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Auf den Alpen ist ein Radweg

29.08.13
Kategorie: Bochum, Verkehrspolitik

Der Weg des Grauens



Der andere Weg des Grauens


Aufregung im Kleingartenverein: „Kleingärtner ärgern sich über rasende Radler”. Die WAZ Bochum berichtete am 10. August 2013 in einem groß aufgemachten Artikel.

Wieder einmal ist von „rasenden Radlern” die Rede, die „mit einem Affenzahn” durch die Kleingartenanlage „brettern”. Das ist - wie so oft - gnadenlos übertrieben. Anscheinend ist die reflexartige Diskriminierung der Radfahrer nicht aus den Köpfen zu kriegen. Haben Kleingärtner immer Recht, sobald sie den Mund aufmachen? Die einseitige und voreingenommene Berichterstattung zu diesem Thema ist ein echtes Ärgernis. Mit dem ADFC hat die WAZ bis heute nicht über das Thema gesprochen.

Der Weg durch die Kleingartenanlage ist ein öffentlicher Weg. Und er verbindet die beiden autofrei ausgebauten Bahntrassen Lothringen und Springorum. Die Bahntrassen stehen Fußgängern genauso offen wie Radfahrern. Das gilt übrigens für alle umgebauten Bahntrassen. Von Unfallschwerpunkten durch rasende Radler ist dort nichts bekannt. Dass auf den Bahntrassen keine Autos unterwegs sind, ist für viele Nutzer das entscheidende Merkmal.

Die Springorum-Trasse ist übrigens auch nicht breiter als der 280 Meter lange Weg durch die Kleingartenanlage.

In Bochum werden Radfahrer bei jedem Konflikt ebenso rücksichtslos wie gewohnheitsmäßig zu Sündenböcken erklärt. Die sogenannten Radwege am Kemnader See, auf denen es von Fußgängern und Skatern wimmelt, sind ein bekanntes Beispiel.

Hier nun sollen die Radfahrer nach Meinung der Kleingärtner und der WAZ „auf einem Radweg bleiben”, der gar nicht existiert! Straßen sind keine Radwege. Die als „korrekt” bezeichnete, aber in keiner Karte eingezeichnete Wegführung über die Bonhoefferstraße und den Kordbecksweg ist problematisch. Es gibt mehrere Kreuzungen, die Wegführung ist unübersichtlich, mit Autos vollgestopft und hat ein ungünstigeres Höhenprofil. Kinder müssten mit dem Fahrrad den Gehweg benutzen. Es gibt aber überhaupt nur auf einer Seite einen Gehweg, der ist einen Meter breit und die Autos der Anwohner stehen auch noch darauf. Wir haben den RVR bereits im Februar 2012 - vor der Eröffnung der Springorum-Trasse -  auf das Problem aufmerksam gemacht. Es gab keine Reaktion.

Von einer Lösung des Interessenkonflikts kann keine Rede sein, wenn alle Maßnahmen sich reflexhaft nur gegen die Radfahrer richten.

Von einem Beinahe-Unfall mit einem Kind auf einem Dreirad ist die Rede. Das Kind hat sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht, der Radfahrer ist über das Dreirad auf dem Weg gestürzt. Wo waren die Eltern, die die Aufsichtspflicht haben?

Die Stadt Bochum hat sich bis jetzt nicht die geringste Mühe gegeben, den äußerst problematischen Abschnitt der Lothringen Trasse zwischen „Auf der Bochumer Landwehr” und Buselohstraße zu entschärfen. Auf diesem Abschnitt hat es tatsächlich bereits mehrere Unfälle gegeben. Hier könnte die Stadt einmal beweisen, dass sie die Sicherheit von Radfahrern ernst nimmt.

Auch Rad fahrende Familien sind mit Kindern unterwegs und Eltern haben einen Anspruch darauf, zusammen mit ihren Kindern sicher Rad fahren zu können, ohne an jeder Ecke von rücksichtslosen Autofahrern gefährdet zu werden.

Für die Verbindung zwischen Lothringen- und Springorum-Trasse ist eine Wegführung notwendig, die sowohl dem Sicherheitsbedürfnis der Radfahrer als auch der Fußgänger Rechnung trägt. Wegsperren sind dabei keine Lösung. Eine autofreie Führung des Radverkehrs hat hier höchste Priorität. Einzige Alternative zu einem Geh- und Radweg durch die Grünfläche wäre eine durchgehende Fahrradstraße zwischen Buselohstraße und Goerdtstraße. Es wäre die erste in Bochum.

Übrigens: Durch die Kleingartenanlage „Am Dückerweg” führt seit 25 Jahren eine Radroute des Pilotprojekts Radwege- und Beschilderungsplan Bochum. Genauso lange ist die Strecke schon auf der Freizeitkarte Bochum eingezeichnet. Von rasenden Radlern, die dort Kinder überfahren, ist nichts bekannt.

Gegenseitige Rücksichtnahme hilft, einseitige Polemik nicht.

Der WAZ liegt unsere Stellungnahme zu dem Artikel vor. Reaktion: keine.


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