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Oskar-Hoffmann-Straße: Hauptsache Parkplätze

02.12.12
Kategorie: Verkehrspolitik
Oskar-Hoffmann-Straße

Wildes Parken an der Oskar-Hoffmann-Straße.



Wo sind die Fahrrad-Abstellanlagen?


Viertklassige Autoparkplätze sind der Stadt Bochum allemal wichtiger als ausreichender Verkehrsraum für Fußgänger und Radfahrer - damit will sich Bochum für die AGFS empfehlen.

Auf der Oskar-Hoffmann-Straße zwischen Universitätsstraße und Steinring ist eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse wegen ständiger Behinderungen und Gefährdungen durch ordnungswidrig geparkte Kraftfahrzeuge dringend geboten.

Beide Faktoren, der schlechte Fahrbahnzustand und die Behinderungen und Gefährdungen durch Falschparker treffen besonders den Fahrradverkehr. Die Bedeutung dieses Straßenabschnitts für den Fahrradverkehr wird durch die Fertigstellung der Springorum-Trasse in nächster Zeit noch erheblich zunehmen.

Fördermittel gäbe es aber nur, wenn Radfahrstreifen angelegt würden. Bund und Land sind eben fahrradfreundlich:

„Eine Förderung des Straßenausbaus mit Zuschussmitteln von Bund- und Land ist nur durch eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse, z.B. durch Anlegen von Radfahrstreifen, möglich.”

Einziges Argument der Verwaltung gegen den Ausbau ist der „Wegfall von Parkmöglichkeiten am Straßenrand". Genau diese Parkregelung führt aber zu erheblichen Behinderungen und Gefährdungen des Verkehrs, insbesondere des Fahrradverkehrs.

„Das Fördergelder nicht in Anspruch genommen werden können, liegt in der Tatsache, dass im Bestand durch die beengte Situation kein Raum für Radfahrstreifen geschaffen werden kann.
Die Fahrbahnbreite von 7,5 m wird durch das gekippte Parken auf ca. 5,5 m eingeengt, das laut RASt 06 das Mindestmaß für eine Hauptverkehrsstraße darstellt.
Radfahrschutzstreifen bedürfen eine Breite von 1,5 m und einen Sicherheitsabstand von 50 cm zum parkenden Verkehr. Dieser Raum ist nicht gegeben.”

Die Fahrbahnbreite von 7,50 m würde nach ERA 2010 die Anlage von Schutzstreifen auf einer Hauptverkehrsstraße erlauben, wenn am Fahrbahnrand nicht geparkt würde. Der Trennstreifen zum parkenden Verkehr ist dann ja nicht notwendig. Schutzstreifen sind Teil der Fahrbahn, keine Sonderwege, so dass der Verweis auf RASt 2006 hier in die Irre führt: er ist sachlich falsch.

Aber viertklassige Autoparkplätze sind der Stadt Bochum allemal wichtiger als die Sicherheit und Leichtigkeit des Fahrradverkehrs:

„Die Verwaltung hat die Interessen aller Bürger abzuwägen und stellt an dieser Stelle den Parkraumbedarf vor die zusätzlichen Verkehrsraumbeschaffung für Radfahrer.”

Von „zusätzlichem” Verkehrsraum für Radfahrer kann keine Rede sein. Es gibt ja noch gar keinen.

Viertklassig sind die für das gekippte Parken freigegebenen Flächen, weil sie in keiner Weise bewirtschaftet werden:

  1. Es gibt keine Parkgebühren.
  2. Es gibt keine Begrenzung der Parkdauer.
  3. Es gibt kein Anwohnerparken.

Die Stadt Bochum stellt sich damit eindeutig gegen die Verkehrspolitik des Bundes und des Landes, die die Vergabe von Fördermitteln nicht umsonst an die „Verbesserung der Verkehrsverhältnisse, z.B. durch Anlegen von Radfahrstreifen" knüpfen.

Die Stadt Bochum macht durch ihr Handeln hier unmissverständlich deutlich, dass sie entgegen ihrer eigenen Aussage nicht bereit ist, die ERA 2010 in Bochum anzuwenden. Die Politik hat sich diese Haltung mit ihrem Beschluss zu eigen gemacht. So bleibt Bochum bewusst und gewollt fahrradfeindlich.

Grüne und SPD haben in der letzten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Sicherheit, Ordnung und Verkehr soeben einen Leitantrag eingebracht, der am 24. Januar 2013 verabschiedet werden soll:

Verbesserung der „Fußgänger- und Fahrradfreundlichkeit“ im Rahmen eines modernen Mobilitätsmanagements.

Ausdrückliches Ziel dieses Antrags ist 

„eine stärkere Berücksichtigung der Interessen von Radfahrern und Fußgängern in Bebauungs- und Masterplänen. Ein weiteres Ziel ist es, die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern zu erhöhen. Einen weiteren Schwerpunkt legen SPD und Grüne auf die rasche Ergänzung des Radwegenetzes, zum Beispiel mehr Angebotsstreifen auf den Vorbehaltsstraßen.“

Wie die Bochumer SPD diese von ihr selbst propagierten Ziele mit der Verweigerung ebendieser Maßnahmen an der Oskar-Hoffmann-Straße vereinbaren will, muss sie uns noch erklären. (Wenn in diesem Antrag von Angebotsstreifen die Rede ist, sind Schutzstreifen gemeint.)

Der Antrag und die Beschlussvorlage Oskar-Hoffmann-Straße im Beschwerdeausschuss.
(Die Vorlage muss am 4. Dezember erst noch beschlossen werden.)

P.S.: Auf den an dieser Stelle vorhandenen erheblichen Bedarf an Fahrradabstellanlagen geht die Verwaltung mit keinem Wort ein.


Weitere Informationen

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 Oskar-Hoffmann-Straße: Radfahrstreifen? Nicht mal geschenkt! - 23.06.2012

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