dem gegenüber stehen die technisch minimalistischen Pedelecs mit Vorderradmotoren der Discounter und Baumärkte, die ab etwa 700 € angeboten werden.

Da der Pedelec-Markt bedingt durch den starken Konkurrenzdruck und das hohe Innovationstempo sehr schnelllebig ist, gibt es aber fast immer auch Sonderangebote oder Vorjahresmodelle, die technisch auf dem aktuellen Stand, aber im Vergleich zu den neuesten Modellen deutlich günstiger sind.

Die aktuellen Testberichte von

  • ElektroRad (58 Pedelecs getestet in Heft 1/2014)
  • ElektroBike (56 Pedelecs in Zusammenarbeit mit ExtraEnergy getestet in Heft 1/2014)
  • e-bike (42 Pedelecs getestet in Heft 1/2014)
  • und natürlich RadWelt (6 Pedelecs mit sechs verschiedenen Antrieben in Heft 2/2014)

können beim ADFC Bochum im Umweltzentrum, Alsenstraße 27, eingesehen und diskutiert werden. 

Die Testergebnisse des ExtraEnergy-Tests werden im April 2014 auch im ExtraEnergy Magazin Nr. 9 veröffentlicht.

Mittlerweile sind in Deutschland etwa 1,7 Millionen Pedelecs unterwegs. 2014 sind E-Mountainbikes voll im Trend. Aber auch interessante Nischen werden besetzt: Lastenräder, Liegeräder, Rennräder, Falträder, Kompakträder, Tandems oder Reha-Pedelecs sind mit elektrischer Unterstützung erhältlich. Insgesamt gibt es etwa 2000 verschiedene Modelle. Die Käufer werden immer jünger: Schon 2012 stellten die unter 50-Jährigen mit 60 % die Mehrheit der Pedelec-Käufer. Jüngere Pedelec-Fahrer setzen ihr Rad typischerweise im städtischen Alltag ein. Ältere Pedelec-Nutzer sind häufiger in der Freizeit auf Radtouren unterwegs.

Im Jahr 2013 sind die Pedelec-Verkäufe in Deutschland um knapp acht Prozent auf 410.000 verkaufte Exemplare gestiegen. Damit haben E-Bikes mittlerweile einen Marktanteil von elf Prozent, wie die aktuellen Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands ZIV verraten. Pedelecs machen 95 % der Verkäufe aus, die restlichen 5 % entfallen auf S-Pedelecs (max. 45 km/h) und E-Bikes, die rein elektrisch fahren können.

Fast überall in Europa werden mehr Fahrräder als Autos gekauft. In Deutschland waren es 2012 vier Millionen Fahrräder, aber nur drei Millionen Pkw.


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