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OB-Wahl - Frage 6+7: Fahrradklima-Test und „Nahmobilität“

07.09.15
Kategorie: Bochum, Aktuelles

Insgesamt treten 12 Kandidat(inn)en zur Wahl an. Im ersten Wahlgang ist die absolute Mehrheit der Stimmen erforderlich. Angesichts der Zahl der Bewerber ist eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen wahrscheinlich. Im ersten Wahlgang kann man also durch gezielte Wahl eines fahrradfreundlichen Kandidaten deutliche Akzente setzen.

Frage 6

Im ADFC Fahrradklima-Test 2014 hat Bochum die zweitschlechteste Bewertung aller deutschen Großstädte erhalten. Welche politische Konsequenz ziehen Sie daraus?

Thomas Eiskirch (SPD):

Diese Städte-Rankings lösen bei mir eher Skepsis aus. Das Ergebnis lässt aber trotzdem aufhorchen. In der Gesamtwertung liegen wir auf Platz 37 vor Mönchengladbach und Wiesbaden. Das sollte so nicht bleiben. Wir müssen es schaffen, uns schrittweise zu verbessern und in die komplette Bochumer Infrastruktur sinnvoll zu investieren. Nicht ausschließlich in den Ausbau der Radwege, sondern auch verstärkt beispielsweise in die Verknüpfungspunkte, die Schulwegsicherung und in Ausschilderungen. Und es gibt noch mehr Akteure, die mittun können: Die Hochschulen im Süden arbeiten derzeit an einem Mobilitätskonzept. Solche Konzepte müssen dann ineinander greifen.

Klaus Franz (CDU):

Da wir uns auch in vielen anderen Städtevergleichen im unteren Vergleichslevel befinden, bewerbe ich mich um das Amt des Oberbürgermeisters.

Monika Engel (Die Grünen):

Der Test zeigt, dass die Folgen einer jahrzehntelangen autozentrierten Verkehrsplanung nicht von heute auf morgen korrigiert werden können. Dass trotz aller Anstrengungen in der Wahrnehmung der Befragten keine Verbesserung gegenüber 2012 erreicht werden konnte, ist für mich Ansporn, an der Verbesserung der Infrastruktur für den Radverkehr kontinuierlich weiterzuarbeiten, aber auch deutlich auf das schon Erreichte hinzuweisen.

Jens Lücking (Freie Bürger):

Diese Bewertung ist recht subjektiv und für mich nicht verständlich. Ich fahre öfters mit dem Rad durch Bochum und kann diese Bewertung nicht teilen. Neue Strecken sind gut ausgebaut, aber es gibt noch viel zu verbessern, insbesondere für die Sicherheit der Fahrradfahrer. Auch ist die Anlage von Radwegen direkt an der Straße neben den geparkten Autos für mich weniger sicher als neben den Fußgängern.

Horst Hohmeier (Die Linke):

Dieses miserable Ergebnis zeigt deutlich was in Bochum in den vergangenen Jahrzehnten versäumt wurde. Die Linke hat daraus die Konsequenz gezogen, sich mit hoher Priorität um Themen des Radverkehrs zu kümmern. Bochumer Wähler sollten auch Konsequenzen ziehen wenn sie wollen, dass der innerstädtische Radverkehrsanteil nicht nur (wie in den letzten 20 Jahren) bei einem Anteil von 5% bleibt.

Wolf-Dieter Liese (AfD):

Die Frage ist, welche Konsequenzen die rot-grüne Koalition daraus zieht. Man kann hier einfach nur ein Versagen feststellen. Wir brauchen einen Wandel zu einer ausgewogeneren Verkehrspolitik. An vielen Stellen würde ja schon eine Markierung auf der Straße viel bringen. Auch hier lohnt ein Blick zu unseren Nachbarn in den Niederlanden.

Günter Gleising (Soziale Liste):

Der Anteil des Fahrradverkehrs liegt in Bochum derzeit bei rund 6 %. Als Zielwert soll Bochum mind. 20 % für das Jahr 2020 festlegen. Außerdem, Bochum braucht unverzüglich ein Investitionsprogramm mit den Kernpunkten Straßen und Gebäude, alternative Transport- und Verkehrsmittel sowie Stadtentwicklung.

Omid Pouryousefi (parteilos, STADTGESTALTER, FDP):

Ich würde als möglicher erster Bürger der Stadt nicht nur mit Dienstwagen zu meinen Terminen fahren, sondern, da wo es möglich ist, mit Fahrrad, Rucksack, Arbeit und IPad unterwegs zu sein. Es ist nicht nur wichtig, die Bedingungen für Radfahrer zu verbessern, sondern auch ein Beispiel zu geben, dass sich Radfahren in unserer Stadt lohnt.

Wolfgang Wendland (parteilos):

Keine, weil es sich nicht um valide bzw. repräsentative Zahlen handelt.

 

Frage 7

Was bedeutet „Nahmobilität“ für Sie und welchen Stellenwert hat dieses Konzept in Ihrer politischen Agenda?

