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Mängelkarte "Wittener Straße" Teil 2

21.09.12
Kategorie: Verkehr

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Mit der Umgestaltung der Wittener Straße zwischen Nord- und Lohring wurde eine Lücke im Radwegenetz geschlossen. Dies ist zwar zu begrüßen, leider aber stören erhebliche Planungs- und Baumängel, die in einer zweiteiligen Serie aufgezeigt werden sollen. Teil 2 beschäftigt sich mit der Radstrecke aus der Innenstadt in Richtung Altenbochum.

Schon auf den ersten Metern (1) wundert man sich – die Radspur beginnt erst nach der Bahnhofs-Ausfahrt. Platz wäre genug gewesen – die nach der Straßenbahnuntertunnelung überflüssig gewordene Mittelinsel hätte man entsprechend verkleinern können. Bei der Einfahrt in die Wittener Straße sehe ich kein größeres Gefährdungspotential, da aufgrund der Ampelschaltung Radfahrer und Autofahrer im laufenden Verkehrsstrom in die Straße einfahren. Für schräg aus dem Bahnhof fahrende Auto- und Busfahrer (2) wäre aber der Radstreifen ein wichtiger Hinweis, nicht nur auf Autos, sondern auch auf Radfahrer zu achten.

Das Problem, dass Radfahrer von Autofahrern übersehen werden, die vom Hauptpost-Parkplatz kommen (3), wurde mittlerweile bereinigt, indem einige sichthemmende Parkplätze durch Poller beseitigt wurden, aber natürlich erst, nachdem ADFC-Proteste auf die Gefahrenstelle hingewiesen hatten.

 An der Ampelanlage (4) haben die Planer entschieden, dass ganz rechts der Radstreifen (auch für geradeaus…), dann die rechtsabbiegenden Autos und dann die beiden Auto-Geradeaus-Spuren kommen – was notwendig macht, dass rechts abbiegende Autos erst nach den Radfahrern losfahren dürfen. Das hat anfangs viele Autofahrer überfordert, so dass die Gefahr bestand, dass rechts abbiegende Autos mit geradeaus fahrenden Radfahrern kollidieren. Auch hier waren ADFC-Proteste notwendig, bis die einzelnen Ampeln für Autofahrer und Radfahrer so angeordnet wurden, dass diese Autofehlstarts aufgrund von Ampelverwechslungen jetzt stark zurückgegangen sind. Aber noch immer schaffen es autofahrende Blindfüchse trotz zwei roten Ampeln zu früh loszufahren....

 Die Kreuzung Wittener Straße/Ferdinandstraße/Düppelstraße (5) ist seit Jahren ein besonderer Knackpunkt im Bochumer Radverkehrsnetz. Denn eigentlich wäre die Düppelstraße eine wunderbare, ruhige Alternativroute zur autoreichen Wittener Straße, auf der man viele Ziele in Altenbochum südlich der Wittener Straße gemütlich mit dem Fahrrad ansteuern könnte. Könnte – denn es gibt keine Möglichkeit, auf legalem Wege (von Schieben mal abgesehen…) von der Wittener Straße zur Düppelstraße zu gelangen. Auch in Gegenrichtung aus der Düppelstraße auf die Ferdinandstraße in Richtung Bahnhof gibt es keine Abbiegemöglichkeit für Radfahrer. Schon im „Pilotprojekt Radwege- und Beschilderungsplan Bochum“ von 1988 haben die Experten vom Institut vom Landes- und Stadtentwicklungsforschung dringenden Handlungsbedarf seitens der Stadt Bochum dokumentiert, aber bis heute – 24 Jahre später – ist hier trotz diverser ADFC-Vorstöße immer noch kein Durchkommen für den Fahrradverkehr!

 Nach der Ferdinandstraße beginnt wiederum ein Radstreifen (6), der mit 1,40 m die Minimalbreite laut ERA2010 (Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen: Empfehlungen für Radverkehsanlagen, Ausgabe 2010) um 10 cm unterschreitet. Noch problematischer wird es ein Stückchen weiter, nach der Ausfahrt aus der Tankstelle. Denn hier gibt rechts vom Radweg noch Parkstreifen. Hier müsste eigentlich nach ERA2010 ein Schutzstreifen von 50 cm hin, der aber weggelassen wurde. Aufgrund der leichten Linkskurve ist die Gefahr etwas geringer als auf der gegenüberliegenden Straßenseite (s. frei atmen 2/12), mit einer sich öffnenden Autotür konfrontiert zu werden, da hier sowohl der Radfahrer nach vorn als auch die aussteigenden Autofahrer nach hinten gute Sicht haben.

Der weitere Verlauf an der Einmündung der Alsenstraße vorbei bis zum Lohring (7) ist bis auf die Unterschreitung der Mindestdimension (s.o.) eher unspektakulär.

 Wir die nebenstehende Karte zeigt, häufen sich hier dann wieder die Probleme, deshalb getrennt nach den einzelnen Fahrtrichtungen:

 Rechtsabbieger

Nach dem Einbiegen in den Steinring hat man die Wahl, ob man auf der Straße weiterfahren will, oder auf dem „Gehweg/Radfahrer frei“ weiterfahren will. Wie üblich ist letzteres ein eher fauler Kompromiss.

