Das Radfahrklima in Bielefeld

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und wurde im Herbst 2014 zum sechsten Mal durchgeführt. Der Fahrradklima-Test wird gefördert vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans. Über 100.000 Menschen stimmten ab – eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem letzten Test im Jahr 2012. Die Zunahme führt der ADFC auf das wachsende Interesse am Thema Fahrrad und Radverkehr zurück. 468 Städte kamen in die Wertung (im Vergleich: 332 in 2012).

Wie hat Bielefeld abgeschnitten?

Mit der Gesamtnote von 3,7 auf einer Schulnoten-Skala von 1 bis 6 erreicht die ostwestfälische Metropole leider nur ein "voll ausreichend" und damit weiterhin kein Niveau, das einer familienfreundlichen und fortschrittlichen Universitätsstadt gut zu Gesicht stehen würde. 

Beim Fahrradklimatest 2003 war die Note mit 3,70 gleich, aber das Ergebnis des folgenden Fahrradklimatests 2005 (3,49) machte Hoffnung auf einen Aufwärtstrend. Leider hat sich dieser nicht bestätigt und Bielefeld mit den Noten 3,73 (2012) und nun 3,7 den Wert aus dem Jahr 2003 praktisch bestätigt. 

Die Bielefelder Noten im einzelnen

Ergebnisse der Auswertung zu allen 27 Fragen

Die besten Noten beim Fahrradklimatest 2014 (27 Fragen) erhielt Bielefeld 

  • für die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums (Note 2,5)
  • für die Zahl der Einbahnstraßen, die fürs Radfahren in beiden Richtungen frei gegeben sind (Note 2,6)
  • dafür, dass man per Rad Ziele zügig und direkt (statt umwegig) erreichen kann (Note 2,6)
  • für die Radverkehrswegweisung (2,8)
  • dafür, das in allen Alters- und Bevölkerungsgruppen Rad gefahren wird (Note 3,0)
  • dafür, dass Radfahren Spaß macht (Note 3,1).

Die schlechtesten Noten beim Fahrradklimatest 2014 erhielt Bielefeld 

  • für die schlechte Führung des Radverkehrs an Baustellen (Note 4,6)
  • dafür, dass Radwege bzw. Radfahrstreifen oft zu schmal sind (Note 4,4)
  • für die unzureichende Überwachung des Auto-Parkens auf Radwegen (Note 4,4)
  • dafür, dass Radfahrer/innen auf der Fahrbahn bedrängt und behindert werden (Note 4,2)
  • dafür, dass es häufig Konflikte zwischen Radfahrer/innen und Autofahrer/innen gibt (Note 4,1)
  • dafür, dass Ampelschaltungen oft schlecht auf den Radverkehr abgestimmt sind (Note 4,1)
  • dafür, dass Radwege und Radfahrstreifen holprig und in einem schlechten baulichen Zustand sind (Note 4,1)
  • dafür, dass in jüngster Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan wurde (4,1)
  • dafür, dass die örtliche Presse wenig positiv über Radverkehr berichtet, und wenn, dann meistens im Zusammenhang mit Unfällen und Radfahrer-Fehlverhalten (Note 4,0). 

Veränderungen gegenüber 2012

Die größten Verbesserungen gegenüber den Fahrradklimatest-Ergebnissen von 2012 erzielte Bielefeld

  • bei der Frage, ob in der Zeitung nur über Unfälle und das Fehlverhalten von Radfahrer/innen berichtet wird (Note 2014: 4,0 -- Note 2012: 4,33 -- 2005: nicht erhoben)
  • bei der Frage, ob die Stadt streng überwacht, dass Autos nicht auf Radwegen parken (Note 2014: 4,4 -- Note 2012: 4,66 -- Note 2005: 4,41)
  • bei der Frage, ob Ampelschaltungen gut auf Radfahrer/innen abgestimmt sind (Note 2014: 4,1 -- Note 2012: 4,31 -- Note 2005: 3,82)
  • bei der Frage, ob Radwege im Winter geräumt/gestreut werden (Note 2014: 4,0 -- Note 2012: 4,20 -- 2005: nicht erhoben)
  • bei der Frage, ob Radwege regelmäßig gereinigt werden (Note 2014: 3,8 -- Note 2012: 3,98 -- Note 2005: 3,74)
  • bei der Frage, ob in jüngster Zeit besonders viel für den Radverkehr getan wurde (Note 2014: 4,1 -- Note 2012: 4,25 -- Note 2005: 3,83)
  • bei der Frage, ob Radfahrer/innen an Baustellen sicher und bequem vorbei geführt werden (Note 2014: 4,6 -- Note 2012: 4,74 -- Note 2005: 4,67).

Die deutlichsten Verschlechterungen gegenüber den Fahrradklimatest-Ergebnissen von 2012 ergaben sich in Bielefeld

  • dafür, dass Fahrräder oft gestohlen werden (Note 2014: 3,6 -- Note 2012: 3,35 -- Note 2005: 3,61)
  • bei der Frage, ob das Stadtzentrum gut mit dem Fahrrad zu erreichen ist (Note 2014: 2,5 -- Note 2012: 2,35 -- Note 2005: 2,38)
  • bei der Frage, ob Radfahren Spaß macht (Note 2014: 3,1 -- Note 2012: 2,97 -- Note 2005: 2,64).

Es fällt auf, dass bei diesen Verbesserungen und Verschlechterungen insgesamt nur zu einer Frage eine einigermaßen deutliche Veränderung (Notendifferenz mindestens 0,3) eingetreten ist. Bei den anderen hier aufgeführten Fragen liegt die Notendifferenz lediglich zwischen 0,13 und 0,26.

Zu den weiteren, hier nicht betrachteten Kategorien sind die Ergebnisse gegenüber 2012 unverändert bzw. minimal verändert (Notendifferenzen bis 0,1) und teils durch Rundung auf eine Dezimalstelle entstanden.

Alles in allem kann höchstens von Stillstand in Bielefeld gesprochen werden - erst recht angesichts der teils besseren Bewertungen im Jahre 2005.   

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