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Jahnplatz in Bielefeld: NOX-Messungen des Einzelhandels belegen Handlungsdruck

22.08.17
Kategorie: Aktuelles, Bielefeld, Verkehr, Mobilität, Verkehrsplanung, Verkehrspolitik

WHO plant Verschärfung des Stickoxid-Grenzwertes

 
Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat in den Jahren 2015 und 2016 am Jahnplatz Stickoxidkonzentrationen von 49 µg/m³ im Jahresmittel gemessen (EU-Grenzwert: 40 µg/m³ im Jahresmittel).

Von April bis August 2017 hat der Bielefelder Einzelhandel an weiteren Stellen rund um den Jahnplatz 15 Werte über jeweils zwei Wochen gemessen. Die vor kurzem veröffentlichen Ergebnisse belegen ebenfalls die Notwendigkeit, den Kfz-Verkehr am Jahnplatz zu reduzieren. Sie zeigen, dass die Stickoxidbelastung am Jahnplatz nicht nur an einer Stelle hoch ist, sondern dass die Luftqualität dort flächendeckend und auch gesundheitsgefährdend schlecht ist.

Prinzipbedingt kann man aus Zwei-Wochen-Werten (des Handels) überhaupt nicht ableiten, dass gemessene Jahres-Werte (des LANUV) „falsch“ seien. Unverständlich ist außerdem, dass die Sprecher des Handels öffentlich betonen, angesichts der von ihnen ermittelten  Werte von bis zu 38 µg/m³ (im Schnitt 34,2 µg/m³) müsse nichts getan werden. 

Die Fachwissenschaft ist sich einig, dass auch ein solcher Wert gesundheitssschädlich und damit zu hoch ist. Die Bielefelder Wissenschaftlerin Prof. Dr. Claudia Hornberg (Universität Bielefeld) spricht in einer Pressemitteilung davon, dass ein Jahresmittelwert von höchstens 20µg/m³ als Grenzwert angemessen wäre:

Laut Dr. Alexandra Schneider, Arbeitsgruppenleiterin am Institut für Epidemiologie II des Helmholtz-Zentrums in München arbeitet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit an einer Überarbeitung ihrer Richtlinien, auch dabei ist ein Grenzwert von 20 µg/m³ im Gespräch:

 
ADFC Bielefeld: Jahnplatz umgestalten

Deswegen schlägt der ADFC Bielefeld vor, die Zufahrt zum Jahnplatz aus allen Richtungen – je nach räumlicher Situation unterschiedlich weiträumig – für den individuellen Kraftverkehr zu unterbinden, den Platz zu begrünen und zu einem attraktiven Platz mit einer hohen Aufenthaltsqualität für die Bürgerinnen und Bürger umzugestalten. Diese Lösung erfüllt alle Kriterien, die in der politischen Diskussion genannt werden:

  • Die Innenstadt bleibt auch mit dem Auto aus jeder Richtung erreichbar
  • Der Kfz-Durchgangsverkehr (mit Ausnahme des ÖPNV) wird aus dem Jahnplatz herausgehalten
  • Die Attraktivität des Platzes steigt, die Luftqualität wird besser
  • Letzten Endes zieht ein attraktiver Jahnplatz mehr Menschen an und damit auch Kunden für den Einzelhandel in der Bielefelder Innenstadt

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