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Neue Brücke Wittener Straße

09.10.19
Kategorie: Bochum, Aktuelles, Verkehrspolitik

Kommentar "Blamage für die Stadt Bochum"

“Es ergibt (...) keinen Sinn, jetzt einen Radfahrstreifen dort auf dieser 40 Meter langen Brücke einzurichten, denn die Wittener Str. (...) hat eben keine Radstreifen. Das heißt: Es gibt einfach im Moment nicht den Platz dafür.“ Mit diesen Worten versuchte Thomas Sprenger, Sprecher der Stadt Bochum, eine Planung zu rechtfertigen, die in diesen Zeiten aus der Welt fällt.

 

Der Beitritt Bochums zur Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte (AGFS) im Jahr 2016 sollte zeigen, dass man nun auch hier die Zeichen der Zeit erkannt hat und den Radverkehrsanteil deutlich steigern wollte. Die bisherige Radinfrastruktur ist hierzu bislang nicht in der Lage. Die gerade vollständig fertiggestellte Springorumtrasse ist wie die Erzbahntrasse sicher ein Eldorado für Freizeitradler, für den Alltagsradverkehr ist ihr Beitrag aber überschaubar. Für Alltagsradler und Berufspendler sind die Bochumer Radialstraßen bedeutsamer. Hier sichere und bequeme Radverkehrsanlagen anzubieten würde den Radverkehrsanteil steigen lassen.

 

Der ADFC begrüßt daher die öffentlich bekundeten Absichten der Stadt, in den kommenden Jahren bei ihren Baumaßnahmen auf der Hattinger-, Castroper- und Alleestraße Radfahrstreifen einzuplanen. Bei der Königsallee dauerte der Prozess, sich von alten Planungsprinzipien zu verabschieden und sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen, etwas länger. Die Aussage von Sprenger belegt nun, dass auf der Wittener Straße Fahrradverkehr grundsätzlich nicht gewollt ist, und wie dem ADFC schon vor Jahren in Gesprächen mit Verkehrsplanern bedeutet wurde nie erwünscht war.

 

Die fahrradfreie Konzeption der Wittener Straße aus der Ära Opel ist eine selbst aufgebürdete Altlast, die sich nicht von heute auf morgen beseitigen lässt. Aber so zu tun, als wäre es ein Naturgesetz („es gibt einfach im Moment nicht den Platz dafür“) entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Die Wirkungsweise von Naturgesetzen erfahren wir gerade beim Klimawandel!

 

Die Stadt ist nach Meinung des ADFC Bochum gut beraten, die in Presse und Fernsehen bekundete Irritation über ein solches Planungsfossil zum Anlass zu nehmen, die Emanzipation von der Ära Opel auch auf dieser Straße anzugehen. Wer auf dem Gelände von Mark 51/7 Bochum gerade neu erfindet, macht sich ein Stück unglaubwürdig, wenn er ein paar hundert Meter davor eine Planung verteidigt, die erkennbar rückwärts gewandt ist.

 

Es ist für die Stadt an der Zeit, auch die Wittener Straße in ihre Perspektiven für ein fahrradfreundliches Bochum einzubeziehen. Der ADFC würde Gespräche hierzu begrüßen.

Wenn Herr Sprenger dieses verkünden dürfte, müsste er auch nicht mehr so verkniffen schauen. Denn dies wäre eine gute Nachricht.

Bernhard Raeder

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