Mängel im Bielefelder Radverkehrsnetz

Leider hat das Bielefelder Radverkehrsnetz noch viele Mängel, die manche potenzielle Radnutzer/innen als Hindernis sehen, sich auch in Bielefeld mit dem Rad zu bewegen. Oder die das Verkehrsmittel Fahrrad in seiner Leistungsfähigkeit einschränken.

Hier beschreiben wir sie:
   Auf einem Stadtplan (Ausschnitt verschiebbar, vergrößerbar, verkleinerbar),
   nach Kategorien differenziert,
   mit einer Schilderung unserer Bemühungen.

Farbliche Markierungen zeigen an, 
   ob der Mangel beseitigt worden ist ("grün"), 
   teilweise beseitigt worden ist ("gelb")
   oder noch besteht ("rot").

Mit dieser Aufstellung erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wir werden sie fortlaufend ergänzen. 

Steinhagener Straße

- Rechtswidrige und gefährliche Radweg-Benutzungspflicht -

Die  Steinhagener Straße (L 791) verläuft zwischen Friedrichsdorf und Steinhagen über Bielefelder Gebiet. In Bielefeld-Ummeln ist sie im Jahre 2013 saniert worden. Der Radverkehr wird nun wie folgt geführt: 

Auf der nordöstlichen Straßenseite von der Brockhagener Str. in Richtung Südosten bis zur Einmündung "Am Specksel" grundsätzlich auf der Fahrbahn, optional linksseitig auf einem Gehweg in Schritt-Tempo (Z. 239, "Radfahrer frei"), der auch für die gegenläufige Fahrtrichtung freigegeben ist.  

Hinter der Einmündung "Am Specksel" ab Ortseingang Bielefeld-Ummeln beginnt auf der nordöstlichen Straßenseite, also im weiteren Verlauf linksseitig, ein benutzungspflichtiger gemeinsamer Geh-Radweg (Verkehrszeichen 240 "Gemeinsamer Geh- und Radweg", in der gegenläufigen Fahrtrichtung ebenfalls benutzungspflichtig). Dieser benutzungspflichtige Weg führt über rund 450 m bis zur B 61 / Gütersloher Str, in Gegenrichtung entsprechend ab B 61 / Gütersloher Str. bis zur  Einmündung "Am Specksel". 

Auf der innerörtlichen Fahrbahn ist keine qualifizierte Gefahrenlage im Sinne von § 45 Abs. 9 Satz 2 StVO erkennbar - wie auch in den unmittelbar angrenzenden außerörtlichen Abschnitten ohne Radwegbenutzungspflichten. Die innerörtlichen Radwegbenutzungspflichten, verdeutlicht durch die jüngst aufgestellten Verkehrszeichen 240, sind rechtswidrigerweise angeordnet worden.

Hinzu kommt, dass die in VwV-StVO zu § 2 Rn. 33 - 37 genannten Voraussetzungen für den linksseitigen Radverkehr sämtlich nicht erfüllt sind. Dieser benutzungspflichtige Beidrichtungs-Geh-/Radweg weist zudem einige konfliktträchtige Grundstücksein- und -ausfahrten (teils von/zu Gewerbebetrieben) und ist abschnittsweise auch recht schmal.

Das Amt für Verkehr, das nach dem Stand der Technik und der Verkehrsforschung zu handeln hat, hat zudem das maßgebliche Regelwerk ERA 2010 nicht beachtet, das für eine Straße wie diese andere Arten der Radverkehrsführung vorsieht; in keinem Fall jedoch einen benutzungspflichtigen Radweg und schon überhaupt nicht einen linksseitigen benutzungspflichtigen Radweg. 

Ärgerlich ist außerdem, dass der Weg abschnittsweise mit gefasten, kleinen Betonsteinen (10cm x 20cm) gepflastert ist und die Oberflächenqualität hier, auch wegen der vielen Absenkungen, wesentlich schlechter ist als die der begleitenden Fahrbahn. 

8. Juli 2013: 
Die Stadt Bielefeld lässt Radweg-Schilder aufstellen.

11. September 2013: 
Der ADFC Bielefeld schildert dem Amt für Verkehr die Situation und bittet um Stellungnahme spätestens in der nächsten Sitzung des städtischen Arbeitskreises Radverkehr. 

17. September 2013: 
In der Sitzung des Arbeitskreises Radverkehr ist keiner der anwesenden Behördenvertreter in der Lage, die Entscheidung zur Steinhagener Straße zu erläutern. Einer der städtischen Verkehrsplaner hält die Lösung für gut; offenkundig kennt er weder die formalrechtlichen Rahmenbedingungen noch die bundesweiten Empfehlungen, nach denen die Radverkehrsführung in der Steinhagener Straße weder zulässig noch empfehlenswert (weil unsicher) ist. 

18. September 2013: 
Das Amt für Verkehr übermittelt dem ADFC die Begründung für die Radweg-Benutzungspflicht in der Steinhagener Straße. Diese Begründung enthält drastische Fehler in rechtlicher und methodischer Hinsicht.  

Der ADFC Bielefeld sendet dem Amt für Verkehr eine erste Stellungnahme und bittet um erneute Prüfung der Sache und eine Antwort. 

Dezember 2013: 
Das Amt für Verkehr teilt nach einer Besprechung mit der Bezirksregierung Detmold mit, dass es die Benutzungspflicht überprüfen werde. 

14. April 2014: 
Das Amt für Verkehr hält an der Benutzungspflicht fest. Begründung: Geringe Fahrbahnbreite und hoher Schwerlastanteil. Außerdem werde nunmehr auch auf dem Abschnitt zwischen Am Speksel und Brockhagener Straße eine (bisher nicht vorhandene) Radweg-Benutzungpflicht angeordnet. Es behauptet, es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Benutzungspflicht und Radfahrer-Unfällen auf dem Radweg.  

Obwohl sich auf dem neuen Geh-/Radweg innerorts Kollisionen zwischen Rad- und Kfz-Fahrern ereignet haben, will das Amt nicht einsehen, dass der Radweg in seiner derzeitigen Form nicht geeignet ist, den Radverkehr sicher zu führen. 

7. April 2015: 
Das Amt für Verkehr hält auf Nachfrage an seiner bisherigen Haltung fest und ist trotz der Radfahrer-Unfälle 2013/2014 nicht bereit, an der Benutzungspflicht bzw. der Gestaltung von Einmündungen etwas zu ändern. 

Informationen

Status:
Mangel noch vorhanden
Status vom:
07.04.2015
Gemeldet am:
10.09.2013
Priorität:
normal
Kategorie:
  • Radfahrverbot
  • Radweg-Benutzungspflicht
  • Sicherheitsmangel
  • Verkehrsführung mangelhaft
Zuständigkeit: Amt für Verkehr der Stadt Bielefeld


© 2020 ADFC Stadtverband Bielefeld e. V.