Düstere Gestalten

Von Thorsten Böhm

Neulich um siebzehn Uhr einundzwanzig: In dezentes Schwarz gehüllt schießt unvermittelt eine Rad fahrende Gestalt aus dem Dunkel wie aus den unendlichen Weiten des Universums und kreuzt mich knapp verfehlend meinen Kurs, bevor die Dunkelheit sie wieder verschluckt. Selbst dem Lichtkegel eines nachfolgenden Autos gelingt es kaum, sie aus der Umgebung heraus zu schälen. Beleuchtung am Rad: Fehlanzeige. Wer jemals darüber gegrübelt hat,was ein schwarzes Loch sein könnte, hätte in diesem Augenblick eine lebhafte Vorstellung davon erhalten.

Dunkle Ritter wie diese gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Warum das so ist, bedarf wohl keiner ausführlichen Erläuterung.Mindestens ärgerlich ist aber etwas anderes: Durch ihre Rücksichtslosigkeit und die mangelnde Bereitschaft, ihr Rad endlich mit einer dauerhaft funktionierenden Beleuchtung auszustatten, erzeugen sie eine ausgesprochen schlechte Stimmung bei Lokalpolitikern und ihren Wählern gegenüber Rad fahrenden Menschen im allgemeinen und der Radverkehrsförderung im besonderen. 

 

Radfahrer L. M. aus B. auf Mountain-Bike „Black Ghost“ in der Ravensberger Straße.

 

Schädlich für die Radverkehrsförderung

Radverkehrsförderung kann nicht durch Ehrenamtliche des ADFC und einige aufgeschlossene Politiker und Verwaltungsangehörige allein realisiert werden. Für den Erfolg ihrer Bemühungen und wirklich Grund legende Verbesserungen bedarf es einer Parteien übergreifenden Bereitschaft in Politik und Öffentlichkeit, das Verkehrsmittel Fahrrad und Rad fahrende Menschen ernst zu nehmen. Ist es zu viel verlangt, von Rad fahrenden Menschen hierfür die Rücksichtnahme im Straßenverkehr zu verlangen, die ohnehin selbstverständlich sein sollte?

Nase voll

ADFC-Aktive haben die Nase voll davon, sich in Verhandlungen und auf eigenen Veranstaltungen immer wieder das Verhalten ihrer (vermeintlichen) Klientel vorhalten zu lassen. Dies betrifft pubertär-dynamisches Fahrverhalten (meist männlicher) Radpiloten ebenso wie das gleichgültig-phlegmatisch-unbedachte Herumgegurke biederer Mittelstandsbürger. Beiden gemein ist fehlende Vorsicht im Straßenverkehr, und zwar nicht nur in Bezug auf Licht am Rad, sondern auch gegenüber anderen Verkehrsteilnehmer. Die ebenfalls oft mangelnde Rücksichtnahme anderer Verkehrsteilnehmer gegenüber Radfahrern hat die gleichen Wurzeln und darf wohl kaum als nachahmenswert gelten.

Liebe ADFC-Mitglieder, scheut euch nicht, diese Menschen mal anzusprechen, wenn sie in Eurem Dunstkreis aufkreuzen. Für die Konversation empfehle ich, sich zunächst einer moderaten Wortwahl zu befleißigen.

Aktion der AGFS

Die Arbeitsgemeinschaft „Fahrradfreundliche Städte und Gemeinden in NRW“ (AGFS) reagiert derzeit mit der Kampagne „Nur Armleuchter fahren ohne Licht“. Plakate, Gratis-Postkarten und Faltblättern appellieren auf humorvolle Weise an Vernunft und Rücksichtnahme Rad fahrender Menschen.

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