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18.05.20
Kategorie: Bochum





Stadt plant auf einem kleinen Teilstück der Universitätsstraße eine sogenannte „Protected Bike Lane“ – Stellungnahme des ADFC Bochum zur Planung

Mit der Absicht, Bürgern die Erfahrung zu ermöglichen, sich einmal räumlich getrennt vom KFZ- und Fußgängerverkehr mit dem Rad auf der Straße zu bewegen und das hohe Sicherheitsgefühl zu genießen, was solche „Geschützten Radfahrstreifen“ vermitteln, startet das Tiefbauamt ein Pilotprojekt mit dem Charakter eines Verkehrsversuches auf der Universitätsstraße zwischen Brücke Waldring und Wasserstraße.

Der ADFC Bochum begrüßt grundsätzlich die Einrichtung solcher „Geschützter Radfahrstreifen“, die durch den Einbau physischer Barrieren den Radfahrer vor dem KFZ-Verkehr schützen. Knapp die Hälfte der 2017 im Auftrag des BMVI befragten Radfahrer gab an, sich im Straßenverkehr grundsätzlich unsicher zu fühlen. Am sichersten fühlten sich 61% der Befragten auf selbstständig geführten Radwegen.

So ist es nicht erstaunlich, dass sich „Geschützte Radfahrstreifen“ als erfolgreiches Instrument erwiesen haben, um in relativ kurzer Zeit und mit begrenztem Aufwand nachweislich viele Menschen aus allen Alters- und Bevölkerungsschichten auf das Fahrrad zu bringen, weil sie zum bequemen, stressarmen Radeln einladen.

Es ist allerdings zu fragen, ob das der Bezirksvertretung Süd vorgestellte Pilotprojekt auf der Unistraße diese Erwartungen erfüllen kann. Wir haben große Zweifel daran.

Der ADFC hat 2018 in einem Positionspapier zu dem Thema „Geschützte Radfahrstreifen“ Stellung bezogen und diese in Deutschland inzwischen auch häufiger angewandte qualitativ hochwertige Form des Radfahrstreifens näher beschrieben. Eine verbindliche Regellösung für diese Radverkehrsanlage liegt aber noch nicht vor, auch die ERA kennt noch keine geschützten Radfahrstreifen.

Folgende Voraussetzungen hält der ADFC für notwendig:

„In der Regel benötigen Geschützte Radfahrstreifen die Breite einer Fahrspur des KFZ-Verkehrs. Empfehlenswert sind Breiten von mindestens 2,00 bis 2,40 Meter, damit Fahrräder in verschiedenen Ausführungen komfortabel überholen bzw. nebeneinander fahren können, zuzüglich einer Schutzzone und Entwässerungseinrichtungen.

Die Schutzzone (Sperrfläche, die den geschützten Radfahrstreifen von der KFZ-Spur trennt, muss so breit sein, dass die verwendeten physischen Trennelemente sowohl ausreichend Abstand zur KFZ-Spur als auch zur Radfahrspur haben. Sie sollten also mindestens 0,85 Meter breit sein.

Die eingesetzten Trennelemente müssen von ihrer Qualität und Beschaffenheit (Höhe, Reflexion, Dauerhaftigkeit, Stabilität) eine verkehrssichere Gestaltung der Geschützten Radverkehrsanlage gewährleisten.“

Was sieht der Entwurf für das Pilotprojekt an der Universitätsstraße konkret vor?

Der Geschützte Radfahrstreifen soll auf den beidseitig vorhandenen Radfahrstreifen angelegt werden. Die Fahrbahnen werden nicht angetastet. In der Vorlage für die Gremien heißt es, dass der Straßenquerschnitt pro Fahrtrichtung „einen – mit durchschnittlich 3,00 Metern Breite – großzügig gestalteten Radfahrstreifen habe“, der zur Fahrbahn mit einem Doppelstrich begrenzt ist. Die baulichen Maßnahmen zur Herrichtung dieses Geschützten Radfahrstreifens beschränken sich auf den Austausch des Doppelstriches (Breitstrich und Schmalstrich = 0,43 m) durch in den Asphalt eingelassene Hochborde, „die Rücken an Rücken auf 15 cm Lücke gesetzt“ werden und eine „physische Barriere von 0,51 m (bilden), „die die Radfahrenden schützt.“

Wie sieht die Realität vor Ort aus?

Die Aussage, die bestehenden Radfahrstreifen hätten eine durchschnittliche Breite von 3,00 m ist irreführend. In einigen Abschnitten liegt die lichte Breite (abzüglich Doppelstrich und Rinnstein (0,20 m) mit 3,40 m darüber, in anderen aber deutlich darunter. Hier einen Durchschnittswert anzugeben ist unsinnig. Vor dem Kreuzungsbereich Wasserstraße stadtauswärts beträgt die lichte Breite nur noch 1,07 m. Stadteinwärts schwankt die lichte Breite zwischen anfangs 2,12 m, verringert sich auf 1,60 m um vor der Brücke Waldring auf 2,70 m anzuwachsen. Hier von einer Durchschnittsbreite von 3 Metern zu reden ist unredlich.

Was ist festzuhalten?

Die für notwendig erachtete Breite des Geschützten Radfahrstreifens von mindestens 2,00 m kann nicht durchgängig eingehalten werden. Von einer Puffer- oder Sperrzone, wie sie der ADFC in seinem Positionspapier fordert, kann nicht gesprochen werden, da allein das 0,51 m breite, farblich nicht hervorstechende Hochbord die physische Trennung zum KFZ-Verkehr garantieren soll. Es erfüllt sicher die Anforderungen an Dauerhaftigkeit und Stabilität, bezüglich Höhe und Reflexion ist es ungenügend und stellt keine kontrastreiche Abtrennung dar. Eigene Erfahrungen auf dem stadteinwärts führenden Teilabschnitt zeigen, dass die vorhandene Breite z. B. für Überholvorgänge schon jetzt zu knapp ist. Wir sehen an dieser Stelle eher eine Unfallgefahr durch die massiven Einbauten in die Straßenoberfläche an dieser Stelle.

Was darf erwartet werden?

Die Stadtverwaltung möchte mit dieser Teststrecke Erfahrungen sammeln. Unserer Einschätzung nach sieht sie sich einem hohen Druck der Politik ausgesetzt, eine solche Versuchsstrecke anzulegen und zu testen. Eine Alternative zu der vorgesehen Strecke sieht die Verwaltung im Moment nicht. Eine Evaluation ist vorgesehen in Zusammenarbeit mit der Hochschule Bochum, evtl. in Form einer Bachelor Arbeit.

Wir fragen uns, wie mit dieser Ausführung, auf einem so kurzen Stück, in diesem Umfeld sich eine Pilotwirkung einstellen soll, die auf weitere Planungen positiv ausstrahlt. Diesem Pilotprojekt fehlt diese Strahlkraft! Die gegenwärtige Diskussion über die unzureichende Breite der Springorum Trasse sollte Anlass genug sein, für eine Zukunft zu planen, in der mehr Radverkehr in Bochum möglich und ja auch politisch gewünscht ist. Die Kosten von 125.000 € sind an anderer Stelle sinnvoller für den Fahrradverkehr eingesetzt.

Bernhard Raeder

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