Mängel im Bielefelder Radverkehrsnetz

Leider hat das Bielefelder Radverkehrsnetz noch viele Mängel, die manche potenzielle Radnutzer/innen als Hindernis sehen, sich auch in Bielefeld mit dem Rad zu bewegen. Oder die das Verkehrsmittel Fahrrad in seiner Leistungsfähigkeit einschränken.

Hier beschreiben wir sie:
   Auf einem Stadtplan (Ausschnitt verschiebbar, vergrößerbar, verkleinerbar),
   nach Kategorien differenziert,
   mit einer Schilderung unserer Bemühungen.

Farbliche Markierungen zeigen an, 
   ob der Mangel beseitigt worden ist ("grün"), 
   teilweise beseitigt worden ist ("gelb")
   oder noch besteht ("rot").

Mit dieser Aufstellung erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wir werden sie fortlaufend ergänzen. 

Kronenstraße: (Unechte) Einbahnstraße

- Einfahrverbot unterbricht Radverbindung -

 

Seit dem Frühjahr 2000 öffnete die Stadtverwaltung pauschal keine weiteren Einbahnstraßen mehr für den Radverkehr in Gegenrichtung, obwohl diese in vielen Fällen nur zur Kanalisierung des Kraftverkehr eingerichtet worden waren.

Die Straßenverkehrsordnung und Regel- und Empfehlungswerke sehen sehr wohl vor, dass Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet werden können und formulieren die Voraussetzungen hierfür.

Mit Beharrlichkeit sowie verkehrs- und verwaltungsrechtlicher Sachkenntnis hat der ADFC Bielefeld einen Kurswechsel bei der Stadtverwaltung herbeigeführt. Außerdem schlug er eine Vielzahl von Straßen vor, die geöffnet werden sollten. Im September 2005 öffnete die Stadt Bielefeld erstmals seit Jahren wieder Einbahnstraßen für den Radverkehr.

Zu den seither geöffneten Einbahnstraßen gehört auch die Kronenstraße zwischen Viktoriastraße und Webereistraße. Sie ist Teil einer ruhigen und kraftverkehrsarmen Radfahrverbindung zwischen Rochdale-Park und Tor 6 / Hermannstraße.

Eine Besonderheit ist, dass die Kronenstraße  eine „unechte“ Einbahnstraße ist. Es gibt kein Einbahnstraßenschild an einem Ende der Straße, und am anderen Ende (hier an der Viktoriastraße) findet sich ein Verkehrszeichen „Verbot der Einfahrt“ (rundes rotes „Spardosenschild“), ergänzt um ein Zusatzzeichen „Radfahrer frei“.

Juni 2015:

Nachdem das Verbot der Einfahrt wegen einer Hausbaustelle vorübergehend aufgehoben wurde, ist das Zusatzzeichen „Radfahrer frei“ nun verschwunden. Wer geglaubt hatte, es sei bei den Bauarbeiten abhanden gekommen, sieht sich getäuscht. Der ADFC Bielefeld findet beim Amt für Verkehr heraus, dass die Bielefelder Straßenverkehrsbehörde die Freigabe ganz bewusst zurück genommen hat. Der Anlass ist unbekannt, zumal die Freigabe zu keinerlei Problemen geführt hatte. Die Straßenverkehrsbehörde, die die Freigabe vor Jahren selbst angeordnet hatte, behauptet nun, der Fahrbahn fehle die vorgeschriebene Mindestbreite. An der Fahrbahnbreite und der Verkehrsbelastung hat sich allerdings nichts geändert ...

Also: Auf der Fahrbahn der Viktoriastraße absteigen, in die Kronenstraße hineinschieben, aufsteigen und weiterfahren?! Und dass hier auch Autos in beiden Richtungen fahren sollen, während die „Gehwege“ für die Rollator- und Rollstuhlnutzer/innen der Seniorenwohngruppe Kronenstraße viel zu schmal sind, scheint die Straßenverkehrsbehörde nicht zu stören.

Der ADFC fordert das Amt für Verkehr auf, den Radverkehr in beiden Richtungen wieder zuzulassen, denn

- die StVO schreibt keine Mindestbreite vor, um Beidrichtungs-Radverkehr in („echten“) Einbahnstraßen zuzulassen
- die VwV-StVO zu Zeichen 220 (Einbahnstraße) schreibt seit der StVO-Novelle 2009 keine generelle Mindestbreite mehr vor (früher: Regelbreite 3,5 m; mind. 3 m mit Ausweichmöglichkeiten), um Beidrichtungs-Radverkehr in Einbahnstraßen zuzulassen. Ausnahme seit der StVO-Novelle 2009: Mindestbreite 3,5 m bei Linienbusverkehr oder stärkerem Lkw-Verkehr (die es in der Kronenstraße nicht gibt)
- die Kronenstraße ist ohnehin keine Einbahnstraße, lediglich die Einfahrt von der Viktoriastraße her ist verboten; innerhalb der Kronenstr. ist Beidrichtungsverkehr mit allen Fahrzeugen erlaubt

November/Dezember 2015:

Noch immer ist die Kronenstraße nicht wieder in Richtung Tor 6 freigegeben. Der ADFC weist das Amt für Verkehr schriftlich und in mehreren Gesprächen darauf hin, dass das Einfahrverbot für den Radverkehr rechtswidrig ist, weil die Vorazssetzungen des § 45 Abs. 9 Satz 2 StVO (besondere Gefahrenlage) nicht erfüllt sind. Im Gegenteil: Die vorherige jahrelange Freigabe habe bewiesen, dass die besondere Gefahrenlage hier gerade nicht bestehe. 

Und: Die ERA 2010 lassen bereits eine Öffnung echter Einbahnstraße auch bei Fahrbahnbreiten unter 3 m zu. Zu den Voraussetzungen siehe ERA 2010, 7.2 Abs. 2. Die dort genannten Voraussetzungen wären auch in der Kronenstraße erfüllt. Darüber hinaus empfehlen die ERA 2010 das Einrichten unechter Einbahnstraßen mit Zwei-Richtungs-Radverkehr ausdrücklich für solche Fälle, in denen die Öffnung echter Einbahnstraßen nach der StVO nicht möglich ist (vg. 7.3 Satz 2 2. Alt.).

Informationen

Status:
Mangel noch vorhanden
Status vom:
05.12.2015
Gemeldet am:
01.06.2015
Priorität:
normal
Kategorie:
  • Einbahnstraße
  • Hindernis
  • Radfahrverbot
  • Verkehrsführung mangelhaft
Zuständigkeit: Amt für Verkehr / Straßenverkehrsbehörde


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