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Heeper Straße: Radeln in der Unfallzone

14.10.19
Kategorie: Aktionen, Aktuelles, Bielefeld, Verkehrspolitik, Verkehrsplanung, Sicherheit, Verkehr

Foto: Andreas Finke



Foto: Andreas Finke


Ein Schutzstreifen, der niemanden schützt

Heeper Straße zwischen Kesselbrink und Viktoriastraße: Seit einigen Wochen finden sich auf beiden Straßenseiten sog. Schutzstreifen (unterbrochene Markierungen) für den Radverkehr. Auf einer Seite unmittelbar (ohne dazwischen liegenden Sicherheitstrennstreifen!) direkt neben Parkflächen für Autos. Wer hier Rad fährt, läuft Gefahr, mit sich öffnenden Fahrertüren zu kollidieren. Der Schutzstreifen schützt vor nichts – im Gegenteil: er zeigt genau den Bereich an, in dem das Radfahren besonders gefährlich ist.

Wer defensiv und vorausschauend fährt, wie es der Verstand und die Straßenverkehrsordnung fordern, muss links neben dem Schutzstreifen fahren. Der Clou: Wer im Schutzstreifen fährt (also zu nah am parkenden Auto) und wegen einer sich plötzlich öffnenden Autotür einen Unfall erleidet, erhält vor Gericht mit einiger Wahrscheinlichkeit wegen unvorsichtigen Fahrens eine Mitschuld am Unfall zugesprochen – so bereits geschehen. Eine unmittelbare rechtliche Verpflichtung zur Benutzung des Schutzstreifens beim Radfahren gibt es nicht. Ein Schutzstreifen ist nämlich keine von der Fahrbahn separierte (benutzungspflichtige) Radverkehrsanlage, sondern rechtlich ein Teil der Fahrbahn – anders als ein Radfahrstreifen (durchgezogene Linie). Radfahrer*innen haben von parkenden Autos also auch hier den nötigen seitlichen Sicherheitsabstand von etwa 1 m einzuhalten – genauso, als wenn kein Schutzstreifen auf der Fahrbahn markiert wäre. (Nebenbemerkung: Auf den benutzungspflichtigen Radfahrstreifen wäre das wegen ihrer größeren Breite meistens kein Problem; ansonsten wären Radfahrende auch dort nicht verpflichtet, sich selbst zu gefährden, und wegen der Benutzungspflicht zu nah an ggf. zu weit links parkenden Kfz entlang zu fahren).

In der Praxis sieht es so aus: Autofahrer*innen interpretieren den Rad-Schutzstreifen als rechte Begrenzung ihres „Kfz-Fahrstreifens“ und überholen Radfahrende oftmals mit zu geringem Abstand. Wer mit dem Rad fährt kann also zwischen Pest und Cholera wählen: Mit ausreichenden Seitenabstand zu parkenden Autos links neben dem Schutzstreifen fahren und dafür von Autofahrer*innen angehupt und beschimpft werden, die erwarten, dass Radfahrer*innen bitteschön auf „ihrem“ Rad-Schutzstreifen fahren sollen. Oder aber mit dem Rad im Schutzstreifen fahren und sich der Unfallgefahr durch öffnende Autotüren aussetzen.

Der ADFC Bielefeld sprach sich bereits im Planungsstadium eindeutig gegen diese Schutzstreifen aus und schlug Alternativen vor. Vergeblich: Das Amt für Verkehr setzte seine Vorstellungen bei der Politik durch – unter anderem mit der falschen Begründung, die technischen Regelwerke würden dies vorgeben. Bittere Ironie: Für diese Maßnahme erhielt die Stadt Bielefeld Radverkehrs-Fördermittel.

Der Radentscheid Bielefeld prostestierte am 4. Oktober 2019 mit einer Demonstration gegen diese Schutzstreifen  Dabei simulierten die Aktiven, welche Sicherheitsabstände nötig sind, und wo Räder und Kfz fahren müssten. Wenn man sich das vor Augen führt, bliebt als Sofortmaßnahme eigentlich nur, das Parken an dieser Straße zu Gunsten der Verkehrssicherheit zu verbieten, damit der Schutzstreifen von Radfahrer*innen nach rechts hin auch tatsächlich ausgenutzt werden kann.  


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