Unfallschwerpunkt Kreisverkehr?

Von Thorsten Böhm

„Unfallschwerpunkt Schildescher Straße“ und „Pedalritter leben gefährlich“, titelten die beiden Lokalzeitungen im September 2003 unisono und vermittelten den Eindruck, der kleine Kreisverkehr am Verkehrsknoten Nowgorodstraße/ Ernst-Rein-Straße/Schildescher Straße sei auf Grund seiner Gestaltung für Radfahrer gefährlich.

Das „Westfalen-Blatt“ berichtete,„sicherheitsbewusste Pedalritter" hätten ihren eigenen Kopf und nutzten lieber den breiten Gehweg vor dem Gebäude der Stadtwerke, der gute Voraussetzungen für einen Rad-/Gehweg biete. Das Blatt hätte lieber das Wort „sicherheitsbewusste“ in Anführungsstriche setzen und auf das alberne „Pedalritter“ ganz verzichten sollen: Der ADFC hat die tatsächlichen Unfallursachen recherchiert und dabei erfahren, dass im Kreisverkehr selbst bislang keine Unfälle mit Radfahrern zu verzeichnen sind, obwohl er regelmäßig von solchen genutzt wird.

 

Radstreifen beziehungsweise Schutzstreifen führen die Radfahrer auf der Schildescher Straße gut sichtbar an den Kreisverkehr heran (links unten). Separate Radstreifen im Kreisverkehr haben sich andernorts nicht bewährt, der Radverkehr wird tatsächlich am sichersten auf der Fahrbahn geführt. Fotos: Hansjörg Gerber

 

Trügerisches Sicherheitsbewusstsein 

Die von den Zeitungen referierten Unfälle erlitten diejenigen Radfahrer, die in falsch verstandenem Sicherheitsbewusstsein so fuhren, wie das „Westfalen-Blatt“ es empfiehlt. Sie umrundeten den Kreisverkehr auf dem nicht für Radverkehr frei gegebenen Gehweg und kollidierten dann mit Autofahrern, die das Gelände der Stadtwerke durch die dortige Grundstücksausfahrt verlassen wollten. Diese Variante kann daher nicht zur Nachahmung empfohlen werden. 

 

Dieser unterbrochene Streifen an der Grundstuücksausfahrt der Stadtwerke (Schildescher Straße) soll verhindern, dass Kraftfahrer bei Dunkelheit in den Radweg einfädeln. Er suggeriert aber Radfahrern durch seinen schrägen Verlauf, dass sie bis hierhin den Gehweg zu benutzen hätten. Daher wird er durch einen unterbrochenen Streifen ersetzt, der parallel zur Bordsteinkante verläuft. Foto: Hansjörg Gerber

 

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