 Linksabbieger

Auch hier gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man ordnet sich frühzeitig in den laufenden Autoverkehr ein und durchquert zwei Auto-Geradeausspuren und biegt zusammen mit den Autos auf dem Linksabbiegestreifen ab. Besonders ängstlichere Radfahrer fühlen sich hiervon aber oft überfordert. An Stelle (9) wird daher mittels des abgebildeten Schildes ein indirektes Linksabbiegen vorgeschlagen. Wer aber so ein Schild aufstellt, hat aber auch dafür zu sorgen, dass an Stelle (10) dann auch eine Aufstellfläche für das indirekte Linksabbiegen vorhanden ist. Aber Fehlanzeige! Weder auf der Straße noch auf dem engen, verwinkelten Radwegchen am Ende des Steinrings ist hier etwas vorgesehen.

 Egal ob man direkt oder indirekt links abbiegt, ergibt sich an der Einfahrt in den Lohring das nächste Problem. Neben der Treppe hinab zum U-Bahn-Schacht wurde einige Monate vor Fertigstellung der Radwege an der Wittener Straße ein neuer, gerade mal 20 m langer Bordsteinradweg gebaut (11). Und der schafft diverse Probleme und löst kein einziges… Die Auffahrt auf diesen Radweg weißt eine heftige, nicht richtig abgesenkte Bordsteinkante auf, die extrem schräg zur Fahrtrichtung liegt. Insbesondere bei Nässe herrscht hier Sturzgefahr! Auch ist es hier recht wahrscheinlich,  mit an der Ampel wartenden Fußgängern in Konflikt zu geraten. Am Ende des Radweges wiederum besteht erhebliche Kollisionsgefahr mit Autos, die vom Lohring in die Altenbochumer Straße abbiegen.

 Und wenige Meter nach der Weiterfahrt in den Lohring endet der Radweg gleich wieder (12). Entweder man fährt auf der Straße weiter (ziemlich unproblematisch) oder man biegt auf den extrem schmalen „Gehweg/Radfahrer frei“ ein. Diese ziemlich unbefriedigende Führung wird wohl als „Schulwegsicherung“ begründet. Diese Argumentation ist aber eher wenig zielführend, denn genau wenn man diesen Weg bräuchte, zu Schulzeiten, ist dieser schmale Gehweg so voll mit Schülern, dass man ohnehin nicht darauf Rad fahren kann…

 Geradeausverkehr

Direkt an der Fortsetzung des Radstreifens auf der Wittener Straße befindet sich eine rote, halbkreisförmige Aufpflasterung (13). Auch hier ist die Absenkung der Bordsteinkante so mangelhaft, dass beim spitzwinkligen Auffahren Sturzgefahr herrscht, insbesondere bei Nässe. Als Radfahrer hat man hier die Wahl, ob man sich lieber in Sturzgefahr begibt oder lieber etwas nach links auf die Autospur schwenkt und sich somit möglicherweise in Konfrontationskurs mit dem Autoverkehr begibt. Wahrlich keine schöne Wahlmöglichkeit!

 Die nächste Kreuzung (14) zwischen Wittener Straße, Oskar-Hoffmann-Straße und Nordstraße ist wiederum ein schönes  Beispiel dafür, wie Verkehrslenkungsmaßnahmen, die ausschließlich für den Autoverkehr gedacht sind, auch dem Fahrradverkehr unnötigerweise Steine in den Weg legen. Denn eigentlich wäre die Straßenverbindung Oskar-Hoffmann-Straße/Nordstraße eine wunderbare Anbindung von der südlichen Innenstadt zu der Landesradwegenetz-Route auf der Altenbochumer Straße (oder auch in Gegenrichtung). Wenn man den hier die Wittener Straße mit dem Rad queren könnte, ohne sich auf das „Rad-Schiebe-Niveau“ herabbegeben zu müssen!

 Am Ende des Radstreifens an der Wittener Straße (15) kommen wir wieder zum Hauptmangel der Strecke, denn ab hier enden jegliche Maßnahmen für den Radverkehr, so dass viele Ziele von Altenbochum bis Laer an der Wittener Straße auf halbwegs sichere Weise nicht mit dem Rad zu erreichen sind.

 Resumée: Die neu ausgebaute Radstrecke weißt in beiden Fahrtrichtungen auf nicht einmal einem Kilometer Streckenlänge 30 erhebliche Planungs- und Baumängel auf. Insbesondere stadteinwärts auf dem Angebotsstreifen vor dem Stadtarchiv (s. frei atmen 2/12 und Seite 3 in diesem Heft) besteht ein  enormes Gefährdungspotential. Fahrradfreundlich sieht anders aus…

GB

Weitere Informationen

Weitere Seiten zum Thema:
 Wittener Straße: zeigt frei atmen! - Artikel Wirkung? - 23.09.2012

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