Aktuelles

Radschnellweg OWL 2.0 ist Projekt zur REGIONALE 2022!

07.12.18
Kategorie: Aktuelles, Bielefeld, Verkehrspolitik, Mobilität, Verkehr

v.l.n.r.: Dr. Peter Böhm (Stadt Herford), Thorsten Böhm (ADFC Bielefeld), Daniel Neuhaus (ADFC Gütersloh), Nina Herrling (Stadt Gütersloh), Christopher Schmiegel (Kreis Gütersloh), Dr. Axel Horstmann (ADFC NRW), Burkhard Schlüter (Stadt Rheda-Wiedenbrück), Gregor Moss (Stadt Bielefeld), Linda Noack (Stadt Herford), Christiane Wende (Stadt Bielefeld), Barbara Choryan (Stadt Bielefeld) - Foto: Fritz Spratte



Dr. Axel Horstmann (ADFC NRW) und Daniel Neuhaus (ADFC Gütersloh) bei der Präsentation des Projekts - Foto: Fritz Spratte


Bedeutendstes NRW-Projekt neben dem Radschnellweg Ruhr

Vor fünf Jahren hätte man es nicht für möglich gehalten, nachdem Bielefeld sich gegen eine Beteiligung am NRW-Radschnellweg-Planungswettbewerb entschieden hatte. Damals war der „Radschnellweg OWL“ (Minden–Herford) einer der Wettbewerbsgewinner – leider nur ein Torso. Aber manchmal zahlt sich Beharrlichkeit aus ... 

Am 5. Dezember 2018 stellte der ADFC Gütersloh in Zusammenarbeit mit ADFC Bielefeld und ADFC Herford sowie den Städten Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück, Bielefeld und Herford und dem Kreis Gütersloh das Projekt „Radschnellweg OWL 2.0“ vor.

Ziel ist ein Radschnellweg von Herford über Bielefeld und Gütersloh bis nach Rheda-Wiedenbrück. Er soll an den derzeit geplanten Radschnellweg OWL (RS 3) zwischen Minden und Herford anschließen und zusammen mit diesem das Rückgrat für das Radverkehrsnetz in OWL bilden: eine durchgehende Radverbindung im ostwestfälisch-lippischen Wirtschafts- und Siedlungsraum.

Bedeutendstes Projekt neben dem Radschnellweg Ruhr

Dr. Axel Horstmann, stellvertretender Vorsitzender des ADFC NRW, verdeutlichte die steigende Bedeutung von Radschnellwegverbindungen, die einen Ausweg aus dem alltäglichen Verkehrskollaps aufzeigen: „Eine zeitgemäße Mobilität kommt ohne eine gute Infrastruktur für das Fahrrad nicht mehr aus. Gerade wenn man im Alltagsverkehr berufstätige Pendler vom Auto auf das Fahrrad umsatteln möchte, braucht man eine direkte, schnelle und sichere Verbindung zwischen den großen Wirtschaftszentren. Und mit dem Radschnellweg OWL werde nun das – neben dem Radschnellweg Ruhr (RS1) – landesweit bedeutendste Radschnellweg-Projekt auf den Weg gebracht.“

Radschnellwege werden in der Regel bevorrechtigt geführt und queren außerorts andere Straßen z.B. durch Brücken oder Tunnel. „Der Radverkehr ist sehr umwegesensibel“, ergänzte Daniel Neuhaus, Vorstandsmitglied des ADFC Gütersloh. „Die Niederländer machen uns vor, wie selbst zwischen Mittelzentren Radschnellwegverbindungen etabliert werden, die von immer mehr Pendlern angenommen werden.“ Wer zwischen Gütersloh und Bielefeld per Rad pendele, sei derzeit im Wesentlichen auf die B 61 angewiesen, die nicht über eine zeitgemäße Rad-Infrastruktur verfüge, so Neuhaus. Und er machte klar: „Seit dem Aufkommen von Pedelecs werden auch weitere Distanzen im Alltagsverkehr bewältigt. Das Fahrrad zeigt einen Ausweg aus Dauerstau und Dieselskandal“.

Vermutlich würden die wenigsten Radfahrer stets die komplette Strecke von Herford nach Rheda-Wiedenbrück durchfahren, aber auch für zahlreiche Teilstrecken weist eine Analyse der Stadt Bielefeld ein Potenzial von mehreren Tausend Pendlern je Tag auf. Dazu kommen noch die Nutzer, die die innerörtlichen Abschnitte nutzen, aber die jeweiligen Stadtgrenzen nicht überfahren.

Gemeinsames Interesse der Region OWL

Die beteiligten Projektpartner haben das Projekt für das Regionalentwicklungsprogramm REGIONALE 2022 angemeldet. Einer der Schwerpunkte dabei ist die Mobilität. Dr. Peter Böhm, Beigeordneter der Stadt Herford, verweist darauf, dass in Herford der RS3 und der neue „Radschnellweg OWL 2.0“ zusammengeführt werden: „Naturgemäß liegt uns die Verbindung nach Bielefeld besonders am Herzen und wir freuen uns, dass wir das Projekt nun gemeinsam in der REGIONALE weiter voranbringen“.

Nachdem das Projekt zwei Tage zuvor die erste Hürde bei der REGIONALE nahm und in den Qualifizierungsprozess aufgenommen wurde, geht es nun um die weitere Umsetzung. Gregor Moss, Beigeordneter der Stadt Bielefeld, wies darauf hin, dass die REGIONALE eine gute Chance biete, innovative Projekte auf den Weg zu bringen. Zwar gebe es bisher schon interkommunale Zusammenarbeit, aber die REGIONALE habe eine Strahlkraft für die ganze Region, beteilige auch Verbände wie den ADFC und habe über die Qualifizierungsstufen, die jedes Projekt durchlaufen müsse, einen hohen Qualitätsanspruch. Gleichzeitig warb er für das Einbinden der Bürger: „Ein Radschnellweg bedeutet einen Eingriff in die Infrastruktur einer Stadt und es gibt viele Betroffene. Die muss ich alle mitnehmen!“

Machbarkeitsstudie ab 2019 für Strecke Herford–Bielefeld–Gütersloh–Rheda-Wiedenbrück

Die Stadt Bielefeld, die auf kommunaler Ebene die Verantwortung für das Projekt übernommen hat, hat eine eigene Projektstelle ab Januar 2019 für den Radschnellweg geschaffen. Der nächste Schritt ist eine Machbarkeitsstudie, bei der es darum geht, geeignete Korridore für die Streckenführung zu identifizieren. Bezüglich der Finanzierung gibt es Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene, die parallel geprüft werden. Auch Bürger, Parteien und Verbände werden aktiv eingebunden.

Diese Schritte sollen nun schnell angegangen werden, denn die Projektbeteiligten wissen, dass noch viele Hürden vor Ihnen stehen. Nina Herrling, Beigeordnete der Stadt Gütersloh schaute in die Zukunft: „Nach der Trassenplanung wissen wir, woher der Radschnellweg führen wird. Dann kommt die Herausforderung des Kaufs von Flächen.“ Zum Ende der REGIONALE im Jahr 2022 wird der Radschnellweg noch nicht gebaut sein, aber das Projekt soll bis dahin unumkehrbar sein – da sind sich alle Beteiligten einig.


Weitere Informationen

© 2019 ADFC Stadtverband Bielefeld e. V.