Thomas Eiskirch (SPD):

Nahmobilität ist ein wichtiger Punkt. Die Frage, auf welche Weise ich Wege in meinem näheren Umfeld zum Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, zum Supermarkt, zum Arzt, zur Schule, zu Freunden und Verwandten zurücklege, ist je nach Lebenssituation ganz unterschiedlich zu beantworten. Für Kinder sieht es anders aus als für Seniorinnen und Senioren, für Menschen in Eile anders als beim gemütlichen Heimweg. Entscheidend ist, dass Menschen die für sie richtige Auswahl aus den zahlreichen Möglichkeiten treffen können, und dass die Antwort eben nicht automatisch „Auto“ lauten muss. Es muss uns gelingen, den Fahrradverkehr besser mit dem ÖPNV zu verbinden. Das gelingt beispielsweise durch mehr Fahrradstationen aber auch durch freies WLAN an Haltestellen und in Bus und Bahn. Schnell lassen sich Fahrpläne und Routen abrufen oder ermitteln, wo Fahrräder geliehen werden können. Auch Pedelec-Ladestationen an Haltestellen könnten sinnvoll sein. Es geht auf allen Ebenen darum, funktionierende Netzwerke zu schaffen.

Klaus Franz (CDU):

Ich halte den Fuß- und Radverkehr für gut und wünschenswert. Das Metropolradruhr ist eine tolle Sache und wird gut angenommen. Viele Menschen wünschen sich ein besseres Radwegenetz. Da haben wir viel aufzuholen. Leider können wir aber unsere Stadt nicht in dem von ihnen gewünschten Maße umbauen. Dafür fehlt uns schlicht das Geld.

Monika Engel (Die Grünen):

Noch immer wird für die überwiegende Zahl der kurzen Wege, die problemlos zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden könnten, das Auto benutzt. Nahmobilität – also Zufußgehen oder Radfahren – entlastet die Straßen vom motorisierten Verkehr, verringert den Schadstoffausstoß, schont Klima und Umwelt und fördert die Gesundheit. Nicht zuletzt kann Nahmobilität auch einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten, wenn Fuß- und Radverkehr eine adäquate Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird.

Jens Lücking (Freie Bürger):

Selbst in der Autofahrerzeitschrift des ADAC wird unter der Rubrik spritsparendes Fahren für Kurzstrecken das Fahrrad empfohlen. Das bedeutet, dass unser Ziel sein muss, das Auto für die kurzen Strecken überflüssig zu machen. Dies sollte nicht durch Restriktionen des Autoverkehrs, sondern durch Anreize zum Umstieg auf andere Verkehrsmittel geschehen. Erzwungene Verhaltensänderung ist immer schlechter als vernunftgetragene, freie Entscheidung. Die Argumente, Kostenersparnis, Gesundheitsförderung und das Gewinnen neuer Eindrücke z.B. als Fahrradfahrer sind schwerwiegend.

Horst Hohmeier (Die Linke):

Nahmobilität heißt für mich zum Beispiel, dass Kinder sicher mit dem Rad zur Schule fahren können, dass Senioren mit Bus und Bahn mobil sind, dass es angenehm und sicher ist, zu Fuß durch die Stadt zu gehen, dass schon bei Bebauungsplänen auf infrastrukturelle Anforderungen im Sinne einer Stadt der kurzen Wege geachtet wird. Dies hat unmittelbaren Einfluss auf die Lebensqualität aller Bochumerinnen und Bochumer und entsprechend hoch setze ich die Priorität.

Wolf-Dieter Liese (AfD):

Im Nahbereich gilt es Voraussetzungen zu schaffen für eine freiwillige Verringerung des Autoverkehrs. Wichtig sind in diesem Zusammenhang ein gutes Netz an Radwegen und sichere Abstellmöglichkeiten. Weniger Autoverkehr bedeutet auch eine Verbesserung der Lebensqualität der Bürger.

Günter Gleising (Soziale Liste):

Dass der Stellenwert für mich hoch ist, habe ich durch meine bisherige politische Arbeit deutlich gemacht. Eine gute Nahmobilität für alle Menschen ist für das Konzept einer sozialen und solidarischen Stadt unverzichtbar.

Omid Pouryousefi (parteilos, STADTGESTALTER, FDP):

Für mich bedeutet dies Mobilität über kurze bis mittlere Distanzen und Zeiten ohne Motoren, also vor allem Fuß- und Fahrradverkehr inkl. Rollschuh, Roller- oder Inlinerverkehr. Jeder Meter, den wir unmotorisiert zurücklegen, bedeutet für unsere Stadt weniger Lärm, weniger Stau, weniger Abgase, mehr Sicherheit und mehr Lebensqualität. Gerade der wohnortnahe Radverkehr muss daher verbessert werden. Investitionsschwerpunkte sollten bei der Erreichbarkeit von Schulen, Stadtteilzentren und Haltestellen liegen.

Wolfgang Wendland (parteilos):

Auch wenn sie jetzt was anderes von mir erwarten würde ich Nahmobilität als Mobilität über kurze Distanzen oder kurze Zeiten verstehen. Politisch bin ich ein Fan der Nahmobilität und würde gerne die einzelnen Stadtteile so aufgestellt sehen, dass die Dinge des täglichen Bedarfs dort jeweils erledigt werden können.

KK

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