Dauerthema Toter Winkel

Von Thorsten Böhm

Im September 2005 ist es erneut zu einem tödlich verlaufenen Unfall einer Radfahrerin mit einem rechts abbiegenden Lastwagen gekommen. Die Lokalpresse hat hierüber umfangreich berichtet und auch Anregungen des ADFC zur Minimierung des Unfallrisikos wiedergegeben. Leider haben einige Mitmenschen diese Berichterstattung zum Anlass genommen, auf der Leserbriefseite pauschale Radfahrerschelte abdrucken zu lassen.

Nicht nur in Bielefeld werden immer wieder Radfahrer von rechts abbiegenden Lkw tödlich verletzt. Festzustellen ist dabei: Lkw-Fahrer überfahren nicht mutwillig Radfahrer und Radfahrer kollidieren nicht mutwillig mit Lkw. Beide gilt es vor den traurigen Folgen solcher Unfälle zu schützen.

Seit geraumer Zeit bereits sind verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit verfügbar und in Fachkreisen auch anerkannt. In den Radnachrichten haben wir wiederholt darüber berichtet. Vorgezogene Haltelinien und Ampel-Grünvorlauf für Radfahrer sowie neuartige Lkw-Spiegel-Systeme helfen unstrittig dabei, einige der festgestellten Unfallursachen zu bekämpfen. Daher sollten sie selbstverständlich eingesetzt werden, auch wenn es keine rechtliche Verpflichtung dazu gibt.

Dass es unter Radfahrern, wie auch unter anderen Verkehrsteilnehmern, solche gibt, die sich unachtsam oder rücksichtslos verhalten, ist kein Argument dafür, auf sinnvolle bauliche und technische Maßnahmen zur Verkehrssicherung zu verzichten. Dies liegt im allgemeinen Interesse und ist nicht als Belohnung für das wünschenswerte Wohlverhalten von Verkehrsteilnehmern zu sehen.

 

Der dunkelgraue Bereich beschreibt den "Toten Winkel". Der Lkw-Fahrer kann einen Radfahrer nicht sehen, der sich in diesem Bereich befindet. Grün-Vorlauf für Radfahrer an Ampeln hilft dabei, den Radfahrer aus dem toten Winkel herausfahren zu lassen, bevor der Lastwagen anfährt. Neuartige mehrteilige Spiegelsysteme (z.B. "Dobli") helfen, den toten Winkel zu verkleinern.

Radfahrern ist anzuraten, sich in solchen Situationen vorausschauend und defensiv zu verhalten. Dies gilt besonders, wenn der Lastwagen nicht an einer Ampel wartet, sondern fährt. Vorsichtshalber sollte man nicht rechts an ihm vorbei fahren, bis klar ist, in welche Richtung er weiter fährt oder bis klar ist, dass der Lkw-Fahrer den Radfahrer gesehen hat und wartet, um ihn vorbei fahren zu lassen.

Grafik: Stadt Münster

 

Mehr zu diesem Thema in den Bielefelder Radnachrichten

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